Von news.de-Redakteurin Mara Schneider
Jeder Deutsche verzehrt etwa 16,4 Kilogramm Fisch im Jahr. Den Beständen der Weltmeere entsprechend dürften es aber nur sieben Kilo sein. Damit die Delikatessen auch in den kommenden Jahren noch auf dem Tisch landen, gilt es, beim Einkauf einiges zu beachten.
Alaska-Seelachs, Schillerlocke, Heilbutt, Kabeljau und Scholle: Das sind einige der in Deutschland beliebtesten Fische. Wenn die weltweiten Bestände dieser Tiere weiterhin in dem Umfang abgefischt werden wie bisher, wird in wenigen Jahren niemand mehr in ihren Genuss kommen. Die Meere werden ausgeplündert, ein Viertel der Fischbestände ist laut Umweltorganisation WWF bereits bis an die Grenzen ausgebeutet. Das teilte die Organisation vor wenigen Tagen in ihrem Bericht «Fisch in Teufels Küche» mit. Die Gründe, so der WWF, sind fehlende Kontrollen, zu hohe Fangquoten, zerstörerische Fanggeräte und fehlende Schutzgebiete.
Das Zauberwort der Umweltschützer lautet daher: nachhaltiger Fang. Das heißt, Fischereien sorgen dafür, dass die Populationen der Fische auf einem gesunden Niveau gehalten und andere Arten des Ökosystems nicht negativ beeinflusst werden. Und auch Fischliebhaber können ihren Beitrag leisten, damit die Bestände nicht aussterben.
«Wir sagen den Leuten nicht, dass sie die Hände vom Fisch lassen sollen», sagt Jürgen Knirsch, Konsumexperte bei der Umweltschutzorgansation Greenpeace. «Sie sollen nur mit Bedacht essen und bestimmte Arten meiden, damit sich die Bestände erholen können.» Beim beliebten Alaska-Seelachs beispielsweise hat mittlerweile auch die Fischindustrie reagiert. Während im Hauptfanggebiet dieser Fischart, dem Beringmeer zwischen der Westküste Alaskas und der Ostküste Sibiriens, 2007 noch 150.000 Tonnen Seelachs gefangen wurden, wurde laut Knirsch die Quote für 2008 auf 80.000 reduziert.
Auch in der Europäischen Union wurden in den vergangenen Jahren positive Signale gesetzt, um die Fischbestände wieder aufzubauen. Zu den sogenannten Schonmaßnahmen zählt etwa die Erweiterung der Maschenweite, damit weniger «Beifang» in die Netze geht, erklärt Christoph Stransky vom Institut für Seefischerei am Johann Heinrich von Thünen-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei.
«Für ein Kilogramm gefangene Seezunge sterben zum Beispiel etliche Babyschollen, die mit in den Netzen landen», erklärt Stransky. Diese müssen laut Verordnung wieder über Bord zurück ins Meer geworfen werden. «Aber nur die wenigsten von ihnen überleben, wenn sie einmal auf einem Fischkutter gelegen haben.» Auch andere Tiere verenden als ungewollter Beifang in den Netzen. «Das muss sich der Verbraucher bewusst sein», macht Stransky deutlich.
Wer auf seine regelmäßige Portion Fisch nicht verzichten will, sollte zu jenen Fischarten greifen, deren Bestände nicht überfischt sind oder das Ökosystem negativ beeinflussen. Dazu gehören in erster Linie der heimische Karpfen, die Regenbogenforelle, Zander und der aus Asien stammende Pangasius, der sich auch hierzulande immer mehr zum Trendfisch entwickelt.
Ebenfalls von Greenpeace empfohlen, aber dennoch mit Bedacht zu verzehren, sind Makrelen, Sardinen und Hering. Deren Bestände gelten mit wenigen Ausnahmen als gesichert. Verzichten sollte man jedoch dann, wenn diese Fische im Nordostatlantik, in der Nordsee oder in der Ostsee gefangen wurden.
Denn Fisch ist nicht gleich Fisch. Allein beim Kabeljau gibt es im Nordostatlantik 13 verschiedene Bestände. Nicht alle sind auf einem guten Niveau, nicht alle werden mit der gleichen Methode gefischt. Für Laien ist es schwer, die einzelnen Arten voneinander zu unterscheiden. Daher fordert Greenpeace schon seit Jahren, einheitliche Kennzeichnungen auf der Verpackung einzuführen, um Verbrauchern den Griff zu «nachhaltigen» Fischen zu erleichtern.
Bisher verraten die Etiketten im Supermarkt zwar das Fanggebiet, meist jedoch mit einer verschlüsselten Fanggebietsnummer, die für Konsumenten nur schwer nachvollziehbar ist. Jürgen Knirsch zufolge sollte auf der Verpackung zusätzlich die jeweilige Fischart mit ihrem lateinischem Namen benannt werden, um eine genaue Zuordnung zu ermöglichen. Außerdem gehöre das namentlich benannte Fanggebiet, zum Beispiel der Nordostatlantik, auf das Etikett ebenso wie die jeweils benutzte Fangmethode.
Vorsicht ist beispielsweise auch nach wie vor beim Thunfisch geboten. Zwar habe sich dort in den vergangenen Jahren viel getan, sagt Knirsch, aber es gebe nur eine Thunfischart, die noch nicht überfischt sei. Allerdings werde der Skipjack, wie sich die Sorte nennt, selten als solche ausgewiesen. Skipjack gibt es im östlichen und westlichen Atlantik, im westlichen und zentralen Pazifik, im Indischen Ozean und im Südpazifik. Außerdem ist bei Thunfisch stets auf das Siegel «Delfinfreier Fang» zu achten.
Auch wenn sie gern gegessen werden und auf vielen Speisekarte nicht fehlen – auf folgende Arten sollten Fischliebhaber vorerst verzichten: Alaska-Seelachs, Schillerlocke (Dornhai), Flussaal, Heilbutt, Kabeljau (noch vertretbar, wenn er im Nordostatlantik oder im Nordostpazifik gefangen wurde), Lachs (noch vertretbar, wenn er aus dem Nordostpazifik stammt), Rotbarsch, Sardelle (noch vertretbar, wenn sie aus dem Nordostatlantik stammt), Schellfisch (noch vertretbar, wenn sie aus dem Nordostatlantik stammt), Scholle, Seehecht, Schwertfisch (noch vertretbar, wenn er im Westatlantik oder im Ostpazifik gefangen wurde), Seeteufel, Tintenfisch und Viktoriabarsch.
Um die Bestände der deutschen Fischerei wiederum sei es relativ gut bestellt, sagt Christoph Stransky. «Einige haben sich gut entwickelt und werden jetzt nachhaltig befischt», erklärt der Mitarbeiter des Instituts für Seefischerei. Es gebe jedoch keine Bestände, bei denen das Nutzungspotenzial noch erhöht werden könne, macht er gleichzeitig deutlich. «Und bei einigen muss die Fischerei deutlich reduzieren.»
Bedenkenlos zugreifen können Fischliebhaber ihm zufolge bei Seelachs aus der Nordsee. Auch Kabeljau aus der Nordsee sei in Maßen genossen kein Problem. Beim Hering gebe es vor der norwegischen Küste sogar noch Bestände, die bisher kaum genutzt werden. Auch Makrelen und der Blaue Wittling können regelmäßig auf die Speisekarte gesetzt werden. Aus der Ostsee seien vor allem Dorsch, Flunder und Sprotte geeignet, sagt Stransky.
Vorsicht ist dagegen bei Scholle und Seezunge geboten, da diese Fischarten noch immer nicht nachhaltig genug befischt werden und zudem die Beifangquote sehr hoch ist.
Auch Greenpeace-Mitarbeiter Jürgen Knirsch fordert von den Verbrauchern einen sorgfältigen Umgang mit dem Lebensmittel Fisch. Dazu gehört für ihn auch, im Supermarkt nachzufragen, wenn auf der Verpackung wichtige Informationen wie Herkunft und Fangmethode der Fischart fehlen. «Das ist leider ein großer Aufwand für die Konsumenten. Aber wir können nicht so tun, als wäre nichts, und weitermachen wie bisher.»
Mehr Informationen bietet Greenpeace im Fischratgeber, der auf der Internetseite der Organisation als PDF-Download zur Verfügung steht.
Viele Gewässer, insbesondere die Meere sind überfischt. Viele Arten sind wegen zu hoher Fangquoten und umweltzerstörender Fangtechniken nahezu ausgerottet. Aquafarmen sind keine Alternative, da sie im höchsten Maße umweltgefährdend und tierquälerisch sind. Weltweit werden so ca. 16 Mio. Tonnen Fisch gezüchet. Meist wird nur eine einzige Art in Monokultur mit umfangreicher Technik und Chemikalien auf engstem Raum herangezogen. Kraftfuttercocktails sollen die Fische schnellstmöglich verkaufsreif wachsen lassen. Die Stoffwechselprodukte der Fische verursachen eine explosionsartige Ausbreitung der Algen und eine ökologische Zerstörung des Gewässers.
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