Von Doris Marszk
Anders als oftmals vermutet, bereitet es dem Gehirn keine Extra-Anstrengung, bei der Wahrheit zu bleiben. Die Lüge dagegen setzt zusätzliche Hirnaktivitäten in Gang, wie ein US-Forscherteam jetzt herausgefunden hat.
Die Wissenschaftler konnten in Experimenten ehrliche von unehrlichen Menschen unterscheiden und deren unterschiedliche Gehirnaktivitäten beobachten, wie sie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) beschreiben.
«Aufrichtig zu sein ist keine Frage der Willenskraft», erläutert Joshua Greene von der Harvard University. «Es ist vielmehr so, dass man dazu ausgestattet ist, sich in unangestrengter Weise ehrlich zu verhalten.»
Greene und sein Kollege Joe Paxton ließen in einem Experiment ihre Versuchspersonen das Ergebnis von Münzwürfen vorhersagen. Die Probanden mussten ihre Prophezeiungen aber nicht bekanntgeben, sondern nur jeweils hinterher angeben, ob sie eingetroffen war.
Sie hatten also die Gelegenheit, hemmungslos zu lügen. Während sie angaben, ob ihre Prophezeiungen richtig gewesen waren, wurden ihre Gehirnaktivitäten per Magnetresonanz-Tomografie (MRT) beobachtet und die Korrektheit ihrer Angaben mit statistischen Werten über die Ergebnisse von Münzwürfen abgeglichen.
Wer ehrlich antwortete, lag auch näher an der statistischen Wahrscheinlichkeit. Die Forscher betonen jedoch, dass die Etiketten «ehrlich» oder «unehrlich» nur für dieses Experiment vergeben wurden und nichts über die Ehrlichkeit oder Unehrlichkeit der jeweiligen Person allgemein aussagen sollten.
Die Analyse der Gehirntätigkeit ergab, dass die ehrlichen Versuchspersonen keine zusätzliche Gehirnaktivität zeigten. Bei den unehrlichen Probanden wurden bestimmte Hirnareale, der dorsolaterale präfrontale Cortex und der anteriore cinguläre Cortex, zusätzlich aktiviert.
Diese Gehirnregionen sind auch bekannt als kontrollbezogene Gehirnnetzwerke, die für die Unterscheidung von Wahrheit und Lüge zuständig sind. Diese Versuchsergebnisse könnten weitreichende Konsequenzen haben, glauben die Forscher.
Zwar sei noch einiges an wissenschaftlicher Arbeit nötig, doch eines Tages könnte mit einem Blick auf die Hirnaktivität eines Menschen eine Lüge von der Wahrheit unterschieden werden.
Weiterführende Links:
Verhaltensforschung: Babyfotos machen ehrlicher
Aus dem Netz:
Das Moral- und Kognitionsforschungs-Labor von Joshua Greene an der Harvard Universität
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