Mo., 13.02.12

Interview zu Glückspiel Spielen für den wohltätigen Zweck

Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach

Artikel vom 25.07.2009

Italiener träumen vom höchsten Lotto-Jackpot der Geschichte - 105,3 Millionen Euro. Dabei stehen die Chancen 1 zu 600 Millionen. In Russland wiederum ist Glücksspiel seit 1. Juli gänzlich verboten. News.de sprach mit Glücksspielforscher Tilman Becker.

Welche Glücksspiele sind in Deutschland erlaubt?

Becker: Alles was unter das staatliche Monopol fällt und das gewerbliche Spiel, das heißt, die Geldspielgeräte in Spielhallen. Also alles was vom Deutschen Lotto- und Totoblock angeboten wird, wie die Lotterie «6 aus 49» einschließlich der Sportwetten bei Oddset, die Klassen- und Fernsehlotterien und was in Spielbanken angeboten wird, wie Poker, Roulette, Baccara oder Black Jack.

Was darf nicht gespielt werden?

Becker: Unter anderem Sportwetten, die nicht von einem staatlichen Anbieter angeboten werden, Pokerspiele um Geld, die nicht in Spielbanken stattfinden. Das sind die prominentesten Beispiele.

Wohin gehen die Gewinne aus den Spielen, die unter dem staatlichen Monopol ablaufen?

Becker: Die gehen in die Kassen der einzelnen Bundesländer und diese verwenden sie für kulturelle, sportliche und sonstige wohltätige Zwecke. Zum Großteil bleibt es in der Staatskasse und fließt in den generellen Haushalt.

Das heißt, Glücksspiel hat also auch eine wirtschaftliche Bedeutung. Müsste ich bei einem Gewinn Steuern zahlen?

Becker: Nein, das dürfen Sie einfach auf Ihr Konto packen.

Wie viele Jobs hängen in Deutschland am Glücksspiel?

Becker: Man geht von 30.000 aus. Das sind die Beschäftigten bei den Lottogesellschaften, in den Spielbanken und in den vor- und nachgelagerten Bereichen. Hierzu kommen noch die Beschäftigten in der Geldspielautomatenindustrie und den Spielhallen.

In Ihrer Forschung beschäftigen Sie sich auch mit dem Verbraucherverhalten. Welche Typen von Spielern gibt es?

Becker: Bei den pathologischen Spielern kann man zwei Typen unterscheiden. Dem einen Typ geht es vor allem um Verdrängung. Und der zweite Typ ist der Sensationssucher, Spieler, die eher den Kick, den Nervenkitzel suchen. Das sind die beiden Typen.

Spielen kann süchtig machen. Warum?

Becker: Wenn Sie das genau wüssten, würden Sie wahrscheinlich den Nobelpreis bekommen. Es gibt bestimmte Eigenschaften von Spielen, die eher süchtig machen. Die meisten Süchtigen gibt es beim Automatenspiel, wo die Spielabfolge sehr schnell ist. Die Spieler sind auch eher einbezogen, Kontrollillusion nennt man das. Weiterhin lässt einen der Ausblick auf einen Fast-Gewinn weiterspielen.

Man denkt dann, beim nächsten Mal klappt es ...

Becker: Ganz genau. Es gibt noch mehr Merkmale, aber das sind wohl die wichtigsten.

Wer ist gefährdet durch Glücksspiele?

Becker: In der Regel neigen eher Männer zur Glücksspielsucht. Frauen neigen eher zu Kaufsucht.

Welche Rolle spielt das Glücksspiel im Internet in Ihrer Forschung?

Becker: Das ist ja untersagt, in jeder Form. Wir haben im September ein Symposium, dass sich ausschließlich mit dieser Frage beschäftigt. Es geht um Datenschutz, haftungsrechtliche, verfassungsrechtliche, technische Aspekte, Spielerschutz und -therapie.

Aber ich kann von Deutschland aus auch auf eine Webseite aus dem Ausland zugreifen, wo das vielleicht erlaubt ist.

Becker: Sicherlich gibt es Länder, wo das erlaubt ist, aber in Deutschland nicht und wenn Sie auf so eine Seite mit Spielen zugreifen, ist das illegal. Wenn Sie bei einem englischen Buchmacher mitspielen, ist das illegal.

In Russland ist Glücksspiel gänzlich verboten.

Becker: Es wird aber weiterhin Sonderwirtschaftszonen geben, in denen Glücksspiel erlaubt ist. In Sibirien zum Beispiel, nicht mehr in den großen Städten, aber in besonderen Gebieten ist es noch erlaubt.

Bei welchem Glücksspiel hat man objektiv die besten Chancen?

Becker: Beim Roulette. Wenn Sie auf Schwarz oder Rot setzen haben sie eine 50/50-Chance. Bei Lotto ist die Chance am geringsten zu gewinnen. Die Ausschüttungsquote ist es aber eigentlich das Entscheidende. Diese ist bei Roulette und Black Jack am höchsten.

Professor Tilman Becker ist Inhaber des Lehrstuhls für Agrarpolitik und Landwirtschaftliche Marktlehre an der Universität Hohenheim und seit 2005 Geschäftsführender Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel.

 

Weiterführende Links:

Lottofieber: Italiener träumen vom Rekord-Jackpot

voc/news.de

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