Rom wird grün
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Von news.de-Redakteurin Mara Schneider
Artikel vom 02.02.2009Das weltgrößte Panorama ist Geschichte, hängt zerrissen und mit Farbklecksen verunstaltet an seiner Aufhängung. Doch von Trauer keine Spur. Im Gegenteil. Am glücklichsten über diesen Frevel ist Yadegar Asisi, der Künstler selbst.
Yadegar Asisis Augen strahlen vor Freude. Soeben wurde eines seiner Werke, das bisher weltgrößte 360-Grad-Panorama, für immer unbrauchbar gemacht, vernichtet. Dennoch hat der 54-jährige Architekt und Künstler sein Ziel erreicht. «Ich wollte das Leuchten in den Augen der Leute sehen, die mir vorher gesagt haben, ich kann das auf keinen Fall zerstören», sagt er lächelnd. Und für den gebürtigen Österreicher steht fest: Ein Werk hat er gar nicht zerstört. «Nur eine 600 Kilogramm schwere bedruckte Stofffleinwand.»
Seit November 2005 war das Panorama «Rom CCCXII» in einem ehemaligen Gasometer in Leipzig öffentlich zugänglich. 600.000 Menschen sahen das Kunstwerk seitdem, das 31 Meter hoch und 106 Meter lang ist. Auf rund 3300 Quadratmetern eröffnete sich dem Betrachter der Einmarsch von Kaiser Konstantin und seinem Heer in Rom im Oktober 312.
Doch Konstantins Zeit ist abgelaufen. Ende März wird sich den Besuchern an seiner Stelle der tropische Regenwald des Amazonas präsentieren. Um Platz dafür zu schaffen, muss Rom weichen. So hat Asisi zahlreiche Menschen um sich versammelt, die gemeinsam mit ihm Abschied nehmen sollen. Auf eine ganz besondere Art und Weise.
Mit 250 Litern Farbe machen sich die rund 100 anwesenden Besucher an der Leinwand zu schaffen. Symbolisch soll das alte Rom in eine grüne Oase verwandelt werden – und so als Vorbote dienen auf das, was als nächstes kommt. Von Wemut keine Spur. Der Gedanke, ein großartiges Kunstwerk zu zerstören, kommt bei kaum jemanden auf. «Es ist ein einmaliges Gefühl hier dabei zu sein», sagt Kerstin Lorenz, während sie mit einer großen Wasserspritzpistole grüne Streifen auf eine antike Mauer malt. Wer direkt vor der Leinwand steht, hat zu dem riesigen Kunstwerk keinen Bezug mehr, sieht nur noch Ausschnitte, einzelne Pixel.
Von Lichteffekten und Trommelwirbeln begleitet, toben sich große und kleine Besucher eine Viertelstunde lang an der Leinwand aus. «Du hast deine Schuldigkeit getan», verabschiedet auch Yadegar Asisi das Gemälde, das in den nächsten Tagen vollständig zerstört und entsorgt wird. «Kunst ist vergänglich», sagt der Künstler und ist am Ende des Abends froh, «ein so lustiges Fest» erlebt zu haben. «Das war ein schönes Abschluss, wir werden uns sicherlich alle gern daran erinnern.»
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