Von news.de-Redakteurin Mara Schneider
Es ist das Thema Nummer eins in sämtlichen großen Zeitungen der USA. Chesley Sullenberger III, ehemaliger Kampfpilot der US-Luftwaffe, rettet mit einer Notlandung 154 Passagieren eines Airbus das Leben. Jetzt feiern ihn die Medien als «Hudson Hero».
Von der Ost- bis zur Westküste, die Onlineausgaben der amerikanischen Tageszeitungen überschlagen sich zur Stunde mit mehr oder weniger reißerischen Schlagzeilen, wenn es um die Notlandung eines Airbus im New York Hudson River geht. In einem aber sind sich alle einig: Chesley (Sully) Sullenberger III. ist ein Held, der sich die Huldigung und Lobpreisung einer gesamten Nation verdient hat.
Es wäre beinahe in einer Katastrophe geendet, schreibt die New York Times und blickt zurück auf den denkwürdigen 11. September 2001, als zwei Flugzeuge ins World Trade Center der Metropole einschlugen. «Dieses Unglück hätte das gleiche Ausmaß haben können, hätte die gleichen Gefühle heraufbeschworen wie damals», schreibt das Blatt. Doch die Katastrophe wurde abgewendet. «Dank der schnellen Reaktion eines Piloten und eines geschickten Manövers.»
Von fassungslosen, verblüfften Augenzeugen ist die Rede, als der Airbus A320 aus einer Höhe von 3200 Fuß (875 Meter) über dem Stadtteil Bronx plötzlich nach links abschwenkte, in Richtung Fluss nach unten absackte und «in einer vorsichtig ausgeführten Landung kurz nach 15.30 Uhr» Unmengen Wasser aufwirbelte. «Wir haben ein Wunder auf dem Hudson erlebt», wird New Yorks Gouverneur David A. Paterson zitiert.
«Wenn man ein Flugzeug sieht in einer Region, in der es nicht sein sollte, bekommt man so ein richtig ungutes Gefühl», sagte Susan Obel gegenüber der New York Times. Sie beobachtete den Airbus aus dem Fenster ihres Appartements im 20. Stock. «Ich habe nicht geglaubt, dass es einen terroristischen Hintergrund gibt, aber ich hatte Angst.»
Die New York Daily News fordert derweil die gesamte Nation auf, den Piloten Chesley (Sully) Sullenberger III. zu ehren. «Immer dann, wenn wir ein Wunder brauchen, bekommen wir eins», schreibt Redakteur Michael Daly. Alles wäre verloren gewesen ohne den Piloten des US Airways-Flugs 1549. «Chesley Sullenberger blieb so ruhig, als wäre er mit Engeln in der Luft unterwegs, und legte eine perfekte Landung hin, mit der Nase und den Flügeln genau in der richtigen Position.»
Für das Boulevardblatt New York Post ist Pilot Sullenberger schon jetzt ein «Superheld», der «Mann der Stunde». Der ehemalige Air Force-Kampfpilot habe den Fluss buchstäblich «bezwungen» und «gezähmt». Die Zeitung sprach auch mit Sullenbergers Nachbarn, die sich allesamt stolz über die Rettungstat ihres Helden zeigten.
«Wenn es einer gekonnt hätte, dann Sully», sagte ein Nachbar und gab dem Blatt gegenüber an: «Ich habe mich von Anfang an gefragt, ob er es war, weil er so kompetent und ruhig ist und immer alles genau durchdenkt.» Michael Savage, ein New Yorker Geschäftsmann und Millionär, hat der New York Post zufolge bereits angeboten, Sullenberger am 20. Januar als «special guest» zur Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Barack Obama mitzunehmen.
Das Online-Portal newsday.com hat exklusiv mit einem der Passagiere gesprochen. «Ich habe eine laute Explosion auf der linken Seite des Flugzeugs gesehen», erinnert sich Jeff Kolodjay. Kurz darauf nahm der 31-Jährige einen starken Gasgeruch wahr. «Ich habe Feuer gesehen, das an meinem Fenster vorbei entflammte. Dann kam die Ansprache des Piloten. Er sagte, wir sollten uns für den Aufprall bereit halten. Alle haben angefangen zu beten, denn das wollten wir nun wirklich nicht hören.» Die Landung sei aber nicht so heftig gewesen wie befürchtet, zitiert newsday.com den Passagier aus Sitz Nummer 22A. «Ich habe zu keinem Zeitpunkt den Gedanken gehabt, dass ich sterben müsste.»
Auch an der Westküste, im rund 4500 Kilometer entfernten Los Angeles, spielte das Unglück eine große Rolle in den Medien. Der Pilot sei «genau der Richtige zum richtigen Zeitpunkt» gewesen, schreibt die Los Angeles Times auf ihrer Internetseite.
Auch im benachbarten San Francisco machen sich die Menschen zur Stunde Gedanken über die Notlandung, den Piloten und die Passagiere. Der Artikel «Pilot wird nach Flugzeugabsturz in New York als Held gefeiert» des San Francisco Chronicle wird zahlreich kommentiert. «Das ist eine wundervolle Geschichte zwischen all den traurigen Meldungen. Das macht mich wirklich glücklich», beschreibt eine Userin iher Gefühle angesichts des glücklichen Ausgangs.
«Kein Wunder, dass er diesen Airbus wie ein Baby auf einem Kissen gelandet hat, als ehemaliger Air-Force-Pilot», kommentiert ein anderer. «Gebt ihm eine Medaille», fordert ein weiterer. «Er ist unser wahrer Held», schreiben etliche andere User und bringen damit auf den Punkt, was zurzeit eine ganze Nation fühlt.