Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Gehen Deutschland bald die Studenten aus? Manche Aktionen lassen derzeit darauf schließen: Sachsen wirbt Bayern die Studenten ab und Bildungsministerin Annette Schavan geriet mit Studien über von Gebühren und Studienbeginn in die Kritik.
Ganz anders sieht das allerdings aus, wirft man einen Blick auf die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamt. Die nämlich zeigen: Im Studienjahr 2008 gab es deutlich mehr Studienanfänger. Rund 380.000 junge Leute entschlossen sich zu studieren. Das sind 39 Prozent eines Altersjahrgangs. Mit dem Hochschulpakt II hatte die Bundesregierung 40 Prozent als Ziel gesteckt.
Margret Wintermantel, Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), warnt jedoch vor überschwenglichem Optimismus. Zwar seien in einigen Bundesländern gute Entwicklungen zu verzeichnen, doch das sei «kein Beleg für eine erfolgreiche und verantwortungsvolle Hochschulpolitik.» Zumal gerade in den Flächenländern die Studentenzahlen deutlich hinter den Vorgaben bleiben. Ohnehin würden nicht überall gleiche Bedingungen herrschen. «Die einzelnen Länder haben sich unterschiedlich engagiert und damit den Hochschulen auch verschiedene Möglichkeiten für die Gestaltung der neu zu schaffenden Studienplätze gegeben», so Wintermantel.
Etwas aufatmen können die Hochschulen trotzdem. Im Vergleich zum Vorjahr steckten im Studienjahr 2008 sieben Prozent mehr junge Frauen und Männer im ersten Semester ihrer akademischen Laufbahn. Der Löwenanteil ist allerdings nicht bei den Universitäten zu finden. Vielmehr haben sich die Erstsemester für eine Ausbildung an den Fachhochschulen entschieden. Hier gingen die Zahlen um 13 Prozent nach oben.
Spitzenreiter bei den studentischen Anfängern ist das Saarland, gefolgt von Brandenburg und Hessen. Es zeigt sich jedoch, dass Sachsens Werbekampagne dringend notwendig ist. Das Bundesland hat mit zwei Prozent die meisten Verluste bei den Studienanfängern zu beklagen.
Positive Entwicklungen zeichnen sich derweil im Bereich des Ingenieurwesens ab. Der Markt such dringend junge Fachkräfte. Ein Ruf, der offenbar nicht ungehört bleibt. Denn immerhin haben sich 41.600 junge Männer und Frauen (elf Prozent Steigerung) für eine technische Laufbahn im Maschinenbau und der Verfahrenstechnik entschieden. Im Bereich Informatik gab es einen Zuwachs von vier Prozent (32.100 Studenten) und beim Bauingenieurswesen von elf Prozent (9900 Studenten).
Deutschlandweit sind damit zum Wintersemester 2008/2009 2,01 Millionen Studierende eingeschrieben, gab das Statistische Bundesamt bekannt. Vier Prozent mehr als im Vorjahr. Um aber die Vorgaben des Hochschulpaktes II tatsächlich, sei mehr Geld notwendig. Wintermantel: «Insgesamt muss ein jährlicher Mehrbedarf der Hochschulen von durchschnittlich drei Milliarden Euro abgedeckt werden.»
Laut HRK sei den aktuellen Studentenzahlen jedoch nicht zu entnehmen, dass Studiengebühren abschreckend wirken. Von sechs Bundesländern, bei denen die angehenden Akademiker entsprechende Gebühren zahlen müssen, würden nur zwei – nämlich Bayern und Niedersachsen – geringere Zuwächse verzeichnen. Ein ungewöhnlich hohes Plus in Ländern ohne Studiengebühren gebe es zudem nur in den Bundesländern Brandenburg und Hessen.