Während die Neandertaler aus dem Rheinland extreme Fleischesser waren, aßen ihre Verwandten auf Gibraltar auch gerne Fisch und andere Meerestiere. Das ergaben Knochenfunde auf der spanischen Halbinsel. Somit ist bewiesen: Nicht nur der Homo sapiens hat den Fischfang entdeckt.
Fisch, Muscheln, Robben und Delfine standen auf dem Speisenplan der Neandertaler, die auf Gibraltar lebten. Das schließen Forscher vom Spanischen Naturkundemuseum in Madrid aus Funden, auf die sie in zwei Höhlen auf Gibraltar gestoßen sind. Von diesen Höhlen ist bekannt, dass sie vor mindestens 32.000 Jahren von Neandertalern bewohnt waren.
Die Wissenschaftler um Paläontologin Yolanda Fernández-Jalvo fanden in entsprechend alten Sedimentschichten die Überreste von Land- und Meerestieren, die von Neandertalern gejagt und gegessen wurden. Manche der Knochen zeigten Spuren typischer Steinwerkzeuge der Neandertaler, berichten die Forscher in den Proceedings der US-Akademie der Wissenschaften. Die Robbenreste stammten von Jungtieren. Das lege nahe, dass die Urmenschen die Robben zur Wurfsaison aktiv aufgespürt haben könnten. Die Entdeckungen sind nach Meinung der Wissenschaftler insgesamt der bislang beste Beleg dafür, dass die Küstenbewohner unter den Neandertalern regelmäßig Meerestiere gejagt und gegessen haben.
Das unterscheidet sie von den Namenspatronen aus dem rheinischen Neandertal, wo Wissenschaftler 1856 den ersten Fund dieser Urmenschenart gemacht hatten. Diese verschmähten Flussfische und ernährten sich einseitig von Fleisch, wie Analysen der berühmten Fossilien aus Mettmann in der Nähe von Düsseldorf kürzlich gezeigt hatten. Einige Wissenschaftler vertreten die These, dass der Neandertaler wegen seiner einseitigen fleischlichen Ernährung ausgestorben ist.
Fischfang sei nach dem bisherigen Wissensstand erst vor etwa 30.000 Jahren vom Vorfahren des heute lebenden Menschen, dem Homo sapiens, entdeckt worden. Das hatte der Urgeschichtler Ralf W. Schmitz, der das Neandertal-Forschungsprojekt im Rheinischen Landesmuseum Bonn leitet, im August 2008 zu den Ernährungsgewohnheiten der Urmenschen im Norden Mitteleuropas gesagt. Schmitz gehört zu den Entdeckern der lange verschollenen Fundstätte des Neandertalers von 1856. Der Archäologe und sein Kollege Jürgen Thissen entdeckten im Herbst 1997 bei Mettmann ein Knochenfragment, das exakt an den linken Oberschenkel des Ur-Neandertalers angepasst werden konnte.
Die Neandertaler beherrschten 250.000 Jahre lang Europa – nicht gebückt und mit der Keule in der Hand, wie ihnen häufig nachgesagt wird, sondern mit ausgefeilten Jagdtechniken und sozialer Fürsorge für ihre Angehörigen. Sie passten sich an die rauen Lebensbedingungen der Eiszeit an und sicherten so ihr Überleben. Vor gut 30.000 Jahren verliert sich ihre Spur. Dass es sie überhaupt gab, kam erst vor 150 Jahren ans Licht, als bei Mettmann im Neandertal ein Schädel des Urzeitmenschen gefunden wurde.