Wenn die Hand sich vor dem Bauchnabel schüttelt
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Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Artikel vom 02.07.2009Es gibt ein Instrument, das ist gar keins. Trotzdem spielen es Millionen von Männern, statt zu tanzen - und sie fühlen sich gut dabei. 810 Menschen haben dies nun in New York gleichzeitig getan und damit einen Weltrekord im Luftgitarrespielen aufgestellt.
Die Macher von Printplanet.de können sicher gut drucken. Vom Luftgitarrespielen haben sie leider keine Ahnung. Bieten die doch tatsächlich Luftgitarren an. LUFTgitarren: «stabil, wetterfest, aus einer Leicht-Kunststoffplatte mit Gitarrenkontur».
Aha. Das ist also aus unserer Luft geworden. Es reicht nicht, dass wir permanent das ausgeatmete Recyclingsprodukt unserer Büro- und Bandkollegen inhalieren und, wenn wir doch mal an der frischen Luft sind, Feinstaub in unsere Lungenbläschen saugen. Jetzt soll auch noch das spackigste Instument aller Zeiten, die imaginäre Klampfe für alle Unmusikalischen dieser Welt, feste Materie werden.
Aber Halt. Hier hat blindes googeln auf eine ganz falsche Fährte geführt. Das Luftgitarrespielen ist gar nicht vom Aussterben bedroht. Es gibt eine beachtliche Gemeinde, die allen Vorstößen von Printplanet trotzt. Sie ist in New York zu finden und setzt sich aus Mitarbeitern des Broadway-Musicals «Rock of Ages» zusammen. Die haben jetzt noch ein paar New Yorker zusammengetrommeln und rasch einen Weltrekord aufgestellt, bevor die gasförmige Luftgitarre Legende wird.
Damit stehen sich jetzt im Guiness-Buch, stellvertretend für all die blassen Muttersöhnchen, in deren Herz ein Rocker schlummert. Die auf der Tanzfläche erst dann auftauen, wenn der Alkohol billig ist, aber dann. Dann schnellt der linke Arm im Winkel zur Seite, und die rechte Hand schüttelt sich vor dem Bauchnabel. Absurde Gesten nur für all jene, die nicht in der Haut dieses Menschen stecken. Denn der fühlt gerade den Geist von Hendrix und Slash in sich aufsteigen, er ist Teil der Musik, lehnt sich zurück, geht in die Knie, und, wenn die Musik laut genug ist, singt er sogar.
Der nächste Morgen, das Wiedersehen mit den anderen von der Tanzfläche, ist in diesem Moment unbedeutend. Und wenn es ihm doch irgendwann einmal peinlich werden sollte, dann bleibt immer noch New York.
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