Von Rebecca Müller
Statt des Herrchens tritt hier der Hund seinem Frauchen auf die Füße. Dogdance heißt der Sport, bei dem Menschen mit ihren Vierbeinern tanzen. Wiener Walzer und Hiphop sollen die Konzentrationsfähigkeit des Tieres schärfen.
Wenn vier Pfoten und zwei Füße über die Tanzfläche wirbeln, schlagen die Herzen von Hundefans höher. Beim «Dogdance» laufen, springen und drehen sich Tanzteams aus Mensch und Hund zu Musik und begeistern ihr Publikum mit aberwitzigen Tricks.
Dogdance entwickelte sich in den 1990er Jahren zeitgleich in den USA, Kanada und Großbritannien. Inzwischen findet die Sportart auch in Deutschland immer mehr Anhänger. «Die Grundidee war, Gehorsamsübungen mit Musik aufzupeppen», sagt Denise Nardelli vom Deutschen Verband der Gebrauchshundsportvereine. Die leidenschaftliche Dogdancerin aus Coppenbrügge bei Hannover tanzt mit ihren Hunden regelmäßig vor Publikum und gibt auch Kurse.
Egal ob Collie oder Chihuahua: Jeder Hund kann das Tanzen lernen. Einzige Voraussetzung ist gute Konzentrationsfähigkeit, sonst behält der Vierbeiner die Tanzabfolgen nur schwer. Man kann diese Fähigkeit aber trainieren: «Blickkontakt zum Besitzer aufzunehmen ist grundsätzlich eine gute Konzentrationsübung», schreibt Hundetrainerin Celina del Amo in ihrem Buch Dogdance.
Bei einem Dogdance-Auftritt arbeiten Mensch und Hund eng zusammen und zeigen Kombinationen vieler verschiedener Tricks. «Dabei stehen immer der Hund und seine Leistungen im Vordergrund», sagt Nardelli. Doch wer denkt, sich als Halter in eine Ecke stellen und Kommandos erteilen zu können, der irrt: Laufen, bücken, springen - all das wird nicht nur dem Hund, sondern auch dem Menschen abverlangt.
Auch wenn es bei Wettkämpfen keine verpflichtenden Tanzelemente gibt, tauchen doch einige in den meisten Vorführungen auf: «Das Slalomlaufen ist eine beliebte Übung beim Tanzen, die variantenreich abgewechselt werden kann», sagt Celina del Amo. Dabei läuft der Hund vorwärts oder rückwärts eine Acht um die Beine des Herrchens. Ein Sprung über einen ausgestreckten Arm oder symbolisches Pfötchengeben machen einen Auftritt zum Hingucker.
Eine Choreographie darf auch lustige Elemente beinhalten: «Wenn das Schämen inhaltlich zur Musik passt, haben Sie das Publikum auf Ihrer Seite», schreibt del Amo. Beim Training achtet der Besitzer am besten darauf, welche Tricks der Hund besonders gern zeigt oder was ihm leicht fällt. «Auf solche Vorlieben kann man bei der Entwicklung der Tanzabfolge gut aufbauen.»
Für Abwechslung sorgen Requisiten. Ob Schirme, Stöcke, Stühle oder Taschentücher: Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Allerdings ist es nicht erlaubt, dem Hund ein Kostüm anzuziehen. «Dogdance soll immerhin ein hundgerechter Sport sein», sagt Nardelli. Gegen eine Kostümierung des Menschen ist dagegen nichts einzuwenden.
Neugierige können tanzende Hunde etwa bei der Veranstaltungsreihe «Events 4 Happy Dogs» sehen. Deren Initiatorin Marion Hussong aus Waltrop bei Dortmund setzt auf Dogdance-Auftritte, um den Sport bekannter zu machen.
Auch wenn der Hundetanz prinzipiell ohne Unterricht erlernt werden kann, bieten zahlreiche Hundeschulen bereits Kurse an. Wer mit seinem Hund lieber an einem Seminar teilnehmen oder sich gleich zu einem Wettkampf anmelden möchte, findet eine Liste mit Terminen online bei dogdance.info, der Plattform der deutschen Dogdancer.
Zu einer guten Dogdance-Show gehört die richtige Musik. Wiener Walzer, Hiphop und Filmmusik: Generell funktioniert fast jedes Stück. Bei der Auswahl orientiert man sich am besten an den Fähigkeiten des tanzenden Vierbeiners. «Bei einem jungen, agilen Hund sind flottere Stücke geeignet, für einen gesetzteren Hund darf es auch etwas Langsameres sein», schreibt Celina del Amo. Außerdem sucht der Halter besser ein Lied aus, an dem er sich nicht allzu schnell satthört. Denn er wird es beim Trainieren zwangsläufig viele Male abspielen müssen.
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