Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Sie füllen Dönertaschen, dürften aber selbst 16 Stunden lang weder essen noch trinken: Die Mitarbeiter des Leipziger Bistros El Amir fasten, denn es ist Ramadan. Das fällt ihnen leicht. Denn statt zu futtern, fühlen sie mit den Armen und vergessen böses Blut.
In der Küche des El Amir hängt der Plan. Er zeigt an, wann die Mitarbeiter des Bistros in der Leipziger Karl-Liebknecht-Straße weder essen noch trinken dürfen. Der Ramadan-Kalender ist auf Türkisch. Yaser Turan hat ihn mitgebracht, er lag der Tageszeitung Hürriyet bei. Trotzdem kann auch sein Kollege Ibrahim Mohammed aus Syrien die Tabelle lesen.
Denn die Uhrzeiten sind für alle Muslime verständlich, und darauf kommt es an. Nie interessiert es sie so sehr, wann der Morgen dämmert und wann die Sonne untergeht, wie im Ramadan. Im Fastenmonat nehmen sie es auf die Minute genau. Denn mit dem ersten Morgenlicht sind Speis und Trank für Yaser, Ibrahim und ihren marokkanischen Kollegen Saï;d tabu. Sie schaben weiter Dönerfleisch vom Spieß, rollen Falafelbällchen in Dürüm-Fladen und häufen Kichererbsen und Auberginen auf gemischte Teller. Aber in ihren Mündern landet nichts davon.
«Man darf gar nichts, daran muss man sich halten», sagt Ibrahim Mohammed. Ihm fällt es anfangs ein bisschen schwer, sich ans Fasten zu gewöhnen. Das Essen ist während der Arbeitszeit sein geringstes Problem. «Ich habe seit dem Frühstück nichts gegessen», sagt er und zeigt auf die Uhr an der Wand. Es ist 17 Uhr, Donnerstag, ein Tag vor Ramadan. Noch dürfte er, aber bei dem permanenten Imbissgeruch hat er sowieso nie Appetit. Härter findet er es, bei der Hitze des Grills ohne Wasser auszukommen.
Für Ibrahim und seine Kollegen hat der Ramadan am Freitag begonnen, um 4.26 Uhr in der Früh. So gibt es der Hürriyet-Kalender vor, in dem sie allerdings bei Dresden nachschauen müssen, denn Leipzig steht nicht drin. Bis 20.22 Uhr darben Sachsens Muslime, erst dann dürfen sie das Fasten brechen. Traditionell essen sie als allererstes Datteln und Milch, denn so hat auch der Prophet stets sein Fasten gebrochen. Bei Ibrahim gibt es eine Linsensuppe und anschließend eine ganze Reihe verschiedener Leckereien. «Im Ramadan ist von allem mehr da, der Tisch wird reicher», sagt Yaser. Deshalb nehme im Fastenmonat auch niemand ab.
Denn die Energie für den Tag müsse man schließlich nachlegen, findet Ibrahim. «Gesundes Essen, viele Proteine und Vitamine, damit der Körper den schweren Arbeitstag übersteht.» Wer Magenprobleme hat, dem gehe es nach dem Fastenmonat besser.
Doch viele Muslime in Leipzig und auf der ganzen Welt fasten am Freitag noch gar nicht. Denn für sie entscheidet allein die Sichtbarkeit der Mondsichel darüber, ob der neue Monat, also der Ramadan, bereits begonnen hat. Ob ein Monat im Mondkalender 29 oder 30 Tage hat, kann man exakt immer nur am letzten Tag des Monats bestimmen. Berechnungen ergeben nur angepasste Werte.
Am Donnerstagabend gegen 20 Uhr schauten Muslime gen Himmel, und sie sahen die Sichel nicht. Weder in der arabischen Welt noch in Leipzig, wie eine Gläubige in der dortigen Moschee berichtet. Also wartet man noch einen Tag, auch wenn der Teil der Weltreligion, der sich auf den Kalender verlässt, schon im Ramadan ist.
Während über den Beginn des Festes der Mond entscheidet, erlegt die Sonne den Muslimen in Nord und Süd im Ramadan unterschiedliche Fastenzeiten auf. Die Leipziger müssen zu Beginn des Monats 16 Stunden lang fasten, zum Äquator hin verkürzt sich die Zeit auf rund 12 Stunden. Doch das scheint die Mitarbeiter im El Amir nicht zu stören. Das Fasten ist keine Qual, da sind sich alle einig. «Ich freue mich drauf», sagt Yaser fröhlich. «Millionen Menschen machen das. Wir erleben, was die armen Leute fühlen, die kein Essen und Trinken haben», erklärt Ibrahim den Sinn.
Aber das ist nur ein Grund. Es geht auch um Selbstbeherrschung. Man darf niemanden beleidigen in dieser Zeit, keine schlechten Wörter benutzen, böse Dinge tun oder lügen, betont er. Im Gegenteil: «Wenn jemand Streit hat, einigt man sich und ist einander nicht mehr böse. Es werden viele Probleme gelöst in diesem Monat», sagt Ibrahim. Die Entbehrung schweißt zusammen, die Religion verbindet die multikulturelle muslimische Gemeinde in Leipzig, man trifft sich mehr.
Etwa 10.000 Muslime leben in der Stadt. In die Moschee geht nur ein kleiner Teil von ihnen, doch den Ramadan begehen auch viele, die nicht die Pflicht zum Freitagsgebet einhalten. Ibrahim zum Beispiel, der «na klar» auf die Frage antwortet, ob er gläubiger Moslem sei.
Wer den Ramadan ernst nimmt, nutzt die nahrungsfreie Zeit, um den Koran zu studieren und die Suren des Propheten. Und natürlich fürs Gebet, fünfmal täglich schreibt der Koran es vor. Doch in der Arbeitswelt, zumal in einem Land, das kaum Rücksicht nimmt auf die Traditionen des Islam, fällt dies ein wenig unter den Tisch. Ibrahim betet nicht, Yaser ab und zu, wenn es bei El Amir nicht so voll ist und er sich kurz zurückziehen kann.
Unsinniges Leiden verlangt der Ramadan nicht von den Gläubigen, da legen Ibrahim und Yaser Wert drauf. Wer krank ist oder alt, fastet nicht. «Wenn jemandem schlecht wird oder er unerträgliche Kopfschmerzen hat, kann er für ein paar Tage aufhören», erklärt Ibrahim. Eine Krankschreibung vom Arzt erkennt auch der Islam an. «Hoffentlich bleibe ich gesund bis zum Ende», meint Ibrahim. Seiner Frau ist das Fasten in diesem Jahr sogar verboten, obwohl sie gern mitgemacht hätte. Sie ist schwanger. Auch während der Menstruation und im Wochenbett müssen Frauen essen und trinken, Alte und Reisende sind ebenfalls befreit. Letztere allerdings sollten das Fasten nachholen. Kinder beginnen erst mit der Pubertät.
Wer freiwillig das Fasten bricht, dem werden 60 Tage Fasten statt der 29 oder 30 des Ramadan auferlegt, erzählt Yaser. Das sei aber keine Strafe. Schließlich fastet man aus freien Stücken. Ein anderer Ausgleich sei, für die Armen zu spenden, zehn Euro symbolisch für die beiden täglichen Speisen, also 600 Euro. «Oder du lädst 60 Leute ein», scherzt Yaser. Auch die Gläubigen, die nicht fasten können oder dürfen, sollten stattdessen einen Armen versorgen.
Für die Entbehrungen gibt es jeden Abend eine Belohnung, so wie es nach dem Tod im Paradies sein soll. Im El Amir bringt der Personalchef Fleisch und Gemüse, die Kollegen, die keine Familie haben, brechen das Fasten gemeinsam. Und wenn alles vorbei ist, feiern sie ein großes Fest mit vielen Süßigkeiten. Bis dahin fasten die Muslime jeden Tag zwei Minuten weniger, denn die Tage werden kürzer.
iwe/news.de
die kaubewegung der kiefer regt die druessen fuer speichel produktion an der schlaeffen gegend an. nichts essen macht es plausibel den mund zu halten fuer die heiligen schrieften . arm essen und reich lessen immerzu erzuerne ein mensch die gute leidenschaft gegen die boese leidenschafft .erzürne aber verfehlt euch nicht.
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