So., 12.02.12

Runder Tisch mit Schavan «Bildungspolitisches Trauerspiel»

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann

Artikel vom 07.07.2009

Das Thema Bologna wirkt bei Studenten und Professoren wie eine Kieferentzündung, noch dazu wie eine, die sich schwer behandeln lässt. Beim Gespräch mit Bildungsministerin Schavan sind nun aber Kurskorrekturen angesprochen worden.

Nun ist auch in Berlin angekommen, was Studenten und Lehrenden seit Wochen debattieren: Es geht nicht darum, den Bologna-Prozess rückgängig zu machen, sondern um dessen Anpassung. «Es bestand Konsens, dass niemand zurück will in die Zeit vor Bologna. Niemand will die Abschaffung der Bologna-Reform», sagte Annette Schavan nach dem vierstündigen Bildungsgespräch.

Gemeinsam mit Studenten, Hochschulvertretungen sowie Vertretern der Hochschulrektorenkonferenz und der Kultusministerien seien notwendige Korrekturen besprochen worden. Dazu gehöre die Anpassung der Lehrinhalte, die Flexibilisierung der Studiendauer, wobei bis zu acht Semester Bachelorstudium denkbar seien, sowie eine bessere Beratung und Betreuung der Studenten.

Nicht gerüttelt werden soll am Übergang zwischen Bachelor und Master. «Ich bin gegen eine Quote», sagte Schavan und schließt damit eine Regelung aus, die Hochschulen dazu zwingen könnte, mehr Studenten zu Masterstudiengängen zuzulassen. Untersuchen wolle man aber, ob, welche und wie effektive berufliche Wege nach dem Bachlorabschluss eingeschlagen werden.

Echte Effekte von dem Berliner Treffen erwartet der Freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften (FZS) unterdessen nicht. Für den Dachverband ist Annette Schavan ein zahnloser Tiger. Einmal zu oft habe die Ministerin nun wieder darauf verwiesen, dass die Bildungskompetenz bei den Länder liege. Das verkompliziere aber echte Lösungen und eröffne auch keine neuen Wege. FZS-Vorstandsmitglied Anja Gadow kritisierte, dass bundeseinheitliche Regelungen verhindert würden, weil es bei der Bildung nicht um Sach-, sondern nur um Parteipolitik gehe.

Unterderssen schließt sich die Vorsitzende des Bildungsausschusses im Bundestag, Ulla Burchardt (SPD), der Forderung an, die Bologna-Reform zu refomieren. Flexiblere Studienzeiten seien ebenso notwendig, wie die Studiengänge zu entrümpeln. Zugleich sollten Studiengänge Vorbild sein, bei denen die Umstellung auf Bachelor- und Masterabschlüsse erfolgreich und zur Zufriedenheit von Studenten und Hochschulpersonal verlaufen sei.

Einen ähnlichen Kurswechsel nach einem Drei-Punkte-Plan schlägt auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft vor. Demnach solle es Studenten überlassen werden, ob sie bereits nach dem Bachlor die Hochschule verlassen oder noch ein Masterstudium dranhängen. Diese Option bietet die Bologna-Reform theoretisch bereits. Praktisch steht aber nicht für jeden Studenten ein Masterstudienplatz zur Verfügung.

Darüber hinaus müsse im Hochschulpakt 2020 eine Qualitätskomponente festgeschrieben werden. Nur so ließe sich die Betreuungsrelation zwischen Studenten und Lehrenden verbessern. Abzuschaffen sei im Gegenzug der mit der Bologna-Reform aufgekommene Kontrollzwang. Die überhand nehmende Anwesensheitspflicht für Lehrveranstaltungen und enorme Prüfungslast seien keine Bedingungen, die einem modernen Studium entsprechen.

Diese Forderungen, auch seitens der Studenten, hätten bereits Gehör gefunden, sagte Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz. An den Hochschulen werde beispielsweise bereits ein Qualitätsmanagement aufgebaut, um die tatsächliche Belastung der Hochschüler bewerten zu können. Wintermantel hält einen «Thementag» für eine gute Lösung, damit sich die Hochschulen untereinander über ihre Probleme, die im Zuge der Bologna-Reform entstanden seien, austauschen könnten.

Weiterführende Links:

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kat/news.de/dpa

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