Maximal drei Jahre Haft drohen einer 49-jährigen US-Amerikanerin, die ein Mädchen aus ihrer Nachbarschaft gemobbt hat, bis sich die 13-Jährige das Leben nahm. Dafür hatte sich die Frau bei Myspace als Junge ausgegeben.
Die 49 Jahre alte Lori D. wurde gestern von einer kalifornischen Jury nur in einigen Punkten schuldig gesprochen. Wegen illegaler Computerbenutzung drohen ihr nun maximal drei Jahre Haft, berichtete die US-Zeitschrift People. Aber auch eine Bewährungsstrafe sei noch möglich. Das Strafmaß soll Ende Dezember verkündet werden.
Der Anklage zufolge kontaktierte die Frau im Herbst 2006 mit dem erfunden Profil eines Jungen namens Josh die 13-jährige Megan M. aus ihrer Nachbarschaft. Durch Online-Mobbing habe sie den Teenager dann unter Druck gesetzt, so der Vorwurf. Das Mädchen, das früher mit der Tochter der Angeklagten befreundet war, fiel in Depressionen und nahm sich im Elternhaus das Leben.
Der 16-jährige imaginäre Josh hatte zunächst mit Megan geflirtet, dann aber abrupt die virtuelle Beziehung abgebrochen. In seiner letzten Botschaft an die 13-Jährige hieß es, «die Welt wäre ein besserer Ort» ohne sie. Noch am selben Tag erhängte sich das Mädchen in ihrem Zimmer.
Megans Mutter sprach nach Bekanntgabe des Teil-Schuldspruchs von einem «Sieg» vor Gericht. Sie hätte sich ein härteres Urteil gewünscht, aber dies sei «ein erster Schritt», sagte die 38-jährige. «Hoffentlich wird dies andere Menschen vor ähnlichen Dingen bewahren».
Online-Mobbing tritt zunehmend als Problem der Internetgesellschaft in das Blickfeld. Der spektakulärste Fall bislang war der Selbstmord der südkoreanischen Schauspielerin Choi Jin Sil (39), die Schmähkritiken im Internet nicht mehr ertragen konnte. Die zweifache Mutter galt als eine der berühmtesten Schauspielerinnen Südkoreas, litt aber im Stillen an Depressionen.
Die südkoreanische Regierung plant nun ein heftig umstrittenes «Choi-Jin-Sil-Gesetz», dass der Anonymität im Internet ein Ende bereiten soll. Der Entwurf sieht vor, dass Nutzer nur noch mit ihrem richtigen Namen kommentieren dürfen. Außerdem sollen Online-Polizisten für Ruhe und Ordnung im Netz sorgen. Wer dennoch einen anderen im Netz beleidigt, kann mit bis zu zwei Jahren Haft belangt werden.
fme