Gianna heißt die Auserwählte. Es gibt Gerüchte, dass die Eisbärendame für ihren Knut aus dem Münchner Tierpark Hellabrunn nach Berlin kommt. Damit wäre Knut, der als einziger medienwirksamer Eisbär noch Junggeselle ist, endlich nicht mehr allein.
Schweigen von Bayern bis Berlin. Wie beim Techtelmechtel von Promis aus Pop, Sport und Film ranken die Zoos in der Hauptstadt und in München nun ein großes Geheimnis um die mögliche Liaison zwischen Berlins Eisbärstar Knut und der etwas mollig geratenen Eisbärlady Gianna. Weder der Zoologische Garten noch der Tierpark Hellabrunn standen bisher zu der frohen Botschaft, dass nun auch Knut als letzter in der Reihe von Eisbär-Lieblingen in deutschen Zoos eine Gefährtin bekommen soll.
Wie schon monatelang im nervenzehrenden Gerichtsstreit zwischen dem Tierpark Neumünster und dem Zoo Berlin um die 430.000 Euro Kaufpreis für den Publikumsmagneten ließen die Zoos vor der Öffentlichkeit die Gitter herunter. «Nichts ist beschlossen, alles noch in Planung», hieß es nur kurz aus Berlin. Hellabrunn schwieg komplett, ob die beiden fast dreijährigen Bären bald verkuppelt werden.
In der Hauptstadt schlug die Nachricht, dass für Knut endlich eine Partnerin gefunden worden sei, in den Medien rasch hohe Wellen. Weil Knut, wie Kevin, stets «allein zu Haus» war, hatte die Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling von «Isolationshaft» gesprochen. Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel, hatte noch konsequenter die vollständige Einstellung der Eisbärzucht in deutschen Zoos gefordert.
Damit ist keinesfalls zu rechnen. Denn außer Knut sind alle in den vergangenen zwei Jahren in Deutschland bekannt und beliebt gewordenen Eisbären partnerschaftlich bestens versorgt. Lara aus Gelsenkirchen, die auch einmal mit Knut «flirtete», hat ihren Bill aus Brünn. Nürnbergs Flocke hat einen russischen Partner, im neuen Bärenreich in Hannover soll künftig ein Wiener Pärchen für weiße Knuddelbärchen sorgen, und der Schwabe Wilbär aus der Stuttgarter Wilhelma zieht mit einer niederländischen Eisbärin in einen schwedischen Park.
Der berühmteste von allen, Knut, jedoch muss sich immer noch allein auf dem früheren Felsen der Kragenbären die Zeit vertreiben. Für ein gedeihliches Familienleben wären die gut 600 Quadratmeter ohnehin viel zu eng. Vor allem deshalb tut sich der Zoologische Garten schon lange so schwer, über die Zukunft der inzwischen von mehr als acht Millionen Menschen besuchten Attraktion zu entscheiden. Ein neues Gehege für Knut und vielleicht zwei oder drei Gefährtinnen würde bis zu neun Millionen Euro kosten und damit den schönen bisherigen Gewinn von mehr als sechs Millionen Euro glatt «auffressen».
Außerdem müsste Knut aus dem recht engen Zoo an der Gedächtniskirche in der City West wohl auf die weiträumige, aber abgelegene Flächenanlage im Tierpark Friedrichsfelde im Ostteil Berlins umziehen. Hunderttausende von Touristen, die Knut bisher ganz nah und schnell besuchen konnten, müssten weite Wege gehen.
Zoo-Chef Bernhard Blaszkiewitz, dem das riesige öffentliche Interesse an Knut schon immer nicht geheuer war, schweigt zu all diesen Fragen der Medien und der Zoo-Besucher beharrlich. «Zu gegebener Zeit gibt es eine Pressemitteilung», lautet seine Standardantwort. Unfreiwillig hat vielleicht ein Tierpfleger in Hellabrunn die richtige Antwort gegeben. Auf die Fragen von herbeigeeilten Fotografen, welche der drei Eisbären in Hellabrunn nach Berlin fahren werden, zeigte der Pfleger nur auf eine: Gianna.
Weiterführende Links:
Tierische Initiative: Berliner Herzen hängen an Knut
Eisbär Knut: Das Fell ist beige und hat die Unschuld verloren
Zoo vor Gericht: Gerangel um die Millionen von Eisbär Knut
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Zoos können vielleicht größere und feudalere Anlagen bauen, aber es sind und bleiben doch Gefängnisse. Viele "Verbesserungen" sind eher kosmetischer Art und dienen eher den Besuchern als den Tieren. Die meisten Tiere in Gefangenschaft leiden unter Frustration und Langeweile. Anstatt Millionen darauf zu verschwenden, Unmengen an Tieren einzusperren, sollten wir uns für die Erhaltung und Wiedereinrichtung dessen einsetzen, was wir Menschen den Tieren genommen haben: ihren ursprünglichen Lebensraum.
jetzt antwortenKommentar meldenAuch Eisbären haben ein Recht auf zweisamkeit. Auch weitere Wege für Touristen dürfte kein Grund sein! Freunde unserer eigenen Gattung würden wir auch in jeder Wohnung besuchen! Joachim Busch, Lübeck
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