Fr., 25.05.12

400 Jahre Fernrohr 14.01.2009 Das Fenster zum Weltraum

«Hubble» entdeckt CO2 auf fernem Planeten (Foto)
Die Zeiten haben sich geändert: Heute liefert das Teleskop Hubble Bilder aus dem All. Bild: dpa

Von Till Mundzeck

400 Jahre ist es her, dass mit Galileo Galilei erstmals ein Mensch ein Fernrohr in den Himmel richtete, um den Geheimnissen des Weltraums auf den Grund zu gehen. In zahlreichen Veranstaltungen wird 2009 an dieses historische Ereignis erinnert.

Auch 400 Jahre nach Galileo Galilei ist das Universum voller Rätsel. Seit der berühmte italienische Astronom 1609 erstmals sein Fernrohr zum Sternenhimmel richtete, haben Teleskope unser Bild vom Weltall grandios erweitert - aber auch zahllose neue Fragen aufgeworfen. Zum Beispiel auch darüber, ob das Fernrohr nicht doch älter ist als bislang vermutet. Der britische Wissenschaftler Nick Pelling behauptet dies. Er sagt, dass das erste Teleskop die Arbeit des spanischen Optikers Juan Roget war. In alten Quellen fänden sich Hinweise darauf.

Wie dem auch sei: Den Beginn der Erforschung des Weltalls mit Teleskopen vor vier Jahrhunderten feiern die Vereinten Nationen (UN) und die Internationale Astronomische Union (IAU) mit dem Internationalen Jahr der Astronomie 2009. Es wird morgen in Paris eröffnet.

Galilei entdeckte mit seinem Fernrohr Berge auf dem Mond, der bis dahin für weitgehend flach gehalten wurde, erkannte die Milchstraße als Band unzähliger Sterne und bewies, dass sich im Weltall nicht alles um die Erde dreht: Seine Beobachtung der Jupitermonde zeigte, dass auch andere Himmelskörper von Trabanten umkreist werden. «Das war sensationell», betont der Astronom Michael Geffert vom Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn. Der deutsche Koordinator des Astronomiejahrs bezeichnet den Beginn der Teleskop-Ära als «Schritt in eine neue Welt».

Galileis Beobachtungen der Jupitermonde bedeuteten einen entscheidenden Beleg für das heliozentrische Weltbild des Astronomen Nikolaus Kopernikus. Dazu hatte Johannes Kepler im selben Jahr einen zentralen theoretischen Beitrag geliefert: 1609 erschien seine «Astronomia nova» mit den ersten beiden Keplerschen Gesetzen über die Planetenbahnen - ein zweiter Anlass für das Astronomiejahr, wie Geffert betont.

Im 18. Jahrhundert vergrößerte Friedrich Wilhelm Herschel, einer der produktivsten Teleskopbauer seiner Zeit, mit der Entdeckung des Planeten Uranus das Ausmaß des damals bekannten Sonnensystems mit einem Schlag auf das Doppelte. In den 1920er Jahren bewies der US-Astronom Edwin Hubble mit dem damals größten Teleskop, dass zahlreiche der milchigen Flecken am Nachthimmel nicht Teil unserer Milchstraße sind, sondern gigantisch weit entfernte, weitere Galaxien, die auch noch stetig auseinanderstreben. Das Weltall dehnt sich permanent aus, und vor wenigen Jahren bemerkten Astronomen, dass sich diese Ausdehnung des Alls sogar beschleunigt.

Lesen Sie auf Seite 2, was es mit der mysteriösen dunklen Energie auf sich hat

Den Grund sehen viele Astronomen in einer mysteriösen Dunklen Energie. «Niemand weiß, was das ist. Nur, was sie bewirkt: Sie treibt das Weltall wie eine Anti-Schwerkraft immer schneller auseinander», schildert die Mit-Koordinatorin des Astronomiejahrs in Deutschland, Gabriele Schönherr vom Astrophysikalischen Institut Potsdam.

Neben der Dunklen Energie haben die Astronomen eine Dunkle Materie ausgemacht, die rund viermal mehr Masse stellt als die sichtbare Materie der Sterne, Nebel und Planeten. «Was uns da anleuchtet, ist nur ein ganz kleiner Prozentsatz. Rund 95 Prozent des Universums sieht man überhaupt nicht», erläutert Schönherr ihre Forschungsmotivation. Die Natur der Dunklen Materie ist ebenso rätselhaft wie diejenige der Dunklen Energie.

Das mit dem Auge sichtbare Licht der Sterne liefert nur einen kleinen Ausschnitt der Informationen aus dem Universum. Inzwischen untersuchen Astronomen das All auf fast allen Wellenlängen des elektromagnetischen Spektrums: Mit Radioteleskopen lauschen sie dem Echo des Urknalls und im Licht kosmischer Röntgen- und Gammastrahlung beobachten sie explodierende Sterne und Schwarze Löcher.

Die Raumfahrt hat fliegende Observatorien ermöglicht, die jenseits der störenden irdischen Lufthülle arbeiten können, die das Licht der Sterne verschmiert und Strahlung bestimmter Wellenlängen verschluckt. So brachte das «Hubble»-Weltraumteleskop mit einer Langzeitbelichtung in einem scheinbar leeren Flecken am Himmel zehntausend ferne Galaxien zum Vorschein - in einer Himmelsregion, die zehnmal kleiner erscheint als der Vollmond. Vor allem lässt sich im Erdorbit aber auch solche Strahlung messen, die von der Atmosphäre verschluckt wird. Das Infrarot-Teleskop «Spitzer» etwa fahndet aus der Umlaufbahn unter anderem nach den Zutaten des Lebens bei jungen Planetensystemen im All.

«Wir leben im Moment in einer sehr spannenden astronomischen Zeit», sagt Geffert. «Manche sagen, wir stehen erst am Anfang.» Als ein Ziel des Astronomiejahrs nennt er, die Bevölkerung an der Faszination kosmischer Entdeckungen teilhaben zu lassen.

Infos: Deutsche Homepage des Astronomiejahrs mit Veranstaltungskalender: www.astronomie2009.de; Internationale Homepage: www.astronomy2009.org

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