Von Stefan Schmitt
Er ist einer der letzten Hunnenkönige. Karsten Hecht aus Diez in Rheinland-Pfalz heißt in seiner Freizeit Khan Bleda und ist das Oberhaupt einer Hunnenhorde. Dafür bekommt er in der Mongolei ein Pferd geschenkt.
Er lebt nicht in einem Schloss, sondern in einem kleinen alten Geschäftshaus. Sein besonderes Erkennungszeichen ist neben seiner stämmigen Figur auch sein Bart, der in eigenwillige Muster geschnitten ist. In seiner Freizeit trägt er locker geschnittene Gewänder, Felle oder Lederumhänge: Karsten Hecht, von Beruf Kraftfahrer, ist König einer Hunnenhorde im rheinland-pfälzischen Diez.
«In unserer Horde herrscht bewusst eine strenge Hierarchie», sagt Hecht, der von seinen Untertanen in Anlehnung an einen der letzten Hunnenkönige Khan Bleda genannt wird. Insgesamt 20 Mitglieder umfasst die Diezer Horde. Wer neu einsteigen möchte, muss zunächst ein Jahr als «Sklave» dienen.
«Zu dessen Aufgaben gehört unter anderem das Sammeln von Holz oder die Zubereitung der Speisen», erzählt Hecht. Wenn jemand keine Lust dazu habe, werde dies bald bemerkt. Solche Leute verließen die Horde dann auch recht schnell wieder.
Auf der anderen Seite sei es nach dem Probejahr schnell möglich, in den Rängen aufzusteigen. Wie Pascal Rucues, der im bürgerlichen Leben von Beruf Maschinenschlosser ist. Durch seine Verdienste als Fakir wurde er zunächst zu einem Krieger und später dann zu einem Centurio im Hofstaat der Horde. Wichtig sei, dass von allen Mitgliedern die Struktur in der Horde anerkannt werde, sagt auch er. Bei den historischen Wandervölkern der Hunnen sei der König ja auch als «gottgegeben» anerkannt gewesen.
Bei ihren Streifzügen erobert die Diezer Hunnenhorde jedoch keine Länder, sondern in erster Linie mittelalterliche Volksfeste. «Hier haben wir die Möglichkeit, möglichst ähnlich wie die Hunnen damals zu leben», erläutert Hecht. Dazu gehören das Kochen auf offenem Feuer, das Leben in einfachen Behausungen und auch die Kämpfe mit dem Schwert.
Auf die Idee, eine Hunnenhorde zu gründen, kam Hecht vor 20 Jahren. Damals war er gemeinsam mit seiner Frau bei Freunden in Köln zu einem Fest eingeladen. «Diese hatten sich eher aus karnevalistischen Gründen als Hunnen verkleidet», berichtet er. Seit diesem Zeitpunkt habe ihn die Geschichte der Hunnen nicht mehr losgelassen.
In zahlreichen Büchern informierte er sich über die Lebensweise dieses Nomadenvolkes. «Anfangs war es schwierig, überhaupt historische Quellen über die Hunnen zu finden und auch zu verstehen», sagt Hecht. Auch heute sei das Wissen über die Hunnen, die vom Gebiet der heutigen Mongolei aus ihre Feldzüge in weite Teile Europas starteten, wenig verbreitet. «Wer weiß, dass es mit der großen Macht der Hunnen bereits im Jahr 453 nach dem Tod ihres damaligen Königs Attila wieder vorbei war?», fragt Hecht.
Auch seinen ungewöhnlichen Bartwuchs erklärt er mit historischen Quellen. In der Zeit der Hunnen hätten junge Knaben ihr Gesicht zerschnitten bekommen, um durch die dann entstehenden Narben den Bartwuchs zu stoppen. Er selbst achte beim Rasieren darauf, einen Bartschnitt hinzubekommen, der diesem Aussehen ähnlich sein könnte.
Ihr umfangreiches Wissen über das Leben der Hunnen geben Khan Bleda und seine Horde auch an Schulklassen oder bei Kinderfreizeiten weiter. Es sei interessant zu sehen, wie das Leben der Hunnen mit ihrem Kampfgeist und der starken Naturverbundenheit aufgenommen werde, sagt Hecht. Manch ein Gameboy bleibe da in der Ecke liegen.
Auf das Engagement der Diezer Hunnenhorde wurde auch ein deutsch-mongolesischer Freundschaftskreis aufmerksam. «In der Zeit des Sozialismus in der Mongolei wurde die Geschichte der Hunnen weitgehend ignoriert», erläutert Hecht. Diese werde dort jetzt neu entdeckt.
Der Freundschaftskreis will Hecht nun für seinen Einsatz für die mongolische Geschichte in Deutschland ein besonderes Geschenk machen: ein mongolisches Pferd, das ihm von dem Zusammenschluss der in Deutschland lebenden Mongolen in ihrem Heimatland übergeben werden soll.
Wie er das Tier nach Deutschland bringen soll, das weiß Hecht allerdings noch nicht genau. Ein Flugtransport sei zu teuer, eine Schiffsreise sei ebenfalls schwer realisierbar. Also bleibe nur das Reiten. Eine Strecke von mehr als 7000 Kilometern auf dem Rücken eines solchen Tieres zurückzulegen, das hätten die Hunnen vor mehr als 1600 Jahren ja auch geschafft.
Weiterführende Links:
Ein sehr interessanter Artikel über eine Gruppe, welche mit leidenschaft die mongolische Lebensweise der Vergangeheit und Moderne verkörpert. Die Homepage der 1. Hunnenhorde Diez ist www.sarmatia-europea.npage.de
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