Von news.de-Redakteurin Mara Schneider
Wie leistungsfähig ein Unternehmen ist, hängt nicht zuletzt davon ab, wie motiviert seine Mitarbeiter sind. News.de sprach mit Motivationstrainer Stefan Frädrich, warum deutsche Arbeitnehmer häufig gefrustet sind und was dagegen getan werden kann.
Wie leistungsfähig ein Unternehmen ist, hängt nicht zuletzt davon ab, wie motiviert seine Mitarbeiter sind. Wer keinen Spaß an seiner Arbeit hat, leistet maximal Dienst nach Vorschrift. Die Folge sind Unproduktivität, fehlende Loyalität gegenüber der eigenen Firma und eine steigende Zahl an Fehltagen. Einem Unternehmen mit 1000 Mitarbeitern entstehen auf diese Weise jährliche Mehrkosten von 485.000 Euro. Und die Zahl der Arbeitsmuffel steigt, wie eine jährliche Studie des US-Beratungsunternehmens Gallup zeigt.
Dass immer mehr Arbeitnehmer unzufrieden in ihrem Job sind, ist aber kein neues Phänomen, sagt Motivationstrainer Stefan Frädrich. Die Ursachen sind vielfältig – und meist in der internen Struktur des jeweiligen Unternehmens zu finden. Ob sich jemand an seinem Arbeitsplatz wohl fühlt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören unter anderem der Grad an Eigenverantwortung, die Möglichkeit zur Weiterbildung, das Demokratieverständnis des Unternehmens und erhaltenes Feedback.
«2005 gab es schon mal eine Studie von Gallup, in der untersucht wurde, wie die Führungsebene gestaltet sein muss, damit Menschen Spaß an der Arbeit haben», erinnert sich Motivationstrainer Stefan Frädrich. Zwölf Punkte wurden ihm zufolge damals erarbeitet:
Weiß ich, welche Erwartungen an meine Arbeit gestellt werden? «Wir Menschen sind so ausgerichtet, dass wir einen Sinn in dem suchen, was wir tun», erklärt Frädrich. In vielen Unternehmen werde diese Frage aber nicht mehr gestellt. Alles was zählt, sind bestimmte Arbeitsabläufe, wer wann zu welcher Zeit wo zu sein hat und was zu tun ist. «Unsere Handlung muss aber einem Ziel unterstellt sein», sagt Frädrich.
Sind die nötigen Materialien vorhanden, damit ich meine Arbeit optimal ausführen kann? Wer beispielsweise im Rahmen seiner Arbeit im Internet nach Informationen suchen soll, aber keinen (gut) funktionierenden Internetanschluss besitzt, dem sind die Hände gebunden. Auch fehlende Kompetenzen oder Berechtigungen, Aufgaben aus dem eigenen Verantwortungsbereich überhaupt ausführen zu dürfen, können frustrierend sein.
Darf ich bei meiner Arbeit das tun, was ich am besten kann? «Menschen brauchen Erfolg. Der stellt sich aber nur ein, wenn man etwas macht, worin man gut ist, wenn man seine eigenen Stärken ausleben kann», sagt Frädrich. Oft werden Mitarbeiter in Abteilungen eingesetzt, in denen sie ihre Talente nicht entfalten können. Wer gern schriftstellerisch tätig wäre, in seinem Job aber vorrangig mit Zahlen zu tun hat, dem wird schnell der nötige Ansporn und somit auch die Motivation verloren gehen, seine Stärken optimal einzusetzen.
Einige Punkte der Studie zeigen, dass die Art und Weise, wie ein Mitarbeiter im Unternehmen angesehen, wahrgenommen und behandelt wird, großen Einfluss darauf haben, wie engagiert er seine Aufgaben ausführt.
Habe ich in den vergangenen sieben Tagen Lob und Anerkennung bekommen? «Die Menschen brauchen Feedback, positives und negatives», sagt Motivationstrainer Stafen Frädrich. Wer nie auf seine Arbeit angesprochen wird, fühlt sich übergangen. Anerkennung hingegen sorgt für den nötigen Schub an Selbstvertrauen und steigert die Chancen, dass man auch weiterhin sein Bestes gibt. Auch negatives Feedback zeigt zumindest, dass man mit dem, was man leistet, wahrgenommen wird. Wird Kritik sachlich und angemessen vermittelt, ist man hinterher bestrebt, es beim nächsten Mal besser zu machen.
Interessiert sich mein Vorgesetzter für mich? «Jeder Mensch möchte als Individuum wahrgenommen und als etwas Besonderes betrachtet werden», weiß Frädrich aus Erfahrung. Dazu gehört, dass ein Chef die Namen seiner Mitarbeiter kennt, dass er weiß, was sie für Persönlichkeiten sind und welche Probleme oder Ereignisse sie beschäftigen - sei es die Geburt des ersten Kindes, der 50. Geburtstag oder der Wasserschaden im Eigenheim.
Wer fördert mich in meiner Entwicklung? Wer sich unterfordert fühlt, weil er jeden Tag das Gleiche macht, langweilt sich schnell und verliert die Lust. Daher sollten Unternehmen ihren Mitarbeitern immer wieder die Möglichkeit geben, Fortbildungen zu besuchen, in andere Gebiete hinein zu schnuppern oder nach gewisser Zeit sogar die Abteilung zu wechseln. «Wir alle sind mit einem lebendigen Geist ausgestattet, der immerzu gefüttert werden will», sagt Frädrich.
Zählen meine eigenen Vorstellungen bei meiner Arbeit? Frädrich zufolge gibt es genug Beispiele aus der Praxis, in denen Unternehmen die Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter enorm gesteigert haben, nachdem sie ihre Angestellten samt deren Ideen in Entscheidungsprozesse einbezogen haben.
Ist meine Arbeit in der Unternehmensphilosophie anerkannt? Wenn sich ein Assistenzart in der Hierarchie eines Krankenhauses als Depp des Chefarztes fühlt, wird er diese Einstellung an das ihm unterstehende Personal und an die Patienten weitergeben, zeigt sich Frädrich sicher. «Wenn der Chef aber weiß, dass jeder Mitarbeiter im Krankenhaus wichtig ist und das die Kollegen auch spüren lässt, wird diese Atmosphäre weiter getragen.»
Auch das Arbeitsumfeld trägt dazu bei, wie viel Spaß wir in unserem Job haben.
Sind meine Kollegen bestrebt, Arbeit von hoher Qualität zu leisten? Leistung macht Spaß, spornt an zu mehr. Sitzt man hingegen in einer Abteilung fest, in der auf Qualität nur wenig Wert gelegt wird, verliert man schnell die Lust. «Wer nichts leistet und den ganzen Tag nur rumsitzt und Stempel aufs Papier drückt, der kann ja nur depressiv werden», sagt Frädrich im Hinblick auf die umgangssprachliche Behördenmentalität.
Habe ich innerhalb der Firma einen guten Freund? Der Punkt scheint banal, und doch hat das US-Beratungsunternehmen Gallup in seiner damaligen Umfrage festgestellt, dass Arbeitnehmer wesentlich zufriedener sind, wenn sie innerhalb des eigenen Betriebens einen persönlichen Ansprechpartner haben, mit dem sie über ihre Probleme reden können.
Hat jemand in den vergangenen sechs Monaten mit mir über meine Fortschritte gesprochen? Mitarbeitergespräche, in denen der Arbeitnehmer ein entsprechendes Feedback über seine Leistung erhält, sollten bei jedem Unternehmen an der Tagesordnung stehen. Ein- bis zweimal im Jahr, unter Umständen auch regelmäßiger, helfen diese Einzelgespräche einem Angestellten, seine eigene Arbeit von außen zu betrachten. Wo liegen die eigenen Stärken? In welchem Bereich kann oder muss man sich noch verbessern? Wer kein Ziel vor Augen hat, weiß irgendwann nicht mehr, wofür er eigentlich arbeitet.
Habe ich die Möglichkeit, mich weiter zu entwickeln? Auch bei diesem Punkt spielen Angebote zur Fortbildung eine Rolle. Wer seinen Horizont erweitert, gefordert und gefördert wird, geht engagierter zur Sache.