«Die letzte Bastion der Sklaverei in Europa»
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Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach
Artikel vom 28.07.2009Nach den Razzien und der Schließung von Flatrate-Bordellen übt der Verein gegen Sextourismus und Menschenhandel scharfe Kritik an dieser Form der Prostitution. Betroffene Frauen und ein Bordell wenden sich derweil in Offenen Briefen an die Öffentlichkeit.
In einem Offenen Brief, den die Interessenvertretung für Prostituierte, Hydra, und andere deutsche sowie österreichische Prostituiertenvereinigungen unterzeichnet haben, rufen sie die Bundesregierung auf, Sexarbeiterinnen und Bordellbetreiber an der politischen Debatte um Flatrate-Bordelle zu beteiligen. Außerdem weisen sie darauf hin, dass die Angebote Werbung seien, «Slogans in Zeiten der Krise, um Kunden anzulocken». Als solche seien sie reißerischer als die «zwischenmenschliche Realität». Damit beziehen sich die Unterzeichner auf den Werbespruch «Sex mit allen Frauen, solange Du willst, so oft Du willst und wie Du willst».
Der Verein gegen Sextourismus und Menschenhandel Sowoldi («Solidarity with Women in Distress» (deutsch: Solidarität mit Frauen in Not)) kritisiert Flatrateangebote für Sex scharf. Sowoldi-Chefin Lea Ackermann sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung: «Das ist das absolut Entwürdigendste, was auf dem Markt ist.» Die betroffenen Frauen würden wie Essen und Trinken vermarktet und konsumiert. «Das ist die letzte Bastion der Sklaverei in Europa.»
Die Ordensschwester äußerte Zweifel an der Behauptung, dass Prostituierte freiwillig in Flatrate-Bordellen arbeiteten. Die meisten Frauen stammten aus Ländern wie Rumänien und Bulgarien und seien kaum in der Lage, ihren eigenen Lebensunterhalt und den ihrer Familien abzusichern. Daher könne von Freiwilligkeit keine Rede sein, sagte Ackermann.
Viele Frauen seien wegen mangelnder Deutschkenntnisse nicht fähig, Verträge mit Bordellbetreibern zu lesen. Zu den Anzeigen von Prostituierten-Vereinen in überregionalen Zeitungen, die sich gegen die Schließung der Einrichtungen aussprechen, erklärte die Solwodi-Vorsitzende, vermutlich seien die Frauen nur vorgeschoben. Sie frage sich, woher die Vereine das Geld für die Anzeigen hätten.
Diskussionen um Zwangsprostitution und die fehlende Möglichkeit für Prostituierte auch Leistungen ablehnen zu können, wurden bereits im Juni laut. Daraufhin erklärte die Betreiberin des Fellbacher Pussy-Clubs, Patricia F., in einer Gegendarstellung, dass «Damen über Zeit, Ort und Ausmaß ihrer Tätigkeit frei entscheiden» könnten. Für ihre «Subunternehmerinnen» gäbe es sehr wohl die Möglichkeit «ihre sexuellen Leistungen zu verweigern». Dabei räumte sie auch ein, dass das «Marketing-Konzept einen missverständlichen Eindruck vermittelt».
Die 25 Jahre alte Betreiberin des Bordells in Fellbach, ein weiteres Mitglied der Geschäftleitung sowie zwei Beschäftigte kamen nach einer Bordellrazzia am Sonntag in Untersuchungshaft. Zwei Tage danach gebe es auch in den anderen untersuchten Etablissements aber noch keine konkreten Hinweise auf die weiteren Hintermänner. Oberstaatsanwalt Andreas Thul-Epperlein sagte in Fellbach bei Stuttgart: «Wir ermitteln von unten nach oben.»
Die Staatsanwaltschaft prüfe, wer im großen Stil an der Sache verdiene. Alleine in dem Bordell in der schwäbischen Kleinstadt seien mindestens 200.000 Euro an Bargeld beschlagnahmt worden. Thul-Epperlein sagte, es bestehe der Verdacht, dass für die Prostituierten keine Sozialversicherungsabgaben bezahlt worden seien. Der Schaden alleine in Fellbach für die Sozialkassen belaufe sich auf rund 200.000 Euro.
Nach Angaben von Fellbachs Oberbürgermeister Christoph Palm (CDU) gibt es in Deutschland rund 40 bis 50 Flatrate-Bordelle. Der baden-württembergische Landtagsabgeordnete forderte erneut eine gesetzliche Handhabe, um solche Bordelle verbieten zu können. «Das Konzept, ein Mal zu bezahlen, dafür unbegrenzte sexuelle Dienstleistungen einzufordern, kann nur auf Basis menschenverachtenden Denkens funktionieren.»
Derweil müssen 30 rumänische Prostituierte eines geschlossenen Heidelberger Flatrate-Bordell ausreisen. Wie die Polizei mitteilte, hat das Bürgeramt der Stadt bei einem Kontrollbesuch den angetroffenen Frauen Ausreiseaufforderungen ausgehändigt.
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