Fr., 25.05.12

Weiterbildung 25.09.2008 «Man kann mit 70 Griechisch lernen»

Nachholbedarf bei Weiterbildung für Beschäftigte (Foto)
Wer sich weiterbildet hat gute Berufschancen. Bild: dpa

Von Mandy Hannemann

Ob im Job oder Privat - wer im Berufsleben auf seine Zukunft bedacht ist, der muss sich regelmäßig weiterbilden. Chancen dazu gibt es jede Menge - und das bis ins hohe Alter.

Herlind Kasner, Mutter von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist das beste Beispiel. Mit 80 Jahren hält die Brandenburgerin nicht nur sich, sondern auch andere geistig fit. Seit 34 Jahren unterrichtet Kasner in Templin Fremdsprachen. Sie sagt: «Man kann mit 70 Griechisch lernen - ich suche noch Schüler.» Für dieses Engagement ist die Kanzlerin-Mutter nun als Vorbild der Weiterbildung 2008 vom Deutschen Volkshochschulverband geehrt worden.

Weiterbildung bringt aber nicht nur Lorbeeren, sondern vor allem neue Chancen ein. Abgesehen davon, dass die eigenen grauen Zellen auf Trab gebracht werden, lassen sich mit Weiterbildungen die eigenen Aufstiegsmöglichkeiten verbessern. Zugleich reduziere sich, laut Bundesagentur für Arbeit, das Risiko, arbeitslos zu werden.

In vielen Bundesländern gewähren die Arbeitgeber für beruflich nutzbare Seminare sogar Bildungsurlaub oder bieten selbst Weiterbildungsprogramme an. Vielfach ist das jedoch von der Auftragslage der Unternehmen abhängig. Wo Unsicherheiten herrschen oder es keine einheitlichen Regelungen gibt, hilft es, einfach mal in der Personalabteilung nachzufragen. Wiegelt der Arbeitgeber mit der Begründung ab, dass derlei zu teuer sei, ist die Suche nach Förderoptionen zu empfehlen.

Immerhin können für einzelne Berufsgruppen Förderungen beantragt werden. Altenpfleger und Erzieher beispielsweise werden neuerdings mit dem Meister-Bafög unterstützt, das bisher vorrangig im Handwerk gezahlt wurde. Um dieses noch breiter zu streuen, will die Bundesregierung nun noch mehr Geld zur Verfügung stellen. Waren es bisher 122 Millionen Euro, soll der Fördertopf nun auf 200 Millionen Euro aufgestockt werden. Zudem ist ein erheblicher Anreiz geschaffen worden: Wer einen Kurs mit besonders guten Prüfungsleistungen abschließt, dem werden nicht mehr nur 30,5 Prozent der Kurs- und Prüfungsgebühren erstattet, sondern 50 Prozent.

Lesen Sie auf Seite 2, wo Sie Finanzspritzen für Weiterbildungen bekommen

Berufstätige die kurz davor stehen, arbeitslos zu werden, weil ihnen Qualifikationen fehlen, können sich an die Arbeitsagentur wenden. "Wir unterstützen insbesondere Arbeitnehmer, die bisher keinen Berufsabschluss haben und nun einen nachholen müssen", sagt Ilona Mirtschin von der Bundesagentur für Arbeit. Hilfe bekommen zudem Arbeitnehmer die älter als 50 Jahre und in Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern beschäftigt sind. "Auch hier sind wir der richtige Ansprechpartner, wenn eine berufsbegleitende Weiterbildung nötig ist, weil sonst der Verlust des Arbeitsplatzes droht." Die Arbeitsagentur übernimmt nicht nur die Kosten einer Weiterbildung. "Wir erstatten den Arbeitgebern das Entgeld für die ausfallende Arbeitszeit", betont Mirtschin.

Wer nicht unmittelbar vom Jobverlust bedroht ist, sich aber dennoch fortbilden möchte, der findet im Internet viele Ratschläge. Über das Weiterbildungsportal des Deutschen Bildungsservers können helfende Finanzierungen beispielsweise direkt nach Bundesland und Berufszweig gesucht werden. Darüber hinaus gibt es verschiedene Landesprogramme, Stiftungen und Förderwerke, die Fortbildungswilligen unter die Arme greifen. Das ist oft sogar notwendig. Denn wer neben dem Beruf lernt, der muss nicht nur Kursgebühren zahlen. Neben den Kosten für Fahrten und Lehrmaterial müssen oft auch zusätzliche Kinderbetreuung oder Berufskleidung bezahlt werden.

Tipps zur Auswahl eines nicht nur inhaltlich guten, sondern auch in den Rahmenbedingungen stimmigen Seminars gibt das Bundesinstitut für Berufsbildung. Von dessen Internetseite kann eine Checkliste - Qualität beruflicher Weiterbildung heruntergeladen werden, die Tipps gibt, wie ein geeigneter Kurs zu finden ist und worauf bei Weiterbildungen geachtet werden muss.

In Deutschland bilden sich derzeit nur 43 Prozent der Arbeitnehmer weiter. In Skandinavien sind es hingegen 70 Prozent. Die deutschen Unternehmen geben jährlich rund 30 Milliarden Euro für Weiterbildung aus.

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