Die Kritiker blockieren den Erfolg
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Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Artikel vom 08.07.2009Einen Tag nach dem Gespräch im Bundesbildungsministerium war die Bologna-Reform erneut Thema. Diesmal bei Hochschul- und Wirtschaftsvertretern. Ihr Fazit: Bologna ist das Beste, was dem deutschen Hochschulsystem passieren konnte.
Die europäischen Länder dichter aneinander heranzuführen – mit diesem Ziel unterzeichneten vor zehn Jahren Bildungsminister die Bologna-Reform. In großen Teilen ist sie inzwischen umgesetzt worden, aber nicht folgenlos geblieben. Die Ziele, die Mobilität unter europäischen Studenten umzusetzen und die Studienzeiten anzugleichen, wurden umgesetzt. Das lauthals beklagte Ergebnis: An vielen Hochschulen sind Professoren und Studenten überfordert.
Diesem Argument hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund bereits am Dienstag widersprochen. Ein Wechsel an europäische Universität sei zwar ein gutes Ziel. Doch die Mobilität zwischen deutschen Hochschulen funktioniere nicht, weil bisher erbrachte Studienleistungen von einigen Hochschulen nicht anerkannt würden.
Abgestritten werden die Probleme auch von Wirtschafts- und Hochschulgremien nicht. Dennoch: Mit dem Bildungsstreik vor drei Wochen, seien die «falschen Schlüsse» gezogen worden, kritisiert Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Deutschen Telekom. Eine Reform sei nötig, aber keine Rückabwicklung. Viel eher müssten die Hochschule die Studierbarkeit der Studiengänge garantieren und Bund und Länder aufhören, alles im Detail regeln zu wollen.
Ganz scheint damit auch die gestrige Einsicht von Bundesbildungsministerin Annette Schavan nicht angekommen zu sein, die eingeräumt hatte, dass es vielen Protestierenden nicht um die Aufhebung der Maßnahmen gehe. Den Reformkritikern wirft Sattelberger eine Blockadehaltung vor: Sie seien selbst die «Hauptverantwortlichen für die augenfällige Mängel».
Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft, geht noch ein Stück weiter. Jene, die sich am lautesten über die Aufzwingung eines schlechten Studiensystems mokierten, «hätten dessen positive Ausgestaltung doch mit in der Hand gehabt». Es sei «überhaupt nicht produktiv, wenn mitunter rückwärtsgewandte Diskussionen geführt werden, statt gemeinsam voranzuschreiten». Für viele Kritikpunkte gebe es überhaupt keine Belege.
Dagegen hält Anja Gadow vom Freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften. Meyer-Guckel beziehe sich nur auf die Entscheidungsträger. Studiengangsreform wurden von den Professoren erarbeitet. An kaum einer Hochschule hätten aber die Studenten, die einen Großteil der Bologna-Kritiker ausmachen, dabei ein Mitspracherecht gehabt.
Margret Wintermantel, Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz, ruft derweil dazu auf, an einem Strang zu ziehen. Es sei die «Aufgabe aller Beteiligten, diese Reform zum Erfolg zu führen». Die Erfolge seien das, was zähle. Und da sei es mit der Bologna-Reform gelungen, Studiengänge mit internationalen Strukturen zu versehen, zeitgemäße Inhalte zu etablieren und die Studenten schon frühzeitig zu informieren, «wohin der Studiengang sie führen wird und warum welches Modul dafür wichtig ist».
Eben das sei aber nicht der Fall, betont Gadow. Wer die Hochschule wechsle, stehe vor dem Problem, dass bislang erbrachte Leistungen nicht anerkannt würden. «Sobald ein Studiengang anders heißt, geht man nicht mehr davon aus, dass die gleichen Inhalte gelehrt worden.» Ähnlich sei das auch bei der Leistungsbewertung. Bringt ein Modul des gleichen Studiengangs weniger Credit Points (Bewertungspunkte) ein als an einer anderen Hochschule, gebe es auch hier selten eine Anerkennung der Leistung.
Es sei daher unstrittig, dass die Reform den realen Bedingungen angepasst werden müsse. Ganz ohne lobenswerte Ergebnisse sei die Bologna-Reform allerdings nicht. «Es gibt endlich eine Diskussion über die Qualität an den Hochschulen und die Frage, wie sich diese erreichen lässt.»
Weiterführende Links:
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Kommentar zum Bildungsgespräch: Nichts Neues im Bildungsministerium