Zwangslernen kann Kinder dumm machen
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Auch der elterliche Wunsch, das eigene Kind zweisprachig groß werden zu sehen, ist nicht in jedem Fall empfehlenswert. Britische Forscher fanden bei der Untersuchung von 317 Kindern in logopädischer Behandlung heraus: Mädchen und Jungen, die Fremdsprachen im Alter von weniger als fünf Jahren lernen, neigen deutlich öfter zum Stottern – auch bei Sprösslingen zweisprachiger Familien.
Kinderpsychologe Bergmann kennt das Problem. Er sagt: «Kindern nützt dieses methodische Lernen gar nichts. Wenn sie eine Sprache dagegen mit der Muttermilch aufnehmen oder sie spielerisch aufschnappen, ist das etwas ganz anderes. Die freie, sinnliche Wahrnehmung, langsam und Schritt für Schritt, ist entscheidend.»
«Jedes normale Kind kann zwei und mehr Sprachen lernen», vertritt Professor Fthenakis seinen Standpunkt. Jedoch gelte auch hier: Der Lernprozess muss kindgerecht sein, etwa spielerisch bei einem Muttersprachler und in möglichst kleinen Gruppen stattfinden. Und die Kleinen müssen freiwillig lernen, sozusagen mit der Sprache spielen. Nur dann werden die ersten französischen oder englischen Worte verarbeitet und verinnerlicht und können später wie selbstverständlich gesprochen werden.
Eltern, die sich für frühkindliche Bildung im Kindergarten oder mit speziellen Angeboten entscheiden, sollten die Persönlichkeit ihres Kindes genau beobachten. «Erwachsene, die nur die eigenen Wünsche sehen, schaden sich selbst und ihren Steppkes. Schlimm daran ist, die Kinder besuchen die Kurse dann oft unfreiwillig. Und zwar nur, weil sie Angst haben, dass Mutti oder Vati sie sonst nicht mehr lieb haben.» Zudem neigen Eltern dazu, den Leistungsdruck im eigenen Job auf die Familie zu übertragen. Für den Kinderpsychologen steht fest: «Was Kinder nicht freiwillig lernen, lernen sie in Wirklichkeit nicht.»