Je mehr betont wird, dass alle Thesen zur Ursache des Erdrutsches blanke Spekulation seien, desto stärker florieren solche Theorien. Sehr reizvoll ist die Variante, eine Grundwasserblase habe im Concordia See eine Flutwelle ausgelöst.
Die Ansage von Landrat Ulrich Gerstner war deutlich: Eine Ursache dafür zu nennen, warum drei Menschen mit ihrem Haus einen 100 Meter hohen Abhang hinabstürzten, sei derzeit «in keinerlei Weise möglich», betonte er am Montagnachmittag.
Alles Spekulation. Prüfungen durch Geologen und Bergbauexperten werden ihre Zeit dauern. Heißt es offiziell. Doch die in Nachterstedt versammelte Fachwelt scharrt mit den Füßen. Die prickelndste These zieht den Erdrutsch von der anderen Seite her auf, von der Seeseite. «Unterirdische Grundwasserblase» sind die Schlagworte, die jetzt hervorgedrungen sind. Die Blase könnte sich aus dem Boden unter dem Grund in den See ergossen und einen gewaltigen Wasserschub ausgelöst haben.
Ist die «Tsunami-Welle» also gar kein Resultat des Erdrutsches, sondern der Erdrutsch eine Folge der Welle? Während sie an der einen Seeseite nur das Ausflugsboot Seelandperle an Land presste, drang sie bei Nachterstedt in das Erdreich der Bergbau-Kippe ein und riss ein 350 mal 120 Meter großes Stück mit sich. «Es gibt auch Vermutungen, dass der Altbergbau verantwortlich ist, und kurz nach dem Unglück hieß es, die starken Regenfälle könnten den Erdrutsch ausgelöst haben», wehrt Gerhard Jost von der sachsen-anhaltischen Bergbaubehörde ab. Fest stehe nur: Man wisse nicht, was Sache ist.
Doch die lieber ungenannten Experten finden Gefallen an der These. Kurz vor dem Unglück seien ungewöhnlich starke Strömungen festgestellt worden, sagte einer von ihnen der Süddeutschen Zeitung. Das Epizentrum der Erdbewegungen habe auf dem Grund des Sees gelegen, vermutet er.
Und es findet sich auch ein Zusammenhang zum Grundwasser. Die Pegelstände hätten merklich abgenommen, das bestätigt auch Landrat Ulrich Gerstner der Süddeutschen Zeitung. Während oberirdisch das Wasser steigt, sinkt unterirdisch der Druck. Auch das scheint eine schlüssige Erklärung. Und die «Blasen-Theorie» würde plausibel machen, warum der Wasserstand des Sees um 60 Zentimeter gestiegen sei - die Erdmasse allein dürfte auf die 350 Hektar des Sees umgerechnet kaum derart ins Gewicht fallen.
Doch klar ist derzeit eigentlich nur: Die Risse im Boden ziehen sich immer weiter ins Land hinein. 30 Meter haben die Experten der Bergbaubehörde bei einer vorsichtigen Begehung am Montagnachmittag gemessen. Auch in den Gebäuden des Sperrgebietes haben sie Risse entdeckt, berichtet Gerhard Jost. «Das zeigt, dass der Kippenbereich noch aktiv ist, dass noch Bewegung stattfinde», betont er.
Eine rote Linie zieht sich auf der Karte des Krisenstabs an den Häusern am Seeufer entlang. Hier beginnt das Gebiet des sogenannten Kippenkörpers, hier ist aufgeschüttetes Land, unter dem früher Bergbau betrieben wurde. Und diese Kippe wird vermutlich nie wieder jemand betreten können. Denn für die Experten ist auch klar, dass die derzeit 70 Grad steile Böschung sich in den nächsten Monaten weiter verflachen wird. Was bedeutet: Es wird noch mehr Land einstürzen.
Wenn sowieso äußerst unwahrscheinlich ist, dass die Bewohner je wieder in ihre Häuser treten dürfen, warum das Kippengelände nicht einfach sprengen? Auch das ist so ein Gerücht in Nachterstedt. Eine Sprengung aber rufe weitere Erschütterungen hervor, gibt Jost zu bedenken. Was jedoch mit der Unglücksböschung passieren soll, kann er nicht sagen. «So weit ist man noch nicht.» Man, das ist die LMBV, die für die Sanierung des Tagebaus verantwortliche Gesellschaft des Bundes. Und LMBV-Sprecher Mathias Siebert ist nach den vielen Spekulationen über Ursache, Verantwortung und fehlende Risikobewertungen vorsichtig geworden und sagt derzeit lieber gar nichts.
Weiterführende Links:
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Unglück am Concordia See: Suche nach Vermissten eingestellt
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ich wohne in aschersleben ca.15 km von nachterstedt weg,für uns war diese Unglück sehr schlimm als wir davon erfahren haben ,da ich dieses noch kenne als es noch ein Braunkohle werk war.wi hatten auch einen scuhulausflug früher dort hin gemacht.Ich denke das Unglück wurde durch die Flutung mit berbei geführt denn wasser sucht sich seinen Weg.vielleicht wär diese Unglück auch ohne Flutung zu stande gekommen,denn es wurde doch nie mehr kontrolliert seit dem die Häuser dort stehen,die stollen sind unter tage und da kommt keiner ran. Es ist so was schlimmes was da passiert ist.
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