Fr., 25.05.12

Geheimnis gelüftet 27.11.2008 Ein Weihnachtsmann darf nicht zu spät kommen

Weihnachtsmänner (Foto)
In Chemnitz schulte Klaus Piorkowski als Dienstältester seine Weihnachtskollegen. Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann

Klaus Piorkowski (69) ist der dienstälteste Weihnachtsmann in Chemnitz. Für news.de plauderte er aus dem Nähkästchen über seinen jährlich mit Spannung erwarteten Einsatz.

news.de: Was hat Sie veranlasst, Weihnachtsmann zu werden?

Piorkowski: Ich bin schon vor dem Studium im Haus meiner Eltern von den Nachbarn angesprochen worden, ob ich für deren Kinder nicht mal den Weihnachtsmann spielen kann. Das hat sich schließlich rumgesprochen. Während des Studiums hab ich ausgesetzt und bin erst im Berufsleben wieder eingestiegen. Das sprach sich von der Betriebsfeier im Freundes- und Bekanntenkreis herum und wurde so ein Hobby von mir. Nach der Wende wurde ich arbeitslos. Damals sprach mich dann die Arbeitsagentur an, ob ich als Weihnachtsmann arbeiten würde. Die Idee fand ich so toll, dass ich mir nach einer Weile selbst ein Kostüm angeschafft habe. Damit besuche ich bis heute zahlreiche Familien, aber auch die lokale Prominenz aus Medizin und Politik.

news.de: Worauf kommt es bei einem guten Weihnachtsmann an?

Piorkowski: Weihnachtsmann sein ist eine Sache des Gemüts. Man braucht Einfühlungsvermögen, muss besonders gegenüber Kindern lieb auftreten, damit sie keine Angst bekommen. Man muss sich aber auch sprachlich gut ausdrücken können – eben wie ein richtiger Weihnachtsmann reden. Wichtig ist auch ein Vorgespräch, bei dem ich mir die Örtlichkeiten anschaue und alle wichtigen Sachen abspreche, angefangen damit, wer zuerst beschenkt oder wer auf Missetaten angesprochen wird. Das hat den Vorteil, dass ein gewisses Vertrauen entsteht, man bei der Bescherung kein Fremder ist.

news.de: Was sind für Sie die wichtigsten Grundregeln?

Piorkowski: Wenn ich in die Familien gehe, nehme ich mir für jedes Kind die gleiche Zeit – auch wenn es acht Kinder sind. Güte, Gelassenheit, Geduld stehen an oberster Stelle. Aber auch, dass ich als Weihnachtsmann immer korrekt gekleidet bin, sauber, nicht nach Schweiß rieche und saubere Fingernägel habe. Was wäre das schließlich für ein Eindruck, wenn die Kinder hinterher riefen, «Der Weihnachtsmann stinkt aber». Da prägt sich ein wohlriechender Bart doch viel besser ein. Abgesehen davon ist Alkohol absolut tabu. Dafür spielen Gedichte und Weihnachtslieder eine große Rolle.

news.de: Nun hat der Weihnachtsmann immer einen dicken Terminkalener. Wie klappt das mit der Pünktlichkeit?

Piorkowski: Die ist sehr wichtig. Ein Weihnachtsmann darf einfach nicht zu spät kommen. In den letzten 20 Jahren, in denen ich das Weihnachtsmannamt nun ausfülle, hat mich auch Glatteis nicht gehindert. Und wenn doch etwas passiert, habe ich immer die Handynummer des Auftraggebers parat, um die Verschiebung mitzuteilen.

Lesen Sie auf Seite 2, wie der Weihnachtsmann seinen Sack packt

news.de: Gehört die Rute eigentlich zu ihrer Ausstattung?

Piorkowski: Natürlich. Aber ich lasse sie immer an der Tür stehen. Denn der Weihnachtsmann ist kein Schreckgespenst. Und wenn ich die Missetaten der Kinder anspreche, dann lieber mit einem guten Ratschlag als mit bösen Worten.

news.de: Was passiert mit den bösen Buben, die eigentlich keine Geschenke verdient haben?

Piorkowski: Ich spreche die Missetaten an, die die Eltern verraten haben. Da sage ich dann «Ich hab da was gehört...» und «Das macht man doch nicht...» oder «Du musst dir ein bisschen mehr Mühe geben...». Güte ist dabei ganz wichtig. Damit erreicht man mehr als mit Druck.

news.de: Begegnen Sie häufig Kindern, die nicht an den Weihnachtsmann glauben?

Piorkowski: Das habe ich eigentlich noch nie erlebt. Und wenn ältere Kinder dabei sind, beeinflussen sie die Jüngeren nicht. Stattdessen sind viele Kinder ganz schüchtern, andere wollen dagegen immer die ersten an der Tür sein. Respekt ist auf jeden Fall da und Begeisterung und viel Aufregung.

news.de: Wie läuft das mit den Geschenken?

Piorkowski: Was die Kinder geschenkt bekommen, sind oft kleine Vermögen. Ein Computer, ein Fahrrad. Aber es gibt auch Menschen, die sich das Geld für den Weihnachtsmann wirklich zusammensparen müssen. Da gibt es dann auch Geschenke, die die Kinder brauchen. Oft etwas zum Anziehen. Die Schere zwischen den Geschenken geht sehr auseinander. Und manchmal werden auch die liebsten Vierbeiner beschenkt. Doch für mich zählt – egal wo ich bin – dass ich die Bescherung immer in eine schöne Geschichte verstricke, mir gerade bei größeren Sachen, die nicht in den Sack passen, etwas Spannendes einfallen lasse.

news.de: Verraten Sie uns doch mal ein Geheimnis: Wie packt der Weihnachtsmann eigentlich seinen Geschenkesack?

Piorkowski: Ich lasse mir vorweg sagen, wer zuerst dran kommt und wer zuletzt. Das ist für mich ausschlaggebend, wie ich die Geschenke in den Sack packe. Wer zuerst beschenkt wird, dessen Paket wird also zuletzt in den Sack gesteckt. Die Eltern packen meist extra für Mädchen und Jungen, so dass ich das gut unterscheiden kann. Größere Sachen werden dann vor der Tür versteckt. Die Kleinere stecken in einem groben Sack – der Weihnachtsmann ist schließlich kein Modetrend, sondern kommt aus dem Wald.

news.de: Ist der Heiligabend für sie ein stressiger Arbeitstag?

Es ist stressig. Aber ich kann es immer kaum erwarten. Doch ich habe auch in der Adventszeit schon ganz viele Termine, mal große Veranstaltungen, mal kleine Feiern. Aber um 20 Uhr am Heiligabend ist auch für mich Schluss. Eine Familie habe ich zwar nicht, aber trotzdem mache ich mir einen gemütlichen Abend und hole meine Weihnachtsmannbuch raus, um die guten und schlechten Taten der Kinder zu studieren, die ich noch am ersten Weihnachtstag besuche.

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