«Lesen ist wie Ein- und Ausatmen»
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Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Artikel vom 29.11.2008
Lesen gehört zur elementaren Bildung eines jeden Menschen. Kindern wie Erwachsenen bereitet es jedoch oft Probleme. Die Kleinen müssen das Lesen erst lernen, die Großen müssen es wieder lernen. Für beide gibt es Hilfe.
Eltern sollten ihren Kindern viel vorlesen. Das rät Kinderbuchautorin Cornelia Funke. «Ich glaube, es ist eine wunderbare Einstiegsdroge fürs Lesen», sagte die 49-Jährige Readers Digest Deutschland. Freilich will die Nordrhein-Westfälin ihre eigenen Kinderbücher verkaufen. Falsch liegt sie mit ihrer Überzeugung aber nicht.
Forscher der amerikanischen Universität Yale wiesen nach: Kinder, die viel lesen, gehen mit ihren Spielsachen kreativer um. Jene, die häufiger fernsehen, spielen nach einem festen Schema. Betroffen von diesem Phänomen sind auch Erwachsene. Je weniger sie lesen, desto weniger kreativ sind sie – und neigen obendrein zum sekundären Analphabetismus. Erwachsene können die Fähigkeit, gedruckten Texten einen Sinn zu entnehmen, verlieren. Was in Handy- oder Arbeitsverträgen geschrieben steht, bleibt ihnen dann verborgen.
Wie viele sekundäre Analphabeten es gibt, ist unklar. «Sie gehören zu den funktionalen Analphabeten, Menschen also, denen es sehr schwer fällt, Schrift und Verstehen so zu nutzen, wie es die Gesellschaft erwartet», sagt Katja Klose vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung. Vier Millionen Deutsche sind betroffen. Die Dunkelziffer liegt höher, schätzt die Mitarbeiterin im Projekt Chancen erarbeiten – auf Ausbildungs- und Arbeitswelt vorbereiten.
Doch Lesen ist wichtig: «Lesen ist das Eintrittstor ins Wissen», hat der im Ruhestand befindliche Leseforscher Bodo Franzmann einmal gesagt. Daran rüttelt auch Christoph Schäfer von der Stiftung Lesen nicht. Er sagt: «Lesen macht schlau. Eindeutig.» Viele hirnphysiologische Forschungen hätten deutlich gezeigt, wie positiv Vorlesen und Lesen auf die Entwicklung wirken, würde dadurch doch die Verknüpfung von Neuronen im Kopf gefördert.
Gerade bei Kindern sei das wichtig – und müsse schon sehr früh losgehen. «Leseerziehung ist eine fundamentale Chancenvermittlung», macht Schäfer klar. «Kinder, die nicht lesen, sind nicht automatisch dumm. Doch einem Kind, das nicht die Chance bekommt, lesen zu lernen, entgeht ein entscheidender Teil der Entwicklung.»