Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Es ist wie nach einem Unfall: Ein Verletzter liegt am Boden, aber keiner leistet vernünftige Hilfe. So ist es mit den Folgen der Bologna-Reform. Alle regen sich auf, aber dem Arzt – dem Bildungsministerium – sind die Hände gebunden.
Seit Monaten fordern die Studenten nun schon, Reformbedingungen und Studieninhalte zueinander zu bringen, die Studienzeiten wieder auszuweiten und den Zugang zum Mastersystem zu verbessern. All das will auch Annette Schavan. Doch die Bildungsministerin sitzt wie ein Tiger im Käfig – eingesperrt, bewegungsunfähig.
Die föderale Bildungsstruktur bindet ihr die Hände. Oder lässt sie sich nicht doch viel mehr freiwillig binden? Die Vorarbeit zu den fünf Punkten, die sie heute als wichtige Aktionsfelder benannt hat, ist noch nicht einmal auf dem Mist des Ministeriums gewachsen. Die Denkarbeit haben die Betroffenen der Politik schon abgenommen. Andere Vorstöße wagt sie nicht. Kein Wunder: Immerhin wird an Schavans Stuhl bereits kräftig gesägt.
Schavan will bleiben. Doch Blumenpötte gewinnt man nicht damit, stillzuhalten. So nach einer Bundestagswahl aber wieder auf dem gleichen Platz sitzen zu bleiben, ist noch viel schwieriger. Denn wer wählt schon jemanden, der sowieso nichts tun kann und das auch noch immer wieder zum Besten gibt?
Der konservativen CDUlerin hätte es zur Abwechslung mal gut zu Gesicht gestanden, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen und mit der Hand auf den Tisch zu hauen. Denn darüber zu reden, eine Reform zu retten, verhindert nicht, dass andere in ihr untergehen. Es hilft auch nichts, sich auf vermeintlichen Erfolgen wie der Tatsache auszuruhen, dass Deutschland das drittbeliebtes Land bei ausländischen Studenten ist.
Denn was nützt das, wenn Abbrecherquoten und Nervenzusammenbrüche an Hochschulen zunehmen? Es ist schön, dass man in Gesprächen solche Erkenntnisse hat. Aber reden allein behebt keine Unfallschäden. Deshalb brauchen die akademischen Einrichtungen einheitliche Vorgaben, die sie in einem festen zeitlichen Rahmen umsetzen müssen. Realistische, kleine Ziele gibt es da durchaus. Denn Professoren und Studenten würde es bereits mehr Luft verschaffen, wenn sie ein Semester mehr Zeit hätten, um die Leistungsanforderungen besser zu bewältigen.
kat/mik/news.de