Bei der Unterscheidung von herkömmlicher Frischmilch von sogenannter «haltbarer» Frischmilch tappen die Konsumenten laut Verbraucherlobby weiter im Dunkeln. Die Selbstverpflichtung von Milchhandel und Industrie für klare Kennzeichnung sei gescheitert.
Die freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie zur eindeutigen Kennzeichnung von länger haltbarer Milch ist nach Ansicht von Verbraucherschützern gescheitert. Nach einer bundesweiten Überprüfung der Milchverpackungen, die der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) in Berlin vorstellte, ist nur ein Drittel der sogenannten ESL-Milch gemäß der Selbstverpflichtung als «länger haltbar» gekennzeichnet. Die Untersuchung ergab auch, dass traditionelle Frischmilch in vielen Geschäften überhaupt nicht mehr angeboten wird.
«Die Milchwirtschaft hat ihr Versprechen nicht gehalten und führt die Verbraucher weiter an der Nase herum», sagte der Vorstand des Verbraucherzentralen Bundesverbandes, Gerd Billen. Er forderte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner auf, die Industrie mit gesetzlichen Vorgaben dazu zu zwingen, Frischmilch und ESL-Milch auf einen Blick unterscheidbar zu machen. Die Selbstverpflichtung war Anfang Februar zwischen Verbraucherministerium, Milchindustrie und Einzelhandel vereinbart worden.
ESL-Milch (extended shelf live - längeres Leben im Regal) ist zwischen der frischen (pasteurisierten) und der H-Milch (ultrahoch erhitzt) einzuordnen. Durch Erhitzen oder Mikrofiltrieren und Pasteurisieren ist sie dreimal so lang haltbar wie frische Milch, also circa drei Wochen. Durch das Erhitzen gehen Vitamine verloren. Teilweise ändert sich auch der Geschmack.
Die Verbraucherzentralen der Länder untersuchten in einer Stichprobe 660 Milchpackungen oder Flaschen. Nur 240 waren den Angaben zufolge richtig gekennzeichnet, 202 mit dem Zusatz «länger haltbar» und 40 mit «traditionell hergestellt», wie der Verband mitteilte. Andere Produkte verwendeten irreführende Bezeichnungen wie «extra lange frisch», «länger frisch» oder «maxi frisch», womit sie nach Ansicht der Verbraucherschützer besondere Frische suggerierten. Auch bei Marken- oder Bioprodukten habe sich immer noch ESL-Milch ohne einen Hinweis auf die längere Haltbarkeit gefunden.
In gut einem Drittel der 80 überprüften Geschäfte wurde überhaupt keine herkömmliche Frischmilch mehr angeboten, vor allem in Discountern. Der VZBV forderte, dass echte Frischmilch flächendeckend im Handel erhältlich sein müsse, um dem Verbraucher Wahlfreiheit zu ermöglichen.
Die Auseinandersetzungen über die Milch reihen sich ein in die Diskussionen über Käse- und Schinken-Imitate. Bei der Milch war im Februar vereinbart worden, die als haltbare hocherhitzte Frischemilch verkaufte Ware als «länger haltbar» zu kennzeichnen.
Den kompletten Test finden Sie auf der Internetseite der Verbraucherzentrale.
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