Von Mara Schneider
Mit Hundekot hat eine 45-Jährige kürzlich in Stolberg einen Rentner beworfen. In Köln musste die Polizei Streitigkeiten in einem Mehrfamilienhaus beenden, nachdem ein Anwohner mit dem Hammer verletzt wurde. Mit einem Schiedsmann wäre das vielleicht nicht passiert.
Seit sieben Jahren arbeitet Wolfgang Kortgödde ehrenamtlich beim Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen (BDS). Er ist zuständig für den Bezirk Gifhorn, wo am Montag drei Menschen sterben mussten, weil Streitigkeiten mit dem Gartennachbarn eskalierten. «In 80 Prozent meiner Fälle führen Nachbarschaftsprobleme zur Kollision», berichtet der 64-Jährige. Vor allem Lärmbelästigungen, unklare Grenzen sowie Laub und Äste, die vom Nachbargrundstück herüber ragen, treiben Anwohner auf die Palme.
Es dem Störenfried dann auf gleiche Weise oder gar mit eigenen Mitteln heimzahlen zu wollen, ist jedoch nicht der richtige Weg. «Man sollte stattdessen den Mut aufbringen, das Gespräch zu suchen. Auch, wenn derjenige einem vielleicht nicht so sympathisch ist», sagt Kortgödde. Denn verstummt die Kommunikation, ist die Gefahr groß, dass das Frustpotenzial ansteigt. «Und dann werden auch die Probleme größer und irgendwann weiß man gar nicht mehr, warum man eigentlich miteinander im Streit liegt», so der Schiedsmann.
Dabei gibt es für die meisten Probleme eine Lösung, die sich im Beisein eines unabhängigen Dritten leichter finden lässt. Die zahlreichen Mitarbeiter des BDS verhindern, dass Auseinandersetzungen eskalieren und sind zudem eine kostengünstige Alternative zu Gerichtsverfahren (ein Schiedsverfahren kostet im Normalfall etwa 50 Euro). Nicht nur, dass die Gespräche beim Schiedsmann unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Es wird auch stets nach einem Kompromiss gesucht, mit dem beide Seiten leben können. «Vor Gericht gibt es meist Gewinner und Verlierer. Kann einer mit dem Urteil nicht leben, wird die Situation hinterher meist noch schlimmer», weiß Kortgödde aus Erfahrung.