Der weltberühmte Eisbärjunge Knut feiert seinen zweiten Geburtstag. Es könnte sein letztes Wiegenfest im Berliner Tiergarten sein, Verhandlungen über ein neues zu Hause laufen bereits. Zugleich streiten zwei Zoos um die millionenschweren Einnahmen durch Knut.
Bereits im nächsten Jahr beginnen die Verhandlungen darüber, ob Knut in den Zoo Neumünster oder gar ins Ausland umzieht, wie der Zoologische Garten Berlin bestätigte. Ein schwedischer Tierpark hat bereits Interesse angemeldet. Vorerst kann das mittlerweile mehr als 200 Kilo schwere Tier allerdings in Berlin bleiben und sich zum zweiten Geburtstag richtig verwöhnen lassen: Als Präsent bekommt er eine Eisbombe.
Fell und Ruhm sind zwar nicht mehr so strahlend wie zu Anfang. Gleichwohl stößt der am 5. Dezember 2006 geborene und unter weltweiter Beachtung mit der Flasche aufgezogene Eisbär immer noch auf reges Interesse. Schon seit Wochen beschäftigen sich Fans und Medien mit der Frage, ob Knut in den Zoo Neumünster umziehen muss. Knuts Vater Lars nämlich ist Neumünsteraner, und der Zoo pocht auf einen Vertrag, nach dem der erste und überlebende Eisbärnachwuchs, also Knut, hinter seine Gitter gehört.
Berlin und Neumünster sind sich auch schon längst wegen der millionenschweren Einnahmen durch Knut ins Gehege gekommen. Der Tierpark Neumünster hat vor dem Landgericht Berlin eine sogenannte Auskunftsklage über die Lizenzeinnahmen eingereicht, die Knut den Berlinern gebracht hat. Damit ziehe man Konsequenzen aus «der totalen Verweigerungshaltung der Berliner Kollegen», sagen die Schleswig-Holsteiner. Verhandelt wird am 19. Mai 2009.
Der schwedische Bärenpark Orsa hofft unterdessen, Knut ein neues zu Hause geben zu können. Der Chef der Betreibergesellschaft des Parks, Torbjorn Wallin, sagte, es gebe natürlich auch noch andere Interessenten für Knut. «Das ist das berühmteste Tier der Welt. Das ist so, als würde Madonna nach Stockholm ziehen», sagte Wallin. Bei den Verhandlungen mit dem Berliner Zoo gehe es nicht in erster Linie ums Geld, sondern darum, die idealen Lebensbedingungen für den Bären sicherzustellen. Das wichtigste Kriterium an die neue Heimat sei ein paarungswilliges Weibchen.
Chancen, dass Knut den Besucher in der Hauptstadt erhalten bleibt, bestehen außerdem. Der Direktor des Berliner Zoos, Bernhard Blaszkiewitz, sagte, er gehe nach wie vor fest davon aus, dass der Eisbär bleibe. Der Direktor des Zoos in Neumünster, Peter Drüwa, äußerte kürzlich in der Berliner Tageszeitung: «Der Zoo in Berlin hat uns gegenüber eine Willensbekundung abgegeben. Er möchte Knut behalten.» Er habe Blaszkiewitz daraufhin gebeten, «eine klare Fixierung des weiteren Vorgehens» folgen zu lassen. «Jetzt geht es um die konkrete Planung», sagte Drüwa.
Dass Knut bald Papa wird, scheint hingegen eher unwahrscheinlich. Für Eisbärfrauen interessiert sich Knut nämlich noch nicht. «Da gehen noch zwei bis drei Jahre ins Land», teilte der Berliner Zoo gestern mit. Die Feier heute ist zumindest noch ein reiner Knut-Kindergeburtstag.
Das einstmals weiße Fellbündel Knut hat dem Berliner Zoo die Zuschauer in Massen zugeführt: Im vergangenen Jahr zählte der Zoo mehr als drei Millionen Besucher, 27 Prozent mehr als 2006. Der Bilanzgewinn betrug insgesamt rund 6,8 Millionen Euro. Der Tierpark Neumünster hingegen hat nach eigenen Angaben rund 200.000 Besucher jährlich.
san