Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Für die Vergabe freier Studienplätze zum Wintersemester 2009/2010 wird ein Chaos erwartet. Auslöser ist die dezentrale Vergabe, die einen Datenaustausch zwischen den Hochschulen erschwert.
Um angehenden Studenten die Wartezeiten zu verkürzen und frei gebliebene Plätze zeitnah an Bewerber zu bringen, soll die Bearbeitung der eingereichten Unterlagen schneller erfolgen. Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Bonn hat deshalb heute alle Hochschulen aufgefordert, die Bewerbungspapiere erst bei der Immatrikulation auf Echtheit zu prüfen.
Darüber hinaus soll das Hauptverfahren der Studienplatzvergabe bereits zum 1. September beendet sein. Das könne dazu beitragen, die derzeit langwierigen Nachrückerverfahren schneller zu beginnen, hieß es aus Bonn. Frei gebliebene Plätze sollen darüber hinaus in einer elektronischen Studienplatzbörse ausgeschrieben werden, wie es in Baden-Württemberg bereits üblich ist.
Verzögerungen in der Vergabe werden sich trotz der heutigen Beschlüsse aber nicht vermeiden lassen. In einigen Fällen könnte das sogar bedeuten, dass Studienanfänger erst dann ins Studium einsteigen, wenn das Semester bereits begonnen hat.
Den schwarzen Peter dafür schiebt Margret Wintermantel, Präsidentin der HRK, der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) zu. Die habe «das von ihr selbst vorgelegte Übergangsverfahren nicht fristgerecht» umsetzen können. Aus ZVS-Sicht sieht das erwartungsgemäß etwas anders aus.
Der Grundstein für die Zwistigkeiten wurde 2004 gelegt, als ein Gutachten des Wissenschaftsrates anregte, die ZVS in eine Servicestelle umzuwandeln. «Als administrative Unterstützung für die Hochschulen», erklärt ZVS-Pressesprecher Bernhard Scheer. Im Unterschied zur bis dato gültigen zentralen Vergabe von Dortmund aus, bleiben die Hochschulen mit diesem Servicesystem bei den Auswahlkriterien vollkommen autonom.
«Wir liefern letztlich nur das organisatorische Drumherum mit einem Informations- und einem Bewerbungsportal, die als zentrale Quelle für Bewerber dienen. Damit sind beispielsweise Aufnahmekriterien an einem Platz zugänglich, ohne dass Interessierte lange auf diversen Internetseiten herumsuchen müssen», erläutert Scheer.
Zwei Semester lang sei das Verfahren getestet worden. Allerdings haben sich daran die Hochschulen nicht im nötigen Maß beteiligt. Aus zweierlei Gründen, wie Scheer erklärt: «Die Hochschulen müssen einerseits pro freiem Studienplatz 20 Euro zahlen. Vor der Umstellung auf den Servicebetrieb war das kostenlos. Andererseits wollten die Hochschulen eine Garantie, dass eine bestimmte Zahl der Einrichtungen daran teilnimmt, bevor sie selbst einsteigen.» Das habe dann zu einer gegenseitigen Blockade geführt.
Das «dialogorientierte Verfahren», dass die HRK nun als noch nicht realisiert moniert, sei eine Weiterentwicklung dieses getesteten Serviceverfahrens, so der ZVS-Sprecher. Das internetbasierte Vorhaben müsse man sich als virtuellen Raum vorstellen, in dem alle Hochschulen und geschätzte 300.000 Studienbewerber agieren. «Die Bewerber stellen ihre Daten dort ein und schauen sich an, was die Hochschulen zu bieten haben», erklärt Scheer.
Zugleich kontert er auf die heutige Aussage der Hochschulrektorenkoferenz: «Den Hochschulen ist die Datenbank wichtiger, als ein Verfahren, dass die Probleme, nämlich den Überblick über vergebene und freie Plätze zu haben, auch so löst.» Die ZVS werde ihr Servicesystem auch weiterhin allen anbieten, die sich daran beteiligt. Auf jeden Fall auch zum Wintersemester 2009/2010.