Mobbing

Die Angst lehrt im Klassenzimmer

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann

In der Schule sollen Kinder eigentlich auf das Leben vorbereitet werden. Doch wenn ihnen die Angst im Nacken sitzt, kann das Lernen schnell zum täglichen Horrortrip werden. Und dafür sorgen nicht nur die Mitschüler.

Auch Lehrer sind nicht über jeden Zweifel erhaben. Gerade in Fächern wie Kunst, Musik oder Deutsch haben Pädagogen bestimmte Vorstellungen, wie eine Aufgabe zu lösen ist. Doch gerade Kreativität lässt sich nicht in Schablonen pressen. Werden Erwartungen nicht erfüllt, hagelt es schlechte Noten und manchmal auch Bemerkungen, die sich aus dem Lehrermund kommend negativ auf das Lernverhalten auswirken können.

Reinhold Jäger, Professor für pädagogische Psychologie, sagt: «Lernen hat etwas mit Wertschätzung zu tun. Wird diese einem Schüler nicht entgegengebracht, fehlt die Basis für das Lernen.» Dadurch würden Kinder vom Lehrer ausgegrenzt, sogar zum Sonderling degradiert. «Im schlimmsten Fall haben sie Angst, in die Schule zu gehen oder schwänzen sogar.»

Längst bewiesen ist, dass Mobbing langfristige psychologische Folgen haben kann. «Wer etwas derartiges in der Jugend erlebt hat und es nicht aufarbeitet, der bleibt auch als Erwachsener immer in der Opferrolle. Im schlimmsten Fall werden dann aus den Opfern selbst Täter», erklärt der Fachmann.

Nur einmal «Du bist einfach dämlich» gesagt, bleibt nicht folgenlos. «Derlei zu äußern, weil eine Aufgabe anders gelöst wurde, als vom Lehrer erwartet, hat etwas mit einem Anpassungsphänomen zu tun.» Das sei jedoch nicht Ziel eines pädagogisch wertvollen Unterrichts. «Wer als Lehrer derlei von sich gibt, begeht eine schwere Verfehlung und müsste aus dem Unterricht entfernt werden», urteilt der Psychologe. Solches Handeln sei Beleg dafür, dass notwendige pädagogischen Fähigkeiten fehlen.

Doch wie vorgehen? Selbsthilfe für Eltern bietet die Elterninitiative gegen Mobbing und Gewalt an Schulen (EMGS), die im Internet neben Erfahrungsberichten und einem großen Forum einen Leitfaden bietet, wie schwierige Situationen Schritt für Schritt gemeistert werden.

Sich die Lehrer «vorzuknöpfen» ist der denkbar schlechteste Weg. Nur Sachlichkeit hilft weiter. Wichtig sei es, beide Seiten zu hören, denn auch Kinder haben eine subjektive Wahrnehmung. «Im Gespräch mit dem Lehrer wird sich dann zeigen, wenn etwas nicht stimmt. Das merkt man etwa daran, dass man keine oder nur ausweichende Antworten auf seine Frage erhält», erklärt Petra Candan von EMGS, die als Mutter selbst erlebt hat, wie schwierig es ist, etwas gegen Mobbing in der Schule zu unternehmen. Am besten sei es, im Gespräch gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

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