Von news.de-Redakteurin Julia Zahnweh
Wladimir Putin setzt sich mal wieder medienwirksam in Szene: Als kerniger Naturbursche reitet der russische Regierungschef oben ohne durch die sibirische Bergwelt. Doch bei der sommerlichen Pflege seines Macho-Images ist der Politiker nicht alleine.
Wladimir Putin scheint ein so vor Kraft strotzender Mann zu sein, dass er jeden Sommer aufs Neue den Macho geben muss – und das halbnackt samt cooler Sonnenbrille. Der einstige Präsident Russlands hackt Holz, sattelt sein Pferd, geht Angeln, macht einen Schlauchbootausflug und klettert auf einen Baum.
Im Abenteuerurlaub präsentiert Putin seine gestählten Muskeln gekonnt vor den Linsen der zahlreichen Fotografen, die ihm in das Grenzgebiet zur Mongolei gefolgt sind. Die Fotos der putinischen Muskelshow sollen vor allem die Herzen der weiblichen Bevölkerung Russlands höher schlagen lassen, will der 56-Jährige doch bis 2026 im Amt bleiben.
In den russischen Medien bemüht sich Putin immer wieder um ein klassisch männliches Image. In seinem letzten Sommerurlaub wehrte er mit einem Schuss aus einem Narkose-Gewehr eine Tigerattacke ab und ließ sich als Held feiern. 2007 verbrachte er gar mit Prinz Albert von Monaco einen Teil seines Sommerurlaubes in den sibirischen Wäldern. Die beiden gingen zusammen angeln und Prinz Albert, ganz Staatsmann, behielt seinen Oberkörper im Gegensatz zu Putin bedeckt.
Eitelkeit scheint aber nicht nur für den ehemaligen russischen Präsidenten zur politischen Inszenierung dazuzugehören. Auch seine Politiker-Kollegen zeigen gerne Haut. Ob Sarkozy, Obama, Berlusconi oder gar Merkel – sie alle wissen um die Strahlkraft nackter Tatsachen. Sie zeigen Haut, um zu beweisen, dass sie in optimaler physischer Form sind und den Willen zur Macht besitzen. Doch die meisten Bilder der halbnackten Poltiker sorgen eher für Furore als für Begeisterung.
Der französische Präsident Nikolas Sarkozy präsentierte seinen Oberkörper stolz, als er im August 2007 auf dem Winnipesaukee See im US-Bundesstaat New Hampshire auf einem Boot schipperte. Ebenfalls oben ohne und im selben Urlaub zeigte sich Sarkozy beim Paddeln mit seinem Sohn Louis. Doch im Nachrichtenmagazin L’Express war dann ein erschlankter Präsident zu sehen. Eine unvorteilhaft wirkende Hüftrolle Sarkozys hatten die Bildredakteure einfach wegretuschiert. Der Elysée-Palast bestritt jede Einflussnahme auf das Magazin.
Silvio Berlusconi wäre nicht Silvio Berlusconi, wenn er nicht versuchen würde, Putin und Sarkozy in Sachen Sexiness den Rang abzulaufen. Doch dazu fehlt ihm leider der durchtrainierte Oberkörper. So reichte es bei Italiens Regierungschef 2006 nur zu einem sehr weit aufgeknöpften, luftigen Hemd, als er den damaligen britischen Premier Tony Blair und seine Ehefrau Cherie auf Sardinien begrüßte. Dafür zeigen sich seine angeblichen weiblichen Gespielinnen bekanntlich gerne recht freizügig.
Ein Oben-Ohne-Foto des amerikanischen Präsidenten schaffte es im Frühjahr dieses Jahres sogar auf die Titelseite eines US-Magazins mit dem Titel «Unser neuer Nachbar ist heiß». Kein Wunder – übertrifft das Urlaubsbild von Barack Obama am Strand von Hawaii die Fotos seiner Kollegen nicht nur an Lässigkeit.
Dass auch Politikerinnen gerne nackte Haut zeigen und damit für sehr viel Aufsehen sorgen können, wissen wir spätestens seit der Einweihung der neuen Nationaloper in Oslo 2008. Damals zeigte sich Bundeskanzlerin Merkel so tief dekolletiert wie noch nie zuvor und konnte die Aufregung darüber nicht verstehen. Über ihren Sprecher ließ sie ausrichten: «Dass dieses Abendkleid, eine Neukomposition, ein Neuarrangement aus dem Bestand der Bundeskanzlerin, für eine solche Furore gesorgt hat, lag nicht in der Absicht der Bundeskanzlerin.» Bestimmt nicht.
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