Domenica ist ein Mythos – nicht nur auf Sankt Pauli. Früher Domina und Edelhure, kämpfte sie später für die Rechte ihrer Kolleginnen, war in den Medien und vor allem aber im Kiez als Streetworkerin präsent. Ihren Spuren folgt nun eine Kiez-Führung.
Eine Stunde lang führt Ina Rödiger durch Sankt Pauli und damit durch das Leben von Domenica, die vor fünf Monaten 62-jährig an einem Lungenleiden gestorben ist. Als vollbusige, dunkelhaarige Edel-Hure verdrehte Domenica Niehoff über Jahrzehnte Männern den Kopf. Als sie sich outete, avancierte sie zum Medienstar und kämpfte fortan für die Rechte ihrer Mitstreiterinnen. «Ich kenne Domenica persönlich noch aus ihrer Zeit in der Herbertstraße und habe sie stets dafür bewundert, dass sie einst tatsächlich als erste Hure zu ihrem Beruf gestanden hat und damit an die Öffentlichkeit gegangen ist«, sagte Stephanie Klee vom Bundesverband sexueller Dienstleistungen nach Domenicas Tod Mitte Februar.
Der Abend auf Domenicas Spuren beginnt mit Sicht auf das Hotel, in dem sie bei ihrem ersten Hamburgaufenthalt abgestiegen war. Beim Gang über den Kiez belebt Stadtführerin Ina Rödiger die Stationen ihres Lebens wieder und nimmt die Gäste mit zur Domina Dana De Luxe, die von ihrer Freundin Domenica erzählt.
Deren Leben glich einer Achterbahnfahrt: 1945 geboren, verbrachte sie zehn Jahre in einem Waisenhaus. Mit 17 lernte Domenica einen 25 Jahre älteren Bordellbesitzer kennen, den sie heiratete. Die Ehe hielt zehn Jahre, bis sich ihr Mann 1972 das Leben nahm. Noch im gleichen Jahr begann die gelernte Buchhalterin in der Hamburger Herbertstraße als Prostituierte zu arbeiten. Später betrieb sie ihr eigenes Etablissement.
In den 1970er und 1980er Jahren wurde sie bundesweite bekannt. Als Vorkämpferin setzte sie sich für die Rechte, die Anerkennung und die Legalisierung ihres Berufsstandes ein. Als prominenteste Hure des Landes diente sie ferner Kunst und Kultur als Muse: So bildete die Popgruppe Trio auf dem Plattencover der Single »Bum Bum« nichts als ihr tief ausgeschnittenes Dekolleté ab und verpflichtete die Wahlhamburgerin zusätzlich für das Video.
1990 stieg Domenica im Alter von 45 Jahren aus ihrem Gewerbe aus und engagierte sich verstärkt in sozialen Projekten. Als Sozialarbeiterin kümmerte sie sich um junge, drogensüchtige Mädchen und Frauen, die ihre Sucht durch Prostitution finanzierten und aussteigen wollten. Sie veröffentlichte ihre Autobiografie «Körper mit Seele - Mein Leben» und versuchte sich vergeblich als Kneipenwirtin am Fischmarkt.
Nachdem Domenica zwischenzeitlich vom Hamburger Kiez verschwand, kehrte sie im vergangenen Jahr nach St. Pauli zurück. «Jetzt bleibe ich für immer hier», kündigte sie an. In einem ihrer letzten Interviews sagte Domenica im Sommer 2008 der Tageszeitung Die Welt: «Ich habe erreicht, dass mehr über Prostitution geredet wird. Dass nicht mehr so darüber getuschelt wird. Dass sich Mädels trauen zu sagen: Ich war im Milieu, aber ich will jetzt aussteigen. Wer dagegen früher hier gelandet war, der kam nicht wieder raus.»
«Wir werden über das wirkliche Leben Domenicas berichten und die Erinnerung an eine kämpferische und herzensgute Frau wach halten», kündigt Ina Rödiger an. Sie hatte ursprünglich mit Domenica gemeinsam eine Führung geplant.
Auch alleinreisende Damen und ältere Besucher könnten unbesorgt an der Kieztour teilnehmen, betont die Rödiger: «Unsere Escorts kümmern sich während der gesamten Tour um ihr Wohlbefinden.»
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iwi/iwe/news.de/dpa/ddp