Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Von der Jugend erfunden, ist «voll krass ey» inzwischen längst aus der Mode gekommen. Sprachlich bleiben die Teenies nämlich nicht stehen. Mit immer neuen Begriffen beschreiben sie ihre Umwelt – und lassen Erwachsene dabei oft dumm dastehen.
Der Kreativität jugendlicher Sprache sind kaum Grenzen gesetzt. Spricht der Nachwuchs von «abhängen» oder «abkacken» mögen Eltern noch mitkommen. Doch bei «ParkbankphilosophenObdachloser », «Puddingdampferndicker, übergewichtiger Mensch » oder «MurmelschuppenKirche » schwirren den «KohlebeschaffernEltern » häufig nur noch Fragezeichen um den Kopf.
Das dürfte auch bei der Ergebnissen zur Wahl des «Jugendwortes des Jahres 2008» der Fall sein. Frech, flippig und einfach nur provokant ist das Ergebnis ausgefallen. Der «Gammelfleischparty» hat die Jury das Krönchen aufgesetzt. Was dahinter steckt? Eine sprachliche Trotzreaktion. Denn mit der «Gammelfleischparty» ist nichts anderes gemeint als eine Party für Menschen, die älter als 30 Jahre sind. Und weil Jugendliche da nicht gern gesehen sind, schießt der Nachwuchs eben verbal zurück.
Deutlich weniger provokant ist die Antiphraseauch Antiphrasis; Wort oder Satz, das das Gegenteil des eigentlich Gesagten «Bildschirmbräune», die die Blässe von Computerfans auf's Korn nimmt. Mit ein bisschen Grübeln lässt sich Platz drei des «Jugendwortes des Jahres 2008» lösen. Wer «unterhopft» ist, der ist einfach noch nicht betrunken genug und hat Lust auf ein weiteres Bier. Fast schon zu einfach zu entschlüsseln ist das «Datenzäpfchen», mit dem Deutschlands Jugend ganz einfach auf einen USB-Stick verweist.
Deutlich mehr Provokation und Verächtung hat da das letzte Wort unter den besten fünf zu bieten: «Stockente». Des Rätsels Lösung hat allerdings weniger mit dem Federvieh zu tun. Hier bekommt eine aktuelle Trendsportart ihr Fett weg – das Nordic Walking.
Der nicht enden wollende Ideenreichtum hat unzählige Sprachforscher auf den Plan gerufen, die sich die immer neuen Wörter und Bedeutungskombinantionen zu Gemüte führen. Und damit auch Eltern den Anschluss nicht verlieren, erscheinen stetig neue Lexika, die Erklärungsversuche abgeben, die von der jugendlichen Sprache mitunter noch schneller überholt werden.
Nicht zuletzt deshalb habe Wörterbuchunternehmen Langenscheidt den Wettbewerb ins Leben gerufen. Die Wörter im Wettbewerb werden von Jugendlichen selbst eingeschickt. Im Internet können Neugierige darüber abstimmen, bevor die Jury aus den höchstplatzierten Wörtern die besten Jugendwörter krönt.