Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Haben Vögel das New Yorker Flugzeugunglück verursacht? Wie funktioniert eine Notwasserung? Und wann steht die Ursache endgültig fest? Diese und andere Fragen beantwortet Luftfahrtexperte Cord Schellenberg im news.de-Interview.
news.de: Herr Schellenberg, es wird gemutmaßt, Vögel, die in die Triebwerke des Airbus geraten sind, seien für das Unglück in New York verantwortlich. Es wird bereits von einer Meisterleistung des Piloten gesprochen.
Schellenberg: Wir wissen nicht, ob es wirklich Vogelschlag war, üblicherweise gibt es für ein solches Unglück nicht den einen Grund. Oft handelt es sich um eine Verkettung von technischem und menschlichem Versagen. Daher würde ich auch nicht gleich den Piloten zum Helden machen. Was allerdings die Notwasserung angeht, scheint es, als habe er alles richtig gemacht.
news.de: Was ist denn das Heikle an einer solchen Notwasserung?
Schellenberg: Der Pilot muss beachten, dass er im richtigen Winkel auf das Wasser aufsetzt. Ist dieser zu flach, bricht das Heck ab, ist er zu steil, könnte sich das Flugzeug überschlagen. Immerhin geschieht eine solche Notwasserung mit 250 bis 300 Kilometern pro Stunde, das ist Formel-1-Geschwindigkeit.
news.de: Wieviel Zeit bleibt dem Piloten da, die richtigen Entscheidungen zu treffen?
Schellenberg: Nicht viel, zudem hat er nur einen Versuch. Sobald er auf das Wasser aufsetzt, muss er abwarten, was passiert. Daher ist so eine Wasserlandung auch die Ultima Ratio, eine Notlösung.
news.de: Werden Notwasserungen von Piloten geübt?
Schellenberg: Bei den gewerblichen Fluggesellschaften durchaus. Sinnvoll ist das natürlich nur, wenn ein Flugzeug auch entsprechend ausgerüstet ist.
news.de: Wie oft geht ein solches Manöver so glimpflich aus wie in diesem Fall?
Schellenberg: In den meisten Fällen geht es nicht so gut aus, oft bricht das Flugzeug auseinander. In diesem Fall hätte es ja auch noch passieren können, dass der Airbus eine Fähre getroffen hätte.
news.de: Wenn wir davon ausgehen, dass wirklich Vögel in das Triebwerk geraten sind, was ist so gefährlich an diesem sogenannten Vogelschlag?
Schellenberg: Er ist vor allem gefährlich für die Triebwerke, denn alles, was vorne reinkommt, muss auch hinten wieder raus. Bei einem Vogel ist das noch nicht unbedingt ein Problem, werden es drei oder vier, allerdings schon. Denn diese müssen ja durch die Triebwerke durch. Die Flugzeughersteller testen das durchaus, beispielsweise mit tiefgefrorenen Hühnern. Bei mehreren Vögeln halten die Turbinen das nicht aus, dann zerbrechen die Schaufeln im Triebwerk. Da entstehen unglaublich zerstörerische Kräfte.
news.de: Was bedeutet das für die Triebwerke und das Flugzeug?
Schellenberg: Im schlimmsten Fall explodiert das Triebwerk. Geschieht das nur auf einer Seite - in diesem Fall handelt es sich ja um eine zweistrahlige Maschine - ist das Problem beherrschbar. Das Triebwerk schaltet sich ab, der Pilot verändert die Fluglage und gibt den ganzen Schub auf das noch laufende Triebwerk. Das heißt, mit einem Triebwerk kann man auch noch ganz schön fliegen. Möglicherweise war es in diesem Fall aber so, dass der Pilot gar keine Kraft mehr auf beiden Triebwerken hatte. Dann blieb ihm nur die Notlandung.
news.de: Gibt es nicht die Möglichkeit, Gitter vor die Turbinen zu montieren?
Schellenberg: Ich vermute, ohne dass ich Ingenieur wäre, dass sie dann große Probleme mit dem Ansaugen von genügend Luft bekommen würden. Und wie gesagt: Im Grunde genommen stört der eine oder andere Vogel so ein Triebwerk auch nicht. Sie dürfen es nur nicht überbeanspruchen.
news.de: Wie oft kommt es zu Zusammenstößen zwischen Vögeln und Flugzeugen?
Schellenberg: Vögel leben nunmal zum Teil in der Luft, daher sind solche Vorkomnisse ganz alltäglich. Sie kommen allerdings vor allem bei Start und Landung vor. Und die Flughäfen tun auch eine Menge, um Vögel aus den gefährlichen Bereichen fernzuhalten.
news.de: Zum Beispiel?
Schellenberg: Zunächst versucht man, Vögel aus Flughafennähe zu verscheuchen, etwa durch natürliche Feinde, Selbstschussanlagen oder Vogelscheuchen. Und wenn beispielsweise ein Schwarm auf einem Flughafen gesichtet wird, macht sich Personal auf den Weg und verscheucht die Vögel mit Platzpatronen. Ein weiteres Mittel ist, das Gras auf Flughäfen nicht zu kurz zu mähen, damit für die Tiere die Situation am Boden unübersichtlicher wird.
news.de: Lässt sich eine Begegnung mit Vogelschwärmen für Piloten überhaupt vermeiden?
Schellenberg: Man versucht das, etwa, indem Piloten Schwärme melden. Dann werden durchaus auch Flugrouten geändert. Doch New York ist eine so große Stadt, da kann nicht jeder Pilot einen Funkspruch losschicken, bloß, weil er gerade 20 Gänse gesehen hat.
news.de: Was wird nach dem Unglück nun geschehen?
Schellenberg: Man wird versuchen, die drei Minuten bis zur Notwasserung zu untersuchen. Das ist sicherlich keine lange Zeitspanne, doch man sieht ja, was in so kurzer Zeit alles passieren kann. Es werden eine Menge Menschen befragt werden, von der Flugsicherung über das Towerpersonal und die Stewardessen bis hin zu den Fluggästen und den Piloten. Man wird untersuchen, ob alle Vorbereitungen richtig getroffen wurden und wie der Flug abgelaufen ist. Das ist eine ganz schön große Datenflut.
news.de: Wie lange wird es Ihrer Meinung nach dauern, bis die Unglücksursache feststeht?
Schellenberg: Ich würde sagen, sechs bis zwölf Monate. Vor allem kann ich nur sagen: Das, was als erste Unglücksursache gehandelt wird, muss sich am Ende nicht als wirkliche Ursache herausstellen.
Cord Schellenberg ist Luftfahrtexperte und PR-Manager aus Hamburg. Von 1995 bis 1997 war er parteiloser Senatssprecher der Freien und Hansestadt. Zudem ist er Vizepräsident des Luftfahrt-Presse-Clubs.
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Ich kann nur sagen ,daß war eine Glanzleistung von dem Piloten . Er hat eine hervoragende Arbeit geleistet.Ich habe keine Ahnung von Flugzeugen , aber was man so gesehen und gehört hat , na dies ist Klasse .Solch eine Leistung sollte man nicht schmälern .
jetzt antwortenKommentar meldenwarum soll man drüber reden? wen interessiert's? es ist nicht auf festem untergrund aufgeschlagen, das war glück und alle sind froh darüber. sind sie ein panikmacher, herr steur? propellermaschinen haben andere nachteile, zuverlässigkeit, wirtschaftlichkeit usw. sind sie von gestern, herr steur?
jetzt antwortenKommentar melden1.)Keiner spricht darüber, wenn das Wasser nicht zufällig dagewesen wäre, dann wäre die voll betankte Maschine auf dem Boden aufgeschlagen und in einem Feuerball explodiert, mit vielen Verbrannten. Warum spricht darüber keiner? 2.) Thema Vogelschlag: Früher gab es Propellermaschinen, da konnten keine Vögel in das Triebwerk gelangen. Bei den heutigen offenen Turbinen aber schon. Ergo sind diese viel unsicherer (lebensgefährliche Fehlkonstruktionen?) als die früheren Propellermaschinen. Anderere Massenverkehrsmittel wie Zug, Busse, Schiffe sind viel sicherer gegen Wildtiere. Flugsicherheit läch
jetzt antwortenKommentar meldenIch kann dem Piloten nur gratulieren das er das so hinbekommen hat. Ohne in Panik zu geraten hat er in Bruchteilen von Sekunden die richtige Entscheidung getroffen. Er war mal Luftwaffenpilot wie aus den Nachrichten hervorgeht. Da hat er noch fliegen gelernt und nicht nur Computer bedienen im Flugzeug. Ich kann das nachfühlen, ich war auch mal Pilot auf einen Kampfflugzeug. Da musste man noch fliegen können.
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