Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Der Bäcker ist fein raus: seine Reformationsbrötchen sind zurzeit ebenso der Renner wie das feilgebotene Halloween-Brot. Abseits der Backstube ist das Nebeneinander von kirchlichem Feiertag und dem Kult gewordenen Gruselfest nicht ganz so einfach.
Halloweenist benannt nach All Hallows Eve, dem Vorabend des Allerheiligentages. Die Tradition, schauerlich grinsende Kürbisköpfe aufzustellen, hat ihren Ursprung in einem Fest der Kelten. ist ein Riesengeschäft. Die Fachgruppe Karneval im Verband der deutschen Spielwarenindustrie wirbt seit 1994 intensiv für das Fest und behauptet nicht unbegründet, den Kult so nach Deutschland gebracht zu haben. Der Lohn ist reichlich: 2007 setzten die Geschäfte des Verbandes mit dem Verkauf von Kostümen, Perücken und Hüten 20 Millionen Euro um.
Auch andere Branchen profitieren vom Halloween-Trend: neben der Süßwaren- und Veranstaltungsindustrie vor allem die Landwirtschaft. «4600 Tonnen Kürbisse verkauften deutsche Bauern zwischen September und Oktober 2007 an Privathaushalte – fast ein Drittel von dem, was im ganzen Jahr weggeht», sagt Dieter Tschorn, Pressesprecher der Fachgruppe Karneval.
Halloween ist im Gegensatz zum Karneval nicht auf bestimmte Regionen beschränkt. Überall feiern Fans ihre Kostümparties. Hier unterscheidet sich das amerikanische vom deutschen Halloween: In den USA sind verkleidete Kinder, die von Haus zu Haus ziehen und um Süßigkeiten betteln, der Hauptbestandteil des Festes.
«Das setzt sich hierzulande erst jetzt langsam durch», sagt Dieter Tschorn. Auch im Leipziger Kostümgeschäft von Ingeborg Günther sind es meistens Erwachsene, die sich für eine Party mit Spinnen- oder Teufelskostümen eindecken. «In diesem Jahr läuft das Geschäft um den 31. Oktober zum ersten Mal besser als zur Faschingszeit», hat Ingeborg Günther festgestellt.
Der evangelischen Kirche war das gruselige Treiben zu Halloween nie richtig geheuer. Am 31. Oktober will sie intensiv an den Beginn der Reformation und den großen Martin Luther erinnern - in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sogar mit einem gesetzlichen Feiertag. Neben den üblichem Gottesdiensten bietet die Kirche inzwischen verschiedene Alternativen zum Halloween-Spektakel und ist dabei ordentlich einfallsreich.
1517 schlug Marthin Luther seine 95 Thesen noch per Hand an die Tür der Wittenberger Schlosskirche, heute hat Reformation ein moderneres Gesicht: Per SMS können Christen morgen über vier – nagelneue – Thesen abstimmen, die von den Organisatoren formuliert wurden und sich mit den Strukturen der Kirche beschäftigen. Die Aktion findet zum ersten Mal statt und ist eingebettet in die vom Evangelischen Jugendwerk Württemberg organisierte Churchnight. Mit Konzerten und Filmabenden in 650 Gemeinden soll eine Alternative zum Halloweenfest geschaffen werden.
Pastor Michael Stahl von der Nordelbischen Kirche in Hamburg bietet Halloween besonders gewitzt die Stirn: Bundesweit werden auf seine Initiative hin Bonbons mit Luthers Konfertei verteilt. Mehr als eine Million wurden in diesem Jahr produziert, und so wird der Reformator auf ganz spezielle Art in aller Munde sein.
Der zwinkerte Luther auf dem Papier der Süßigkeit weist den Weg zur Webseite mit Informationen zum Reformationstag. «Wir als Kirche wollen den Kindern nicht den Spaß verderben, aber wir hätten den Reformationstag schon gerne für uns», sagt Pastor Michael Stahl.
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