So., 12.02.12

Lebenslange Haft für Eltern Kleine Siri zu Tode gequält

Artikel vom 23.07.2009

Die Eltern der zu Tode gequälten kleinen Siri aus dem mittelhessischen Wetzlar müssen lebenslang hinter Gitter. Das entschied das Landgericht Limburg. Die Urteilsverkündung verzögerte sich, da dem Gericht mit einem Anschlag gedroht wurde.

Das Landgericht Limburg verurteilte die 36 Jahre alte Kanadierin und ihren zwölf Jahre jüngeren Ex-Freund wegen Mordes und stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Damit können die Beiden nicht nach 15 Jahren aus dem Gefängnis entlassen werden. Die Eltern hatten ihre acht Monate alte Tochter in ihrer Wohnung in Wetzlar ein halbes Jahr lang immer wieder gequält und schwer misshandelt. Das wehr- und hilflose Baby starb am 2. Mai 2008, nachdem ihm der Schädel zertrümmert worden war.

«Das Baby wurde nicht nur körperlich, sondern auch seelisch misshandelt», sagte die Vorsitzende Richterin Karin Walter in der Urteilsbegründung. Als Erklärung für das Verhalten der Eltern verwies sie auf deren unglückliche Kindheit. Sie seien daher nicht in der Lage gewesen, eine liebevolle Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen. Gemeinsam hätten die Eltern beschlossen, Siri zu töten. Dies sollte wie ein plötzlicher Kindstod aussehen, um die deutlich sichtbaren Spuren der monatelangen Misshandlungen zu verdecken, sagte die Richterin.

Das Urteil entsprach dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung des Vaters hatte Freispruch gefordert, die der Mutter eine zeitlich befristete Gefängnisstrafe wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Psychiatrische Gutachter hatten den Angeklagten volle Schuldfähigkeit attestiert. Angesichts des monatelangen Martyriums des kleinen Mädchens seien Affekthandlungen ausgeschlossen, hatten die Psychiater vor Gericht gesagt.

Die Urteilsverkündung verzögerte sich, weil ein anonymer Hinweis auf einen Anschlag auf das Landgericht einging. Kurz vor dem geplanten Termin für das Urteil habe eine unbekannte Frau angerufen und erklärt, es sei mit einem Anschlag zu rechnen, sagte ein Gerichtssprecher. Ein Bezug zu dem Prozess um den Kindesmord habe die Unbekannte nicht hergestellt. Das Gericht sei vorsorglich geräumt worden. Die Polizei durchsuchte das Gebäude mit einem Spürhund. Es sei aber nichts gefunden worden, sagte der Sprecher.

Siris Eltern hatten die schweren Verletzungen ihres Säuglings in Videoaufnahmen festgehalten. Im Gerichtssaal waren zum Prozessauftakt Ausschnitte gezeigt worden. Sie zeigten minutenlang, wie Siri auf einem Bett liegt und weint. Immer wieder wurde sie hingesetzt und kippte um, weil sie sich nicht halten konnte. Niemand sprach mit ihr. In einer anderen Sequenz tauchte ihr blutverschmiertes Gesichtchen auf, aber ihre Eltern machten keine Anstalten, Siri sauberzumachen oder sie zu trösten.

Eine Obduktion von Siris kleinem Leichnam hatte neben dem Schädelbruch noch eine Vielzahl von anderen älteren Verletzungen zutage gebracht, darunter blaue Flecken und mehrere Knochenbrüche an Armen, Beinen und am Schlüsselbein - typische Folgen von Misshandlungen.

Die Ermittlungen wegen unterlassener Hilfeleistung und Körperverletzung in diesem Fall gegen eine Mitarbeiterin des Wetzlarer Jugendamts dauern nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch an. Die Frau hatte die Familie zweimal in der Wohnung besucht, nachdem Nachbarn das Jugendamt informiert hatten. Sie hatte aber keine Auffälligkeiten festgestellt.

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iwe/iwi/news.de/dpa

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