Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Deutschlands akademische Bildungseinrichtungen trugen ihr Scherflein dazu bei, dass in jedem Semester Studienplätze unbesetzt blieben. Dass hier einiges verschleppt wurde, räumte das Bildungsministerium des Bundes ein.
Um zu verhindern, dass sich die Hochschulen und die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) weiterhin gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben und zukünftige Studenten darunter leiden müssen, ist für kommenden Montag ein Krisengespräch in Berlin anberaumt. Mit am Tisch von Bildungsministerin Schavan: Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), und Henry Tesch (CDU), Präsident der Kultusministerkonferenz. Andreas Pinkwart, Wissenschaftsminister in Nordrhein-Westfalen, wir als zuständiger Vertreter der ZVS ebenfalls dabei sein.
«Erklärtes Ziel ist es, noch zum Wintersemester 2009/2010 ein funktionierendes Verfahren zu starten, bei dem auch im Nachrückerverfahren keine Studienplätze mehr unbesetzt bleiben», sagte Tiziana Zugaro, Pressesprecherin des Bundesbildungsministeriums (BMBF), gegenüber news.de.
Seit gut zwei Jahren würden diverse Verfahren getestet, mit denen das machbar sein soll. Der Haken daran: «Leider haben sich viel zu wenig Hochschulen an den Erprobungen beteiligt», räumt die BMBF-Sprecherin ein. Während der gesamten Zeit habe das Ministerium das Verfahren fachlich begleitet und versucht, alle Beteiligten ins Boot zu holen. Das sei jedoch nur indirekt möglich gewesen, da nur die HRK derlei zentral steuern könne.
Fest steht, dass die Hochschulen die Vergabe von Studienplätzen am liebsten gänzlich ohne die ZVS regeln wollen. So hieß es jüngst in einer Presseerklärung der Hochschulrektorenkonferenz, dass die Hochschulen ein Zulassungsverfahren durchführen wollten, das «ohne ein bundesweites Serviceverfahren [...] weniger aufwändig» sei und mit dem sich offene Studienplätze schneller vergeben ließen.
Das aber werde nicht funktionieren, gab auch das Bundesbildungsministerium zu verstehen. Zugaro gegenüber news.de: «Man wird auf jeden Fall eine zentrale Stelle brauchen, die die Daten auswertet. Ohne eine Servicestelle wird es nicht gehen.»
Trotzdem soll das auf digitalen Daten basierende Verfahren umgesetzt werden. Dafür stellt der Bund zum Start eine Anschubfinanzierung von fünf Millionen Euro zur Verfügung. In zwei darauffolgenden Jahren soll es jeweils noch einmal 2,5 Millionen Euro geben.
«Es ist nicht vorgesehen, dass sich die Hochschulen daran finanziell beteiligen», gab die BMBF-Sprecherin zu verstehen. Diese müssen lediglich dafür Sorge tragen, dass das IT-Verfahren in die Hochschulsysteme integriert und jeweils aktuelle Daten eingepflegt werden. Für ein von der ZVS vorgeschlagenes Verfahren hätten die akademischen Bildungseinrichtungen pro freiem Studienplatz 20 Euro an die ZVS zahlen müssen.
Beim internetbasierten Verfahren bestehe die dringende Notwendigkeit, dass sich die Hochschulen hier engagieren. «Die starke Beteiligigung, wie sie wünschenswert und notwendig gewesen wäre, um die Studienplatzvergabe zu beschleunigen, gab es bei den Erprobungen nicht. Das hat dazu geführt, dass das nötige Verfahren bis jetzt verschleppt wurde», räumte Tiziana Zugaro ein.
ham