Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Erst wird für das Wintersemester 2009/2010 ein Chaos bei der Vergabe von Studienplätzen erwartet. Jetzt gibt es für die Zukunft offenbar nicht genug Angebote für Erstsemester.
Davon geht eine Untersuchung des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie Berlin (FiBS) aus. Der zufolge fehlen bis zum Jahr mindestens 370.000 Plätze für Studienanfänger, 100.000 mehr, als bisher im Hochschulpakt II veranschlagt sind.
Das von den Forschern herangezogene Szenario beruht auf der Einschätzung, dass 75 Prozent all jener, die durch ihren Schulabschluss zu einem Hochschulstudium befähigt sind, auch studieren. Im 2007 lag die Quote sogar über 75 Prozent. Hinzu kommen Faktoren wie das Wanderungsverhalten von Studienanfängern.
Berücksichtigt wird zudem der Einfluss von Studiengebühren. «Diese führen zumindest in einigen Bundesländern vorrübergehend zu leicht sinkenden Übergangsquoten», sagt FiBS-Direktor Dieter Dohmen. In einer zweiten Kalkulation, die als realistischer eingeschätzt wird, gehen die Wissenschaftler sogar von 80 Prozent Studienanfängern - rund 437.000 junge Männer und Frauen - aus.
«In den bisherigen Planungen wird von 265.000 Studienanfängerplätzen für die Jahre 2011 bis 2015 ausgegangen. Diese Zahl liegt jedoch nur kaum über unserer unteren Prognose, die angesichts der jüngsten Entwicklungen zu niedrig erscheint», sagte FiBS-Direktor Dieter Dohmen.
Der Wissenschaftler schätzt, dass aufgrund dieser Zahlen ein deutlicher Ausbau des Hochschulsystems notwendig sein wird. «Fällt der Ausbau geringer aus, dauert der Übergang an die Hochschule länger», so Dohmen. Es könne aber auch dazu führen, dass im Berufsbildungssystem leistungsschwächere Bewerber verdrängt werden. Hier sei die Kultusministerkonferenz (KMK) gefordert.
Konkrete Stellung zu diesen Zahlen will die KMK derzeit jedoch nicht nehmen. Die Studie soll aber «neben eigenen Einschätzungen zur Übergangsquote zum Studium bei den neuen Verhandlungen zum Hochschulpakt II im März eine Rolle spielen», hieß es aus Bonn.