Im Norden und Osten Deutschlands wird mehr geraucht als im Süden. Das geht aus dem ersten Tabakatlas für Deutschland hervor. Die Mehrzahl der Raucher ist männlich und die meisten rauchenden Jugendlichen gibt es in Ostdeutschland.
Die Ergebnisse des ersten Tabakatlas für Deutschland stellten die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) und das Deutsche Krebsforschungszentrum in Berlin vor. Demnach ist der Anteil qualmender Männer in Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und Berlin am höchsten. Frauen rauchen in Berlin, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen am meisten.
«Wo mehr geraucht wird, wird auch mehr gestorben», sagte Krebsforscherin Martina Pötschke-Langer. Dies habe auch soziale Gründe. Bätzing forderte erneut ein einheitliches Rauchverbot in Kneipen. Eine höhere Tabaksteuer schloss sie aus.
Das Nord-Süd-Gefälle beim Rauchen führt auch zu einer höheren Sterberate im Norden durch Lungenkrebs und Herzerkrankungen als Folge des Qualmens, heißt es im Tabakatlas. Rund 110.000 Menschen starben 2007 als Folge des Rauchens, das sind rund 300 täglich. Die meisten rauchbedingten Todesfälle - teils mehr als ein Fünftel - finden sich bei Männern in Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland. Bei Frauen gibt es vor allem mehr Todesfälle wegen Rauchens in Berlin, Bremen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Der Anteil liegt teils bei mehr als sieben Prozent. Insgesamt gibt es unter den Männern deutlich mehr Raucher als unter Frauen.
Ein klares Ost-West-Gefälle zeigt sich bei jugendlichen Rauchern. Jungen und junge Männer zwischen 15 und 20 Jahren rauchen vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Bei Mädchen und jungen Frauen sieht es ähnlich aus.
Menschen mit geringem Sozialstatus rauchten deutlich mehr als Menschen mit einem hohen sozialen Status, berichten die Forscher. Wer studiert hat, raucht am wenigsten. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Hamburg ist der Unterschied zwischen dem Anteil männlicher Raucher mit und ohne Abitur am größten, bei den Frauen finden sich die größten Unterschiede in Mecklenburg-Vorpommern. «Die südlichen Länder sind deutlich wohlhabender als die nördlichen», sagte Pötschke-Langer. Der niedrigere Anteil an Rauchern im Süden liege aber auch an speziellen Vorsorgeprogrammen. Die Daten im Tabakatlas stammen unter anderem aus dem Mikrozensus 2005 und der Todesursachenstatistik 2007.
Die Drogenbeauftragte Bätzing lehnt eine höhere Tabaksteuer zum jetzigen Zeitpunkt ab. «Wir hatten ja in den vergangenen Jahren Tabaksteuererhöhungen.» Allerdings könne damit der Tabakkonsum zurückgehen. Der Deutsche Zigarettenverband wies dies zurück. Er warf Bätzing vor, sich um das Problem des Zigarettenschmuggels zu drücken, der bei höherer Steuer steige. Bätzing warf der Union erneut vor, den Aktionsplan gegen Rauchen im Kabinett zu blockieren. Die Pläne hätten aus ihrer Sicht eine Chance zu Beginn der kommenden Wahlperiode.
Bätzing räumte ein, dass die Chance für ein bundesweit einheitliches weitgehendes Rauchverbot in Kneipen nicht groß sei. «Es ist sehr schwierig.» Die EU-Kommission hatte Deutschland zu mehr Anstrengungen aufgefordert. Bis 2012 solle es ein Tabakwerbeverbot für Außenplakate geben, kündigte Bätzing an.
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