Von Angelika Bruder
Wieder musste in Deutschland eine Geburtsstation wegen der Schweinegrippe schließen. Für Schwangere ist die Krankheit offenbar besonders gefährlich - in Großbritannien wird sogar geraten, Kinderwünsche erst einmal aufzuschieben.
Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage ist in Deutschland wegen der Schweinegrippe gleich die ganze gynäkologische Abteilung eines Krankenhauses geschlossen worden. Nach Kreißsaal und Wöchnerinnenstation der Uniklinik Lübeck wurde jetzt auch die Geburtsstation der Bad Oldesloer Asklepios Klinik gesperrt. Es sind sowohl Mitarbeiter als auch Schwangere und sogar ein Neugeborenes infiziert.
Dass die jeweiligen Klinikleitungen nicht nur einzelne Räume desinfizieren ließen, sondern gleich den ganzen Bereich, mag auch damit zusammenhängen, dass die Schweinegrippe für Schwangere besonders gefährlich ist. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist für sie das Risiko von Komplikationen besonders hoch. Von insgesamt 30 Patienten, die im Mai in Kalifornien wegen der neuen Influenza A (H1N1) in Krankenhäuser eingeliefert wurden, waren fünf Schwangere, und von diesen erlitten zwei Komplikationen, wie die WHO mitteilte.
Schwangere gelten für die Experten ebenso wie Menschen mit schweren Vorerkrankungen wie Krebs, Diabetes, HIV, Asthma, Fettsucht oder Unterernährung wegen ihres schwächeren Immunsystems als besonders gefährdet und sollen daher schon beim Verdacht auf eine Schweinegrippe-Infektion besonders überwacht werden. Sie sollten bevorzugt Grippemittel bekommen, erklärte die WHO bereits im Mai. Bei der Impfung sollen sie - sobald der Impfstoff vorliegt - ebenfalls bevorzugt behandelt werden, wie auch die zuständigen Stellen in Deutschland unlängst entschieden.
In Großbritannien gehen die Gesundheitsbehörden sogar soweit, Frauen mit Kinderwunsch zu empfehlen, diesen besser bis nach dem Abflauen der Epidemie aufzuheben. «Für diejenigen, die gerne Kinder hätten, könnte die Überlegung vernünftig sein, die Empfängnis so lange zurückzustellen, wie die Pandemie anhält«, erklärte das britische Gesundheitsministerium am Sonntag. In der Fachwelt und in der Presse folgte ein Aufschrei der Empörung. Der Vorsitzende der Vereinigung der Hausärzte, Steve Field, sprach von Panikmache und einer völlig unangemessenen Reaktion auf eine Seuche, die mehrere Jahre andauern könne.
Die britischen Behörden rieten Schwangeren zudem, größere Menschenansammlungen zu meiden, was ebenfalls bei Experten auf Unverständnis stieß. «Wir haben sehr wenig oder gar keine Hinweise darauf, dass ein Aufenthalt in einer Menge das Erkrankungsrisiko erhöht«, sagte der Londoner Spezialist für Infektionskrankheiten, John Edmunds. Nach seinen Erkenntnissen ist vermutlich enger Kontakt mit Infizierten für eine Ansteckung nötig.
Die Weltgesundheitsorganisation rät zwar zu Vorsichtsmaßnahmen, warnt aber vor Überreaktionen: «Man sollte zu diesem Zeitpunkt nicht sein ganzes Leben wegen der Schweinegrippe neu gestalten«, sagte WHO-Sprecher Gregory Hartl. Schließlich entwickelten die meisten Infizierten nur ganz leichte Symptome und benötigten noch nicht einmal Medikamente.
che/news.de/ap