Von news.de-Redakteur Frank Meinzenbach
Der Flugzeugabsturz von New York geht vermutlich auf einen Schwarm Vögel zurück. «Während der Start- und Landephase ist das heikel, weil es unberechenbar ist», sagt Experte Frank Stappenbeck (44) im news.de-Interview.
news.de: Vögel stellen ein großes Sicherheitsrisiko für den Flugverkehr dar. Nun kann man die jedoch schwer vom Himmel nehmen. Könnte man die Turbinen der Flugzeuge nicht besser schützen, zum Beispiel mit einem Gitter?
Stappenbeck: Das würde nicht funktionieren, weil dann der Leistungsverlust zu groß wird. Man muss bei den Triebwerken eine sehr starke Strömung, sehr großen Druck, aufbauen. Dieser Leistungsverlust würde die Triebwerke zu sehr schwächen und ineffizient machen.
news.de: Was passiert genau, wenn ein Vogel in das Triebwerk knallt?
Stappenbeck: Durch die Wucht des Aufpralls können die Triebwerksschaufeln demoliert werden. Das ist aber meist nicht das große Problem. Schlimm wird es, wenn die Verbrennung in der Brennkammer gestört wird, denn dann fällt das Triebwerk aus. Die Piloten versuchen dann den Neustart, wofür aber in dem Fall in New York anscheinend die Zeit nicht ausgereicht hat.
news.de: Wie lang braucht denn ein Neustart?
Stappenbeck: Das kommt darauf an. Wenn sich das Triebwerk noch dreht, dann dauert es von der Zündung der Brennkammer bis zum Erreichen der nötigen Drehzahlen nicht lange. Wenn das Triebwerk aber steht, dann kann es schon zwei bis drei Minuten dauern. Das kann jeder nachvollziehen, der schon einmal mit dem Ferienflieger losgeflogen ist.
news.de: Wie viel muss so ein Triebwerk aushalten?
Stappenbeck: Es gibt Tests, bei denen der Vogelschlag simuliert wird. Dafür schießen die Ingenieure einen toten Vogel in das laufende Triebwerk. Die sind halbgefroren, ein vollständig tiefgefrorenes Hühnchen würde wohl das Triebwerk zerlegen. Laut Vorschrift darf das Triebwerk keine Schaufeln verlieren und kein defektes Teil darf die Triebwerksgondel verlassen.
news.de: Schaut man sich so ein Triebwerk im Querschnitt an, wirken die einzelnen Teile sehr fragil, das Ganze sieht durchaus störanfällig aus.
Stappenbeck: Da kann ich sie beruhigen, Triebwerke sind eigentlich sehr stabil, was aber nicht heißt, dass es nicht zu Schäden kommen kann. Deswegen fallen sie aber in der Regel nicht gleich aus. Außerdem werden die Turbinen regelmäßig nach sehr strengen Kriterien gewartet – die größte Gefahr liegt eigentlich darin, dass bei Routine-Checks ein Schaden übersehen wird.
news.de: Was passiert, wenn ein Vogel in das Triebwerk knallt, die Turbine deswegen aber nicht ausfällt.
Stappenbeck: Dieser Fall ist die Regel. Dann meldet der Pilot den Vorfall nach der Landung und das Triebwerk wird komplett zerlegt und repariert. Für den Flug ist das Triebwerk dann eben nur nicht komplett leistungsfähig.
news.de: Wird derzeit daran gearbeitet, Turbinen besser vor Vogelschäden zu schützen?
Stappenbeck: Nein, da arbeitet keiner dran. Man versucht vielmehr, die Flughäfen möglichst vogelfrei zu bekommen. Da werden zum Beispiel Schreckschusskanonen eingesetzt, um die Vögel zu vertreiben. Die Vogelschwärme sind ein spezielles Problem bei Start und Landung - wenn das Flugzeug einmal eine bestimmte Höhe erreicht hat, kann nichts mehr passieren.
news.de: Welche weiteren Risiken gibt es für Flugzeugturbinen?
Stappenbeck: Die Triebwerke sind grundsätzlich sehr robust. Wenn die Turbinen im Winter zu lange still stehen, dann müssen sie enteist werden. Maschinen, die viel in Wüstenregionen unterwegs sind, müssen häufiger gewartet werden, weil der Sand die Triebwerksschaufeln stärker abnutzt. Hitze stellt selbst kein Problem dar, allerdings sorgt die dünne Luft bei sehr hoch gelegenen Flughäfen für eine geringe Triebwerksleistung. Generell muss man sagen, dass die Triebwerke im Grenzbereich des ingenieurmäßig machbaren angesiedelt sind, um maximale Effizienz zu erzielen. Sie sind das spannendste und heikelste Bauteil des ganzen Flugzeugs.
news.de: Sind Vögel das größte Problem für die Triebwerke?
Stappenbeck: Für die Turbinen ja. Während der Start- und Landephase sind sie das heikelste Phänomen, weil es so unberechenbar ist.
news.de: Wie würden Sie die Notlandung in New York einschätzen? War das wirklich ein Wunder?
Stappenbeck: Zunächst einmal muss man sagen, dass die Piloten extrem für alle Eventualität ausgebildet werden und ihre Flugzeuge beherrschen. Allerdings ist eine Wasserlandung ohne Auseinanderbrechen des Flugzeugrumpfs schon richtig gut. Ob das Glück oder Können war, möchte ich hier nicht entscheiden. Dass keiner zu Schaden kam, ist aber wirklich erstaunlich.
news.de: Ist Fliegen zu gefährlich?
Stappenbeck: Nein, das Flugzeug ist statistisch gesehen nach wie vor das sicherste Transportmittel. Es liegt weit vor Auto und Bahn. Das haben wir vor allem den extrem strengen Vorgaben und Gesetzen zu verdanken. Aber wenn etwas passiert, dann ist es meist recht traumatisch. Und ein Flugzeugabsturz ist natürlich viel öffentlichkeitswirksamer als zehn Autounfälle.
news.de: Sie selbst werden also weiter fliegen?
Stappenbeck: Auf jeden Fall, ich bin gerstern noch aus dem Urlaub von Fuerteventura zurückgekehrt. Da bin ich an Bord einer Boeing 737 und einem Airbus A330 geflogen, und ich werde mich auch jederzeit wieder in einen Flieger setzen.
Der Diplom-Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik Frank Stappenbeck arbeitet als Verkaufsmanager bei AneCom AeroTest. Das Unternehmen testet Verdichter und Triebwerkskomponenten im Bereich Luftfahrt, aber auch Gasturbinen. Zuvor war der 44-Jährige bei Airbus angestellt.
soll news.de fragen stellen, die ein pilot stellen würde, oder wie sie meine mutter stellen würde? ich hab irgendwie auch erfahren, was ich wissen wollte...
jetzt antwortenKommentar meldenKann ja nicht jeder Pilot oder Schlaumeier, liebe/r MF. Außerdem gibt es keine blöden oder dummen Fragen, nur dumme Antworten - aber nicht in diesem Text. Wenn Sie schlauer sind, warum lesen Sie es dann?
jetzt antwortenKommentar meldenWieso blöde Fragen? Kann ja nicht jeder das Wissen eines Piloten oder Technikers haben. Hab mir die eine oder andere Frage auch gestellt und find es schön, jetzt eine Antwort darauf zu haben.
jetzt antwortenKommentar meldenBlöde Fragen - gute Antworten. Tut mir leid, aber von einer Onlinezeitung wie news.de erwarte ich mir ehrlich gesagt konstruktivere Fragen. Jeder der selbst Pilot ist, wird mir hoffentlich zustimmen.
jetzt antwortenKommentar meldenUnzumutbare Aussagen von Hr. Stappenbeck: Triebwerke und Vogelschlag sind unberechen-bar? Das Schicksal von ein paar hundert Passagieren sei also unberechenbar, und ist vom dummen Federvieh abhängig. Ein Zug entgleist auch nicht bei einem Zusammenprall mit Wild. Unverantwortlichkeit, geistige Unfähigkeit eines Hr. Stappenbeck. Es gibt für alles Gegenmassnahmen: leichte, strömungsgünstige, Aufprall dämpfende Schutzgitter (nur im Start- Landebetrieb im Strömungsbereich), Kollisionswarngerät an Bord, wesentlich stärkere Schaufelkonstruktionen der ersten Verdichterstufen. Aber nein wie immer geht Profit vor Menschenleben und Rufschädigung der Flugbranche. Nicht nachvollziehbar wie solch ein einfallsloser, Pessimist im Triebwerkstest Bereich tätig ist
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