Von news.de-Redakteurin Anwen Roberts
Insekten und Seevögel mit Peilsender: Kein Firlefanz, sondern ein Weg, bedrohten Tieren zu folgen und ihren Untergang zu dokumentieren. Denn aussterbende Arten sind vor allem ein wirtschaftliches Problem, wie die aktuelle «Rote Liste» deutlich macht.
Mehr als 850 Tier- und Pflanzenarten wurden in den vergangenen 500 Jahren ausgerottet. Von den heute lebenden Spezies sind fast 17.000 vom Aussterben bedroht. Zwölf Prozent der Vögel und ein Viertel aller Säugetiere gelten als gefährdete Arten. Das ist das Fazit der neu aufgelegten «Roten Liste» der Artenschutzunion IUCN.
Seit der Vorgängerstudie von 2005 hat sich der Zustand bezüglich des Artereichtums fast 200 bedrohter Spezies sogar noch verschlechtert, dagegen haben sich nur 40 Arten erholt. Für die Autoren der Artenschutzstudie eine Besorgnis erregende Tendenz, da sie den Erfolg des 2002 beim UN-Nachhaltigkeitsgipfel ausgehandelten Artenvielfaltsabkommens - eins der Millenium-Entwicklungsziele (MDG) der UN - stark gefährde.
Nach der umfangreichen Datenanalyse von fast 45.000 Tierarten auf der Roten Liste der IUCN ist abzusehen, dass die Weltgemeinschaft die erklärten Ziele des Bioversitätsabkommens bis 2010 nicht einhalten werden kann. Erschreckend sind die Daten nicht nur für Öko- und Tierfreunde: Vor allem der wirtschaftliche Schaden durch den Verlust von Artenreichtum sei ein ernstes und doch unterschätztes Problem, sagen die IUCN-Experten.
Nach dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht hat sich insbesondere der Zustand von Amphibien in den vergangenen Jahren verschlechtert, von denen mehr als ein Drittel vom Aussterben bedroht sind. Der Niedergang von Kröten verdeutlicht zugleich volkswirtschaftliche Konsequenzen, denn mit dem Amphibienschwund könnten auch bislang unentdeckte medizinische Wirkstoffe verschwinden, bevor sie überhaupt gefunden werden.
Doch auch vermeintlich unnütze Arten erregen immer mehr Aufsehen, ausgerechnet durch ihr Verschwinden. Dank technischer Hilfsmittel sind aber neuartige Überwachungsprogramme möglich, in denen durch das Beobachten von Einzeltieren der dramatische Artenschwund abgebremst werden soll.
So wollen Forscher der britischen Universität Newcastle Papageientauchern, die in der Nordsee in riesigen Kolonien leben, winzige GPS-Sender anbringen. Die Population vor der schottischen Küste war auf geheimnisvolle Weise innerhalb von fünf Jahren um ein Drittel geschrumpft. Nun soll die Überwachung von Flug- und Fressverhalten Klarheit bringen.
Eine weitere Art, deren Verhalten als ungelöstes Rätsel der Biologie gilt, wird ähnlich überwacht: der Monarchen-Schmetterling. In gigantischen Schwärmen wandern die Schmetterlinge durch Nordamerika und steuern auf ihrer Reise immer wieder dieselben Bäume als Landeplätze an. Doch auf dem Rückweg ist schon die Folgegeneration unterwegs, die eigentlich gar nicht wissen kann, wo sich überall ihre Vorfahren niedergelassen haben.
Dieses Phänomen hat für so viele Spekulationen gesorgt und ist so bekannt, dass es längst in die Popkultur Einzug gehalten hat - Tom Robbins' Hippiesatire «Ein Platz für Hot Dogs» ist das unterhaltsamste Beispiel. Nun nimmt sich eine etwas ernsthaftere Institution der Sache an. Das Radolfzeller Max-Planck-Institut für Ornithologie testet jetzt mit US-Forschern zusammen kleine Radiosender, die den Monarchen für den Langstreckenflug aufgesetzt werden.
Nach ein paar Testflügen soll ein Filmteam von National Geographic dann den Schmetterlingen auf ihrem Flug von den Großen Seen Kanadas bis Mexiko im Hubschrauber folgen und so das Naturspektakel der Monarchen-Migration erstmals in allen Einzelheiten festhalten.
Der Koblenzer Biologe Martin Wikelski, Leiter des Monarchen-Monitoring, hat schon Schildkröten, Libellen und Fledermäuse mit Sendern versehen. Doch die Fluglinien des Monarchenfalters nachzuzeichnen, hat vorher noch niemand gewagt. Das Projekt macht deutlich, dass sich der Einsatz der Überwachungstechniken selbst bei wirtschaftlich «uninteressanten» Arten lohnt.
«Es ist an der Zeit anzuerkennen, dass die Natur der größte Konzern der Welt ist, der zum Vorteil von 100 Prozent der Menschheit arbeitet - und das kostenlos», so formuliert es Jean-Christophe Vié, stellvertretender Leiter des Artenvielfalt-Programms der IUCN und Hauptautor der neuen Studie. «Regierungen sollten genauso viel Mühe in die Erhaltung der Natur stecken wie in die Rettung des ökonomischen und Finanzsektors, wenn nicht mehr.»
Der Bericht wolle keine Entscheidung für Wirtschaft oder Natur forcieren, betonen die Autoren. Es gehe ihnen aber um die Wertschätzung der Natur als ökonomischen Sektor, der sich nicht so einfach wieder aufbauen lässt, wie es bei maroden Unternehmen oder Industriezweigen der Fall wäre. «Was in der Natur verloren geht, ist für immer verloren - das entspricht einem Verlust an Kapital, das sich nicht ersetzen lässt», sagte Studienleiter Vié.
Die Pflanzen und Tiere der Erde hätten alle eine spezifische Rolle und würden zu essentiellen Lebensbereichen des Menschen wie Nahrung, Medizin, Sauerstoff, Kohlenstoffspeicherung, Bestäubung von Kulturpflanzen und Wasserqualität beitragen. Artenreichtum ist also ganz wörtlich als Reichtum zu verstehen. «Wir brauchen sie alle, in großen Zahlen. Wir können uns buchstäblich nicht leisten, diese Arten zu verlieren.»
Meeresforscherin Antje Boetius: «Wir verlieren Arten, die wir nicht mal kennen»
Onlinehandel: Internet bedroht seltene Tierarten
Aus dem Netz:
Link zur IUCN-Studie im Original (engl.)
Die Artenschutzziele bis 2010 gemäß dem UN-Abkommen, das von 154 Staaten unterzeichnet wurde
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Es ist scheinheilig, wenn man über das Artensterben jammert und gleichzeitig das Wachstum der Erdbevölkerung ausklammert. Arten sind schon seit anbeding der Erde ausgestorben und erst seit ca. 70 Jahren können wir den Wandel genau dokumentieren. Wölfe,Luchse und Bären in einem Europa der wachsenden Bevölkerung durch Zuwanderung an zu siedeln, bedeutet auf die Dauer auch Todesopfer durch Tiere zu respektieren. Es wird nur nicht ausgesprochen. Unsere Artenschützer sollten offen überall in der Welt Stellung beziehen !!! Entweder Artenschutz oder einen Zuwachs der WEltbevölkerung !!! Das wird leider erst vielleicht in Jahrzehnten offen diskutiert werden. Wer über den Klimawandel jammert, vergißt, das das ERdklima nie ein Konstante war !!! CO2 dafür verantwortlich zu machen, heißt zu lügen !!! Seit über 60 Jahren wahr der Co2 Wert nicht so niedrig !!! Pflanzen brauchen CO2 und wann wird uns das bewußt , und lernen wir die Realität zu sehen.
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