Mo., 13.02.12

Verseuchte Tiere Japan schlachtet Tausende Delfine

Artikel vom 13.10.2008

Die malerische Bucht liegt zwischen hohen Felsen eines Nationalparks. Vor der Küste schwappen sanfte Meereswogen. Was Besucher der Walfangstadt Taiji nicht sehen können, ist das Gemetzel, das sich in einer versteckt gelegenen Lagune abspielt.

Zwischen 16.000 und mehr als 20.000 Delfine fallen in Taiji, rund 700 Kilometer südlich von Tokio, sowie wenigen anderen Orten Japans einer brutalen Treibjagd zum Opfer - mit Billigung der Regierung und unbemerkt vom Großteil der Bevölkerung.

Ein Teil des Fleisches der mit Lanzen, Haken und Messern abgestochenen Kleinwale gelangt in den Handel. Tierschützer schlagen jetzt Alarm: «Das Delfinfleisch ist hochgradig quecksilberverseucht», warnte der Delfinschützer Richard O'Barry. Es sei ein «Skandal», dass die japanische Regierung der Bevölkerung das Gemetzel und die extreme Vergiftung verheimliche. Der Amerikaner war in den 1960er Jahren Trainer der Delfine für die TV-Serie «Flipper», seit 1970 kämpft er weltweit aktiv für den Schutz der Meeressäuger.

Durch Hämmern auf Metallstangen im Meer legen die Fischer den Orientierungssinn der Delfine lahm und treiben sie so in eine Lagune, die mit Netzen abgesperrt wird. «Dabei kommt es vor, dass Babys von ihren Müttern getrennt werden und schwangere Delfine aus panischer Angst in der Lagune kalben», weiß Richard O'Barry, der regelmäßig nach Taiji reist. In welcher Todesangst die Tiere sind, kann jeder Spaziergänger von der Ortsstraße aus selber sehen. «Die Grausamkeit findet bereits lange vor dem Töten statt», sagt O'Barry.

Unter Mithilfe von Delfintrainern werden in der Lagune einzelne besonders schöne Delfine im Auftrag von Aquarien und Delfinarien aus aller Welt ausgesucht und für viel Geld verkauft. Der Rest wird in einer abgeschirmten Nachbarbucht abgestochen - das Töten soll niemand sehen. Die boomende Delfinariums-Industrie biete erst den finanziellen Anreiz, um die Treibjagd in Taiji in Gang zu halten, sagte O'Barry.

Für bis zu 200.000 Dollar (150.000 Euro) werden die Delfine nach Angaben von O'Barry gehandelt. Er habe gehört, dass die nächste Lieferung an Delfinen nach Deutschland gehen soll. O'Barry forderte den Weltverband der Zoos und Aquarien (Waza) mit Sitz im schweizerischen Bern auf, die Mitgliedsorganisationen zu beaufsichtigen und daran zu hindern, sich an dem Handel mit den bei der grausamen Treibjagd in Taiji gefangenen Tiere zu beteiligen. Ohne die Nachfrage käme die Jagd zum Erliegen.

Umweltschützer werfen den Japanern vor, die übrigen Delfine und Kleinwale zu töten, weil sie viel Fisch fressen. Ein Teil soll zu Haustierfutter und Dünger verarbeitet werden. Die Regierung verweist auf Japans Walfangtradition und Esskultur. Umweltschützer halten dagegen, dass nur etwa ein Prozent der Japaner Walfleisch esse und davon wiederum nur eine sehr kleine Minderheit Delfinfleisch. «Die meisten Japaner haben noch nie davon gehört», sagt O'Barry. Es seien nur wenige, die am Delfingeschäft beteiligt seien. Japaner pauschal zu verurteilen, sei ungerecht. Die breite Bevölkerung sei unschuldig.

Japans Medien würden das jährliche Abschlachten der Tiere totschweigen, beklagt O'Barry. Dabei hätten wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, dass der Quecksilber-Gehalt in dem Delfinfleisch deutlich höher sei als in dem Fisch in der japanischen Stadt Minamata, wo Ende der 1950er Jahre in Folge quecksilberhaltiger Abwässer eines Chemiewerks tausende Menschen getötet wurden. Wie damals versuche die japanische Regierung auch jetzt wieder, das Ganze zu verschweigen.

Nachdem ein mutiger Abgeordneter des Lokalparlaments in Taiji die Quecksilbervergiftung bekanntgemacht habe, sei Delfinfleisch aus den Schulküchen verschwunden. Es werde jetzt aber in andere Landesteile verkauft, behauptet O'Barry. Als Mitglied des Earth Island Institute, Teil einer Koalition aus Tierschutz-Gruppen namens Save Japan Dolphins (www.savejapandolphins.org), kämpft er seit langem gegen den aus seiner Sicht «geheimen Genozid» an den Delfinen in Taiji.

Doch O'Barry ist zuversichtlich, die Delfinschlachtung bald beenden zu können. Anlass ist ein Film, den Umweltschützer mit enormem Aufwand heimlich in den Lagunen von Taiji gedreht haben. Er solle im Januar 2009 beim Sundance Filmfestival gezeigt werden und dann in die Kinos kommen, kündigte O'Barry an. Er verspricht sich von dem erschütternden Film, der detailliert das Abschlachten der Meeressäuger zeigt, eine ähnliche Aufmerksamkeit wie Al Gores Film «Eine unbequeme Wahrheit» für den Klimaschutz hatte.

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URL : http://www.news.de/gesellschaft/697863699/japan-schlachtet-tausende-delfine/1/
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Leserkommentare (10)
  • Kommentar: 10
  • 25.10.2011 12:18
von
Antonietta
Antwort auf Kommentar 7

Ein Deutscher isst ungefähr 200 Gramm Fleisch pro Tag. Macht jährlich etwa 80 Kilo Fleisch pro Kopf und rund 6,5 Milliarden Kilo Fleisch für das ganze Land. Eine solche Masse an Fleisch kann man aber nur bereit stellen, wenn man die Tiere in Massen züchtet und im Akkord tötet. Diese Massentierhaltung ist nicht nur furchtbar für die Tiere, sie ist auch schlimm für unsere Umwelt, für das Klima und für die Gerechtigkeit auf der Welt. Es gibt viele gute Gründe, nie mehr Fleisch zu essen. Aber eigentlich reicht schon einer...!

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  • Kommentar: 9
  • 25.10.2011 12:17
von
Antonietta

Wir nennen ihn den „Blauen Planeten“, aber nur 1,3% der Weltmeere stehen unter Schutz – und auch das großteils nur auf dem Papier. Bei näherem Hinsehen findet man heraus, dass tatsächlich weniger als 0,1 % zu strikten Schutzzonen erklärt sind. Jeden Tag sterben Wale und Delfine durch Schiffskollisionen, zunehmenden Unterwasserlärm, Ölkatastrophen, als Beifang in Fischernetzen und in manchen Fällen sogar an Nahrungsknappheit. Der Klimawandel könnte die Situation noch verschlimmern. 64% der Weltmeere und ein Großteil der Lebensräume von Walen und Delfinen liegen auf hoher See.

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  • Kommentar: 8
  • 21.05.2011 00:16
von
ShadowVampire

NEIN DIE ARMEN DELFINE (und das schöne blut *_*) wie können die das nur machen ich verstehe das zwar ist aber UNmenschlich, obwohl ist hier überhaupt noch IRGENDWAS menschlich wer ist DAFÜR (nich mit dem blut das ist MEINS)

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  • Kommentar: 7
  • 24.02.2010 11:44
von
Charly

Nicht nur Delphine werden abgeschlachtet ;) In Deutschland herrscht auch die Massenschlachtung.

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  • Kommentar: 6
  • 23.02.2010 19:36
von
menschlein

lieber? mensch. verschwinde von diesem planeten, denn du bist zu dumm, du hast dieses paradies nicht verdient.

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  • Kommentar: 5
  • 04.11.2009 20:24
von
Jana Galetz

delfine sind so wundervolle udn schöne und anmutige tiere. wie kann man die nur töten? und dann noch auf so grausamer weise? ich mag japan eigentlich. japan ist für mich ein faszinierendes land udn hat eine wundervolle kultur. aber der artikel macht ziemlich viel zu nichte.

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  • Kommentar: 4
  • 26.10.2009 03:54
von
Thomas B

Ich finde das die leute, die die Delfine abschlachten,sollten selbst auf die brutalste art abgeschlachtet werden.

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  • Kommentar: 3
  • 03.10.2009 22:26
von
Sonja Carstens

Irgendwann, werden alle Menschen begreifen, das man Geld nicht essen kann. Wenn es einen Gott gibt, wir er diese "Menschen?" bestrafen, hoffe ich!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Ich bin unendlich traurig!!!

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  • Kommentar: 2
  • 19.05.2009 18:20
von

Der Mensch ist das rücksichtsloseste "Tier" auf dieser Welt und das dümmste. Denn kein Tier zerstört seinen Lebensraum so systematisch wie der Mensch und wir wissen alle schon seit Jahrzehnten, was da abgeht und schließen fest die Augen zu, denn solange man Geld verdienen kann damit, hat alles seine Ordnung. Wir übersehen dabei aber ganz, dass wir gegen die Natur nicht ankommen. Die Welt wird uns überleben, wir aber nicht die Welt

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  • Kommentar: 1
  • 14.11.2008 10:17
von

Durch Jahrzehnte lang andauernden Walfang wurden viele Wal- und Delfinarten an den Rand der Ausrottung gebracht. Auch heute sind diese faszinierenden Meeressäuger immer noch der Bejagung und zusätzlichen Belastungen ausgesetzt. Meeresverschmutzung, durch Boote und Unterwasserbohrungen verursachter Lärm, Verlust ihres Lebensraumes, Beifang in Fischnetzen und die globale Erwärmung, die unsere Meere verändert, sind einige der vom Menschen verursachten Bedrohungen.

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