Sobald der Flugschreiber des Airbus A320 geborgen ist, erhoffen sich Spezialisten eine genauere Klärung der Umstände, die das Flugzeug zur Notwasserung auf dem New Yorker Hudson River zwangen. Die beiden Triebwerke sind verschollen.
Heute soll der Airbus geborgen und der Flugschreiber gesichert werden. Genauere Erkenntnisse zur Unglücksursache gab es zunächst nicht. Möglicherweise könnte Vogelschlag der Auslöser gewesen sein. Nach der Notwasserung im eiskalten Hudson River hatten am Donnerstag alle 155 Menschen an Bord ohne größere Verletzungen gerettet werden können.
Kathryn Higgins, eine Sprecherin der Nationalen Verkehrssicherheitsbehörde, teilte gestern mit, beide Triebwerke der Maschine hätten sich von den Tragflächen gelöst. Taucher seien mit Sonargeräten auf der Suche nach den Motoren. Weitere Erkenntnisse soll die Befragung des Piloten und des Co-Piloten bringen, die laut Higgins heute stattfinden soll.
Der 57-jährige Pilot Chesley Sullenberger, ein ehemaliger Kampfflieger mit 40 Jahren Erfahrung im Cockpit, wurde unterdessen von Politikern und Geretteten als «Held vom Hudson» gefeiert. Präsident Bush dankte Sullenberger in einem Telefonat für seinen meisterhaften Einsatz.
Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg zeichnete ihn mit einem Schlüssel der Stadt aus. «Sein mutiges Handeln hat die Menschen dieser Stadt und Millionen rund um die Welt inspiriert.» Die Besatzung hatte die Passagiere am Donnerstag nach der Notlandung innerhalb von wenigen Minuten aus der sinkenden Maschine bringen können. Fährschiffe und Rettungsboote nahmen sie auf. Der New Yorker Gouverneur David Paterson sprach vom «Wunder auf dem Hudson».
Die Unglücksmaschine wurde gestern an einen Pier geschleppt etwa sechs Kilometer von der Landestelle entfernt geschleppt. Der Rumpf lag voll unter Wasser, nur ein Flügel ragte heraus. Higgins zufolge soll heute versucht werden, das Flugzeug mit einem riesigen Kran auf einen Schlepper zu heben.
Die Maschine war vom New Yorker Flughafen La Guardia nach Charlotte im Bundesstaat North Carolina unterwegs gewesen. Kurz nach dem Start geriet die Maschine in einen Vogelschwarm. «Wir hörten einen lauten Schlag und das Flugzeug bebte ein bisschen», sagte Passagier Alberto Panero. «Wir sind überglücklich, noch am Leben zu sein», sagte der gerettete Passagier Bill Zuhoski (23) später an Land.
Nach der Notlandung hatten sich in dem Fluss vor Manhattan dramatische Szenen abgespielt. Der Airbus versank bis zu den Fenstern im vier Grad kalten Wasser. Viele Passagiere kletterten auf die Tragflächen, andere rutschten ins Wasser. Etliche hatten sich dabei Knochenbrüche und Unterkühlungen zugezogen. Die meisten, darunter auch eine Frau mit einem Baby, kamen rechtzeitig in Rettungsboote.
Sullenberger, der das Flugzeug sicher herunterbrachte, ist ein Experte für Flugsicherheit. Bei der Fluggesellschaft US Airways hat er hunderte Kollegen in Sicherheitskursen ausgebildet. Außerdem ist er Berater für Sicherheitsfragen und hat bei zahlreichen Unfallermittlungen mitgewirkt. An der Universität Berkeley bei San Francisco ist er Gastdozent für Katastrophenmanagement.
Der Pilot hatte nach dem Start über Funk Probleme gemeldet. Laut CNN besprach er noch kurz mit der Luftüberwachung eine mögliche Notlandung auf einem Flughafen im Nachbarstaat New Jersey. Doch dann sei der Funkverkehr mit dem Piloten plötzlich abgebrochen.
Seine Frau Lori sagte dem US-Sender CNN, sie sei völlig fassungslos gewesen, als sie von der Notwasserung erfuhr. Ihr Mann habe sie zu Hause in Danville in Kalifornien angerufen und gesagt: «Es hat einen Unfall gegeben.» Sie habe an eine Nebensächlichkeit gedacht. «Aber dann hat er mir die Umstände erklärt, und ich habe angefangen zu zittern.»
Ein Behördensprecher, der die Cockpitgespräche des Fluges 1549 abhörte, sagte CNN, der Pilot sei außerordentlich ruhig gewesen während des ganzen Vorganges. «Da gab es keine Panik, keine Hysterie», sagte der Sprecher. «Alles war professionell, ruhig, methodisch. Es war alles so, wie man hofft, dass es sein würde.» Ein Passagier, der Sullenbergers Leistung lobte, sagte, der Pilot habe den Fluggästen kurz vor der Notwasserung ganz ruhig geraten, die Arme ganz fest um den Oberkörper zu legen.
Nach Angaben der Airbus-Werke in Toulouse ist das Flugzeug im August 1999 an die Fluggesellschaft US Airways ausgeliefert worden. Über mögliche Unfallursachen wollte Airbus sich noch nicht äußern.
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