Die Ausbildung der ersten muslimischen Religionslehrer in Münster liegt weiter auf Eis. Es fehlt an einem Nachfolger für den umstrittenen Islam-Wissenschaftler Mohammed Sven Kalisch.
Wie der WDR auf seiner Internetseite berichtete, geht die Suche nach einem Kalisch-Nachfolger weiter. Über die Professorenstelle, die eigentlich im Februar besetzt werden sollte, wird nun voraussichtlich erst Mitte des Jahres entschieden.
Es gebe nur wenige Kandidaten, hieß es zur Begründung. Unklar sei weiterhin, ob islamische Verbänden ein Mitspracherecht eingeräumt wird. Sollte es dazu ein positives Votum geben, könnte das die Besetzung der Professur weiter verkomplizieren. Denn von dort wehte der Wind gegen Kalisch.
Ursache der notwendigen Neubesetzung ist ein Streit mit dem Koordinierungsrat der Muslime (KRM) über die Ausbildung islamischer Religionslehrer am Lehrstuhl des Islamwissenschaftlers Muhammad Kalisch in Münster. Der KRM als Dachverband der vier größten muslimischen Verbände in Deutschland hatte im September 2008 die Zusammenarbeit mit Kalisch bei der Ausbildung von muslimischen Religionslehrern aufgekündigt, weil der Forscher die historische Existenz des Propheten Mohammed angezweifelt hatte und nicht an den Koran als Wort Gottes glaube.
Um den Streit zu beenden, hatte Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) angekündigt, dass an der Universität bald eine zweite Professorenstelle für islamische Religionswissenschaft besetzt werden soll. Politiker, Wissenschaftler und Intellektuelle hatten die Entmachtung von Kalisch scharf kritisiert. Der Professor ist bei bestimmten Pflichtveranstaltungen in der Ausbildung von islamischen Religionslehrern nicht mehr als Dozent tätig. Der Fall hatte auch für Streit in der CDU/FDP-Landesregierung gesorgt.
Kalisch konvertierte bereits als 15-Jähriger zum Islam. Später promovierte er an der Technischen Hochschule Darmstadt im Bereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaft. Seine Doktorarbeit schrieb er über «Vernunft und Flexibilität in der islamischen Rechtsmethodik».
ham