Die Bundesregierung betont immer wieder, welch große Hoffnungen sie in erneuerbare Energien setzt - auch in die Windkraft. Eine Studie hat jetzt jedoch gezeigt: In Berlin hofft man zuviel. Windparks im offenen Meer werden die erwartete Leistung wohl nicht liefern können.
Die installierte Leistung der sogenannten Offshore-Windparks werde bis zum berechneten Zeitpunkt im Jahr 2025 zwar auf 16.000 Megawatt steigen, wie aus einer heute veröffentlichten Kurzstudie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) unter 26 Führungskräften der Branche hervorgeht. Die Bundesregierung rechne aber mit einer Leistung von bis zu 25.000 Megawatt.
Angesichts der Wirtschaftskrise gehen die Experten davon aus, dass eher Energieversorgungsunternehmen Anlagen bauen und projektfinanzierte Parks nur schwer realisiert werden. «Die Offshore-Windenergie ist zweifellos ein Wachstumsmarkt», sagte der PwC-Finanzierungsexperte für erneuerbare Energie, Heiko Stohlmeyer. Für projektfinanzierte Parks gebe es jedoch wegen des damit verbundenen Risikos momentan nicht so viele Kredite. Die Kosten für die Installation von einem Megawatt Offshore-Windenergieleistung belaufen sich den Angaben zufolge durchschnittlich auf rund drei Millionen Euro.
Vor deutschen Küsten gibt es derzeit noch keine Windparks. Das Testfeld «alpha ventus» wird seit September 45 Kilometer nördlich der Insel Borkum aufgebaut. Eine schwimmende Plattform verankert vier Stahlfüße im Meeresgrund. An ihnen wird ein 650 Tonnen schweres Fundament montiert, das aus der etwa 30 Meter tiefen Nordsee ragt und Platz für den riesigen Transformator bietet.
Nach Angaben der Betreiber ist das Umspannwerk das «Herzstück» des geplanten Windparks. Es wird den Strom über Kabel zur Insel Norderney leiten und von dort aus weiter durch das Wattenmeer ans Festland nach Hilgenriedersiel (Kreis Aurich). Bis der erste Strom fließen kann, wird es allerdings noch dauern. Der eigentlich für dieses Jahr geplante Aufbau der ersten sechs von zwölf Windrädern des Vorhabens verzögert sich vermutlich bis zum Frühjahr 2009. Zu starker Wind hatte das Verankern der Fundamente verhindert.
Hinter «alpha ventus» stehen die Energieversorger EWE, Eon und Vattenfall. Der Windpark vor Borkum gilt als Testfeld - das Vorhaben wird über das Bundesumweltministerium mit Steuergeldern unterstützt. Die Erkenntnisse bei Planung und Bau sollen helfen, Investoren für Dutzende gewerbliche Offshore-Parks zu gewinnen.
In der Nord- und Ostsee sind der Studie zufolge 29 Offshore-Projekte genehmigt. Davon seien 16 in Besitz von Energieversorgungsunternehmen. Bis Ende 2011 rechnen die Branchenexperten mit fünf gebauten Anlagen mit einem Volumen von rund 3,4 Millionen Euro. Sie sollen 1120 Megawatt installierte Offshore-Windleistung erzeugen. Ende 2007 gab es weltweit 26 Windenergieprojekte im Meer mit einer Gesamtleistung von rund 1034 Megawatt. Die Anlagen sind laut PwC vor allem vor Großbritannien und Dänemark installiert.
Erst gestern hat der zweitgrößte deutsche Energiekonzern RWE von der britischen Regierung die Genehmigung für den Bau des Offshore-Windparks «Gwynt y Mor» erhalten. Der Windpark mit einer installierten Leistung von 750 Megawatt solle 13 Kilometer vor der Küste von Wales errichtet werden. Mit dem Bau wolle RWE 2011 beginnen. Die vollständige Inbetriebnahme sei für 2014 vorgesehen.
bla