Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Wer hat eigentlich Schuld daran, dass die Bologna-Reform eitel Sonnenschein mit Regenwetter ist? Vermeintliche Täter sind schnell ausgemacht. Doch die Auswahl derer wird nicht an Logik festgemacht.
Selbst wenn das Argument langsam langweilig wird: Wie andere Defizite im Bildungssystem auch, hat die Bologna-Reform mit dem deutschen Föderalismus zu kämpfen. Es hat nämlich einen entscheidenden Nachteil, wenn die Bildungsminister Europas auf einer Metaebene entscheiden, was an der Basis funktionieren soll.
Doch wie kann etwas funktionieren, das mehr Strategie ist, als es Handlungsvorschläge macht? Was der eine denkt, kann der andere nur erraten und seine Reaktionen nur darauf abstimmen, wie er die Vorgaben verstanden hat. Insofern ist es kein Wunder, dass die Bologna-Reform dermaßen in der Kritik steht und zugleich schön geredet wird.
Während die Verfechter der Reform versuchen, das Gesicht zu wahren, kämpfen andere darum, in den Wirren und mannigfaltigen Auslegungsmöglichkeiten zu retten, was zu retten ist. Dass beide Seiten versuchen, die Position des jeweils anderen zu demontieren, ist vollkommen legitim.
Aber vielleicht sollten sich alle Beteiligten auch mal eingestehen, dass sie nach Idealen streben, die in der Realität nicht hundertprozentig funktionieren. Sich etwas vorzustellen und andere machen lassen, birgt das Risiko, das an einer Stelle etwas schief geht. Und das sind die Hochschulen.
Die sind nämlich mit der Forderung, die Reform massenkompatibel zu machen, allein gelassen worden. Statt klarer Regeln gab es nur Ziele. Deshalb kocht nun jede Hochschule ihre eigenes Süppchen und um aus der Masse herauszuragen, werden Studiengänge überspezialisiert, die an unterschiedlichen Hochschulen inhaltlich fast gleichauf liegen und namentlich doch so weit entfernt sind. Es ist eben alles eine Frage des Verkaufens, um damit Geld in die Kassen zu holen. Nur im Sinne der Bologna-Reform ist das nicht. Schließlich kann schon eine faule Erdbeere die ganze Marmelade verderben.
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