Gute Noten in der Schule sind wichtig für die Zukunft. Doch sie können auch zum Stigma werden, wie eine Studie der Technischen Universität Chemnitz zeigt.
Die Ausgrenzung überdurchschnittlich guter Schüler ist weiter verbreitet als bislang vermutet. Einer Studie der Technischen Universität (TU) Chemnitz zufolge wird in achten Klassen jeder fünfte Schüler von Klassenkameraden gelegentlich oder häufig als Streber bezeichnet. Betroffen seien erwartungsgemäß vor allem leistungsstarke Schüler, sagt Psychologin Katrin Rentzsch. Das Geschlecht und die Schulform spielten dagegen keine entscheidende Rolle.
Wie es heißt, wird von den leistungsstärkeren Schülern im Schnitt aber «nur» jeder zweite Opfer regelmäßiger Anfeindungen. Besonders stark betroffen seien dabei introvertierte, sehr gewissenhafte und ehrgeizige Schüler, sagt Rentzsch. Tendenziell weniger Probleme hätten diejenigen leistungsstarken Schüler, die auf Mitschüler zugehen könnten und die auch außerhalb der Schule etwa im Sportverein aktiv seien. «Ein Rezept gegen eine solche mögliche Ausgrenzung gibt es aber nicht», sagt sie.
Die Studie zeigt auch, dass viele Schüler aus Angst vor Hänseleien im Unterricht ihr Licht unter den Scheffel stellen. «Schüler können ihren Status verbessern, indem sie ihre Leistungen zurückschrauben. Und das passiert leider auch», sagt Rentzsch. Es könne aber nicht das Ziel sein, dass Schüler aus Angst nicht mehr mitarbeiten oder sogar falsche Antworten geben würden. Hier sei pädagogisches Geschick nötig, um bei entsprechenden Signalen gegenzusteuern.
Für das schlechte Klima verantwortlich sind nach Einschätzung der Wissenschaftlerin Schüler, die auch in anderen Situationen Leute mobben würden. Ihr Leistungsselbstwert sei meist durchschnittlich bis niedrig. Für die aktuelle Studie wurden 350 Achtklässler verschiedener Chemnitzer Schulen befragt. Mit einer weiteren Untersuchung soll in den nächsten Monaten geklärt werden, welche Folgen die Stigmatisierung für betroffene Jugendliche haben können.
ham