Die Angst lehrt im Klassenzimmer
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Was aber, wenn der Lehrer alles abstreitet? Der Fachmann rät, die Klassengemeinschaft zu befragen. Bestätigt diese entsprechende Worte, bleibe dem Lehrer nichts anderes übrig als Stellung zu beziehen. «Dann sollte ein Vertrauenslehrer hinzugezogen werden, der als Vermittler fungiert und die pädagogische Verfehlung der Schulleitung gegenüber deutlich macht.»
Doch auch das funktioniert nicht immer. «Mitunter rennt man einfach gegen Mauern. Dann wird es richtig schwer, nicht nur weil sich das Kind beweisen muss.» Es sei ein mühsamer Prozess, solche Differenzen aufzuarbeiten. Und oft genug führe die vermeintliche Allmacht der Schule bei den Eltern zur Ohnmacht.
Tatsache aber ist, dass Eltern das Recht haben, alles über die Entwicklung des Kindes in der Schule zu erfahren und Einsicht in die Schulakte zu nehmen. Rüttelt das nicht wach, muss die nächste Instanz eingeschaltet werden. «Wenn nötig vom Eltern-, über den Schulelternrat bis hin zum Kultusministerium, wenn die Fronten verhärtet sind», betont Cancan. Das sei schwierig und koste viel Energie, denn oft ist Mobbing ein Tabuthema. Doch Eltern sollten sich niemals unter Druck setzen lassen und aufgeben. Wichtig sei es, alle Gespräche mit Lehrern und Schulleitung zu dokumentieren und zu verschriftlichen, um im Zweifelsfall Absprachen beweisen zu können.
«Institutionen haben oft Probleme damit, innere Missstände aufzuarbeiten. Alle Seiten haben aber Rechte und Pflichten, auch Schulen.» Schulordnung und Landesschulrecht würden klare Richtlinien vorgeben – auch für Lehrer. Damit könnten Eltern gut argumentieren. «Sich in dieser Sache zu informieren, ist aufwändig. Aber handelt es sich tatsächlich um Mobbing, so bleibt Eltern nichts anderes übrig als sich dem herrschenden Bürokratismus zu stellen und ihn für sich zu nutzen», sagt Candan.
Tatsache ist, dass Mobbing durch Lehrer immer wieder vorkommt. «Wir haben eine Vielzahl von Personen, die eigentlich für ihre pädagogische Funktion nicht geeignet sind», sagt Hartmut Jäger. «Die Lehrkräfte sind in dieser Hinsicht oft auch schlecht ausgebildet.» Wer beispielsweise am Gymnasium unterrichte, der sei mehr Fachwissenschaftler als Pädagoge. Doch nicht nur das sind aus Jägers Sicht Gründe für mobbende Lehrer: «Manche Lehrer werden auch vom Druck überrollt, der von Eltern und Kollegium kommt.» Das sei ein Defizit in der Persönlichkeitsstruktur, unter dem dann wiederum die Schüler leiden.
Professort Reinhold Jäger arbeitet am Zentrum für empirische pädagogische Forschung der Universität Landau. Er beschäftigt sich unter anderem mit pädagogischer und empirischer Pädagogik sowie mit dem Lehren und Lernen.
Petra Cancan ist alleinerziehende Mutter eines zehnjährigen Sohnes. Nach ihren eigenen Erfahrungen mit Mobbing in der Schule hat sie sich intensiv mit dem Schulrecht in Hessen auseinandergesetzt, engagiert sich bei EMGS und begleitet dort betroffene Eltern bei Gesprächen und der Konfliktlösung als eine Art Mentorin.
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