Der «Erste Türkische Karnevalsverein» in Deutschland, der in Köln gegründet worden sein sollte, ist getürkt. In Wahrheit erlaubte sich RTL einen Scherz. Eine Verunglimpfung der Türken sieht der Sender darin nicht.
Der gestern in Köln vorgestellte angebliche erste türkische Karnevalsverein Deutschlands ist eine TV-Satire für eine neue RTL-Sendung. Ein Sprecher bestätigte heute, dass es sich bei den angeblichen türkischen Karnevalisten Davut Yilmaz und Melek Cezmi um die deutschen Komiker und Schauspieler Jan Böhmermann und Caroline Korneli handelt. Beide wirken bei der Mediencomedy «TV-Helden» mit, von der RTL Ende Januar zwei Pilotfolgen ausstrahlen wird.
Die beiden Mimen hatten als angebliche Aktive des neuen Vereins mit spektakulären Forderungen für Aufsehen gesorgt. So wollten sie mit einer «Türken-Quote» im Kölner Dreigestirn und dem Rosenmontagszug für eine angemessene Repräsentanz der türkischstämmigen Kölner im Karneval sorgen.
Die Vereinsgründung hatte in Köln für zahlreiche Debatten gesorgt. Unter anderem waren die aktiven Mitglieder in verschiedenen Internet-Foren fremdenfeindlich beschimpft worden. Am Rande der stark besuchten Pressekonferenz waren erhebliche Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Vereinsgründer aufgekommen. So grüßten die Vereinsmitglieder statt mit «Alaaf» mit dem in Köln verpönten «Helau». Auch kündigten sie an, mit dem Licht von Handy-Displays einen überdimensionalen Schnurrbart auf den Kölner Dom projizieren zu wollen.
Der RTL-Sprecher nannte die fingierte Pressekonferenz als «im Rahmen von Satire legitim». Auch sei niemand diffamiert worden, «schon gar nicht die Türken». Da Böhmermann und Korneli in ihren Rollen auch auf mehrfaches Nachfragen die Ernsthaftigkeit ihres Anliegens betonten, warfen Medienvertreter RTL nun einen Verstoß gegen den Pressekodex vor.
jek