Fr., 25.05.12

Studienfachwechsel 12.01.2009 Wer lange wartet, stellt sich selbst ein Bein

Schwarzes Brett Uni (Foto)
Um sich ihr Studium zu finanzieren, suchen viele Studenten am Schwarzen Brett nach Nebenjobs. Bild: dpa

Von Aliki Nassoufis

Manchmal entpuppt sich das Traumstudium als Sackgasse. Wer einen Hochschulabschluss aber nicht gänzlich in den Wind schlagen will und stattdessen lieber die Fachrichtung wechselt, der muss beim Bafög genau aufpassen.

Mit Jura oder BWL kann man nichts falsch machen - so denken viele bei der Studienwahl. Wenn sich die Vorlesungen dann als lahme Theorie-Veranstaltungen entpuppen, sehen viele nur einen Ausweg: Sie wechseln das Fach.

Das muss kein Beinbruch sein - solange man nicht zu spät die Reißleine zieht. Selten ist ein zweiter Anlauf keineswegs: Nach Angaben des Deutschen Studentenwerks in Berlin wechselt rund ein Fünftel aller Studenten das Fach. Leicht fällt der Schritt meistens nicht: «Viele Studenten tun sich schwer damit, sich für den Wechsel zu entscheiden», sagt Studienberater Hans-Werner Rückert von der Freien Universität Berlin.

Dabei wechseln viele nicht bloß nach Belieben das Fach - oft sind sie auch einfach überfordert. «In den neuen Bachelor- und Master-Studiengängen werden innerhalb kurzer Zeiträume viel mehr Prüfungen geschrieben als früher, das schaffen viele nicht», sagt Susanne Weller von der Universität Hannover. Selbst dann wollen sich viele den Wunsch nicht eingestehen, das bisherige Fach zu beenden. «Sie verbinden ihn mit einem Scheitern», sagt Rückert.

Egal, welche Bedenken es gibt - wer erkennt, dass er das falsche Fach gewählt hat, sollte sich rasch nach Alternativen umschauen. Hat man sich dann für den Wechsel entschieden, muss er gut geplant sein. «Wer das bisherige Studium erst einmal beendet und durch eine Exmatrikulation seinen Studentenstatus aufgibt, kann Probleme bekommen, zum Beispiel mit der Krankenkasse oder dem Anspruch auf Kindergeld», warnt Expertin Weller. Wer dagegen nach dem ersten Semester in ein Fach mit Zulassungsbeschränkung wechseln will, könne keine Wartesemester sammeln, wenn er noch ein zweites Semester «einfach so» eingeschrieben bleibt.

Auch Bafög-Empfänger sollten die Entscheidung für einen Wechsel nicht hinauszögern. Wer bis zum Beginn des dritten Fachsemesters seinen ersten Wechsel dem Amt mitteilt, hat keine Probleme. «Bis dahin wird vermutet, dass man einen wichtigen Grund hat, deswegen muss man den Wechsel nicht weiter begründen», sagt Bernhard Börsel vom Deutschen Studentenwerk (DSW) in Berlin.

Lesen Sie auf Seite 2, warum Studenten mit dem Wechsel ihrer Fächer nicht zu lange warten sollten

Anders ist die Lage, wenn man erst zum Beginn des vierten Fachsemesters oder schon zum zweiten Mal wechselt: «Dann muss eine Begründung an das Bafög-Amt geschrieben werden», sagt Börsel. Ein lapidares «Ich habe keine Lust mehr» reicht nicht.

Wer diesen Zeitpunkt überschreitet und sich erst nach Beginn des vierten Fachsemesters zum Wechsel entscheidet, hat beim Bafög schlechte Karten. «Dann muss man ohne finanzielle Hilfe vom Staat auskommen, es sei denn, man hat einen sogenannten unabweisbaren Grund», sagt Börsel. Dazu gehört beispielsweise ein Sportstudent, der nach einem Unfall querschnittsgelähmt ist, oder ein Chemiker, der Allergien gegen bestimmte Stoffe entwickelt hat.

Außerdem können Studenten versuchen, sich erbrachte Leistungen im neuen Fach anrechnen zu lassen. Dazu ist eine Einstufung durch Hochschul-Experten notwendig. Ihnen werden die Scheine vorgelegt. «So muss man nicht im ersten Fachsemester anfangen, sondern kann gleich in einem höheren starten», erklärt Weller.

Die meisten Studiengänge beginnen im Herbst. Wer schon im Frühjahr weiß, dass er sein Studienfach wechseln will, sollte die Zeit bis zum Wintersemester sinnvoll nutzen: «Man kann beispielsweise ein Praktikum für das neue Fach absolvieren», sagt Studienberater Hans-Werner Rückert von der Freien Universität Berlin. Wer immatrikuliert bleibt, kann auch schon Lehrveranstaltungen im neuen Fachbereich besuchen. Gerade bei Vorlesungen sei das oft kein Problem. «So kann man auch gleich herausfinden, ob das jetzt wirklich das ist, was man will.»

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